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Die Idee eines gemeinsamen Europas ist ein unschätzbar wertvolles menschliches Lehrstück der Vergebung und des Verzeihens. Die realpolitische Umsetzung zeigt, dass politische Ideen verwirklicht werden können, an die vor wenigen Jahrzehnten niemand zu glauben wagte. Menschen, die Utopien entwerfen, gestalten Zukunft.
Der zu Recht angesehene ös terreichische Schriftsteller Robert Menasse entwickelt Utopien. Für sein aktuelles literarisches Werk übersiedelte er für einige Monate nach Brüssel. Auch wenn das Expeditionsergebnis eher eine leidenschaftliche Empörung über die von nationalen Interessen dominierte Realverfassung der europäischen Idee ist, blitzt bruchstückhaft seine Utopie von einem nachnationalen, grenzenlosen, solidarischen und subsidiären Europa der frei assoziierten Regionen auf.
Die Grundthese der essayistischen Streitschrift "Der europäische Landbote" lautet: "Entweder geht das Europa der Nationalstaaten unter, oder es geht das Projekt der Überwindung der Nationalstaaten unter." Menasse fordert - um dem Gründeranspruch "nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz" gerecht zu werden - das Ende der Nation zugunsten der Region. Denn "Europa ist in Wahrheit ein Europa der Regionen."
Im Hinblick darauf, dass das Ziel eines nachnationalen Europas nur die Reduktion der geografisch determinierten Konflikte bedeuten kann, macht die Überwindung der Nationen zugunsten der Regionen wenig Sinn. Denn genauso wie die Nation wird auch die Region monetäre, ökonomische, soziale, sprach liche, kulturelle und politische Unterschiede vereinen. Eine Region als Wahlgebiet für Abgeordnete, so wie Menasse vorschlägt, wird auch geografische Grenzen vorweisen. Sie wird im Binnen- als auch im Außenverhältnis heterogen sein. Und durch diese Gegensätze entstehen Eigeninteressen, die Konfliktlinien produzieren.
Selbstverständlich werden die Regionen versuchen, die aus den interregionalen Austauschbeziehungen resultierenden Kosten und Nutzen zu ihren Gunsten zu verteilen. Sie werden versuchen, die Asymmetrie der europäischen Interdependenz zu nützen, um dieses Eigeninteresse durchzusetzen. Ähnlich der Europapolitik von Angela Merkel, die aus moralischer Sicht von Menasse dafür zu Recht kritisierten wird.
Die nationale Identität ist für Menasse "eine schäbige Ideologie, die regelmäßig zu Kriegen und Verbrechen wider die Menschlichkeit geführt hat". Doch wenn, wie Menasse schreibt, Mentalitätsunterschiede nach Grenzziehungen entstehen, dann würden sich auch die regionalen Identitäten durch die neuen Regionalgrenzen weiter ausprägen. Als Folge würden Gegensätze weiterwachsen und vorhandene Regionalkonflikte sich zuspitzen. Würde man zusätzlich viele kleine Regionen schaffen, würde dies zwar weniger zentralisierte Macht bedeuten, jedoch auch mehr geografisch definierte Konfliktlinien.
Natürlich hat Menasse recht, wenn er die fehlende Selbstverständlichkeit zur europäischen Solidarität vermisst. Eine Selbstverständlichkeit, wie Oberösterreicher den Niederösterreichern solidarisch beistehen würden. Jedoch ist es die oft befremdliche natio nale Identität und der daraus resultierende Patriotismus, der als Kleister wirkt. Eine fundierte Antwort, inwiefern sich regionale Identität und Regionalpatriotismus von der nationalen Ausformung unterscheidet, bleibt Menasse schuldig. Schlummert zwischen der Forderung nach Solidarität in einem Europa der Regionen und der Verachtung für nationale Identität und Patriotismus nicht ein Widerspruch?
An einer Stelle gesteht Menasse bescheiden ein, dass er nicht weiß, wie "das absolut Neue, die nachnationale Demokratie" aussehen wird. Vielleicht, weil die grenzenlose, nachnationale Zukunft Europas, die er sucht, nicht in den Regionen zu finden ist, sondern in der digitalen Gesellschaft. In der Struktur und Kultur der nächsten Generation, die von der Revolution des Internets eingeleitet wurde. In einer Sphäre, die unsere Lebensbereiche zunehmend dominiert. Jeder Bürger hat eine eigene digitale Identität. Diese digitale Identität wird mit der analogen in einer neuen Identitätsform aufgehen. Diese definiert sich großteils über Interessen und Handlungen.
Hinzu kommt, dass durch die Digitalisierung der Gesellschaft zunehmend räumliche und sprachliche Barrieren überwunden werden. Nationale oder regionalen Grenzen sind in der digitalen Gesellschaft bereits bedeutungslos. Ziehen wir diese Trends in Betracht, so müssen wir die "Regionen" dynamischer und flexibler denken. Vielleicht wird "das absolut Neue" ein politisches Europa der digitalen Identitäten, vereint in Netzwerken. Netzwerke, die sich entlang von Interessen formen, wieder auflösen und aus denen Repräsentanten gewählt werden. Solidarität besteht dann gegenüber dem Interesse, auf Grundlagen der Aufklärung und den Prinzipien der französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Solidarität. Identität ergibt sich aus den Interessen und Handlungen. Patriotismus für und Identität auf Basis von geografischen Einheiten wären damit hinfällig.
Doch wie das Europa der Netzwerke aussehen wird, lässt sich schwer vorhersagen. Fakt ist, geografische Grenzen und damit verbundene Konfliktlinien lassen sich beseitigen, jedoch nicht durch Regionen. Eher durch die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft. Gegensätze werden auch in Zukunft bestehen, Partikularinteressen auch. Die Suche nach der gemeinwohlorientierten Balance der monetären, sozialen und ökonomischen Interessen wird daher auch ohne geografische Grenzen prioritäres Ziel der europäischen Politik werden müssen.
Eine Reform der Interessenaggregation ist unausweichlich. Die Abschaffung des Rates und mehr direkte europäische Demokratie, wie Menasse es fordert, ist ein erster Schritt. Im Zentrum der Reformnotwendigkeiten muss jedoch immer der Wille zur Transformation der unterschiedlichen Interessen zu einem europäischen Gemeinwohl stehen. (Martin Ehrenhauser, DER STANDARD, 13.11.2012)
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Herr "Buntspecht", ich stimme ihnen trotz Ihrer Wortdreherei nicht zu. Diese fälschlich als "Kommentar" markierte Buchbesprechung läuft jedem journalistischen Standard zuwider. Der Auto ist offenbar nicht fähig die Gedanken Menasse's sinngemäß wiederzugeben. Stattdessen verläuft er sich darin Worte Menasse's unreflektiert wiederzugeben.
Dieser "Artikel" - oder genauer, dieser kostenlose Werbebeitrag Ehrenhausers und Menasses - hat in einer Morgenlektüre, von der sich zahlende Leser ernsthaften Journalismus erwarten, nichts verloren. Wenn ich unreflektierten Unsinn und "anglizierte Buzzwords" lesen will kann ich auch die Krone kaufen.
Das Sie (Ehrenhauser selbst?) Kritik damit beantworten meinen Intellekt zu hinterfragen ist eine Beleidigu
nein, ich bin nicht der Hr. Ehrenhauser. Betreffend Beleidigung ein guter Rat von mir: nehmen Sie doch nicht jedes Schriftstück persönlich. Viele Leser - auch ich - stimmen sicherlich mit vielen Inhalten verschiedenster Artikel nicht überein. Aber um Himmels Willen - das nimmt doch kein normaler Leser so persönlich wie Sie das tun!! Sie wirken ja total konfus. Im Ernst: vielleicht sprechen Sie mal mit einem Neurologen. Sie stellen meiner Ansicht nach eine Gefahr für sich selbst dar wenn Sie sich da sooo tief rein lassen. Will mir gar nicht vorstellen was in Ihnen vorgeht wenn Sie mal den Lugner in ATV sehen oder Faymann und Spindelegger zuhören.
Versprechen Sie mir: lassen Sie 5e mal gerade sein und alles wird wieder gut!
Die Idee mit den Netzwerken wäre an und für sich nicht schlecht. Ich sehe nur zwei Probleme...nicht jeder ist digitalisiert - das sind zwar sehr viel Junge, aber doch nicht alle. Zweitens- die Sprache. Um überregional agieren zu können, benötigt es eine Einheitssprache, damit alle einander verstehen. Nun ist es zwar so, dass schon sehr viele Menschen Englisch können - aber halt doch nicht alle. Und damit hätten wir dann eine Zweiklassengesellschaft - die englischsprechenden Digitalilsierten und diejenigen, die das nicht sind. Das heißt, echte Gleichheit gäbe es erst, wenn jeder - wirklich jeder - die Einheitssprache spräche und digitalisiert wäre.
kann ich darauf nur Antworten ein Europa der Regionen Krieg haben sie dennoch fast ständig geführt
Schweiz die Kantone 200 jahre Krieg
Frankreich der Regionen Krieg zwischen den Religionen usw usw
Russland endlose Aufstände usw
Es ist halt eine Tragödie wenn das werte Geschichtsbild 1933 beginnt dann gibts nur die bösen Nationen. Wenn hingegen 1000 Jahre zurück blickt war der Konflikt der Nationen 100 Jahre lang und der zwischen Regionen und Städten, reichen und armen Gebieten, 900 Jahre lang.
Also viel Glück beim friedlichen Europa der Regionen vor allem wenn die Währung EURO heißt.
So sehr ich Menasse auch zustimme, eine solch schlecht geschriebene Buchbesprechung - und dann auch noch als Kommentar markiert? - habe ich im Standard noch nicht gesehen.
Der Autor fasst das Buch schlecht zusammen und hat abgesehen von der Platitüden- und Tautologiensammlung offensichtlich keine eigene Meinung. Dazu kann der Autor nicht einmal anständig Deutsch. Verwurstelungen wie "Natürlich hat Menasse recht, wenn er die fehlende Selbstverständlichkeit zur europäischen Solidarität vermisst." haben in einem Qualitätsmedium nichts zu suchen.
Werte Redaktion, ich würde mir wünschen, dass ihr eure Arbeit anständig macht. Diesen Beitrag heute morgen in der Druckversion zu sehen war eine Beleidigung für mich und alle anderen zahlenden Leser.
schlecht würde ich den Artikel nicht unbedingt bezeichnen. Eher intellektuell herausfordern und vielleicht etwas zuviel streng akademische Formulierungen. Mir würde eine etwas mehr umgangssprachliche Formulierung auch das lesen erleichtern.
Aber wenn ich mir die Kommentare so ansehe, dürfte Hr. Ehrenhauser hier wohl auch seine digitale Identitätsgruppe gefunden haben...
Das Problem ist nicht die Nation - es ist der Nationalismus.
Und wenn es keine Nationen gäbe - dann würden jenen Elemente, die aus den Radikalisierungen Nutzen ziehen, eben Regionalismus fördern und für ihre Netze nützen.
Ihr Konzept, Hr. Menasse, greift zu kurz!
Absolut! Und Nationalismus ist IMMER der Missbrauch der Nation durch imperiale Interessen. Wer genauer hinschaut, wird das bei beiden Weltkriegen leicht erkennen können. Das wird heute verdrängt, weil eben ein neues Imperium entstehen soll. Seine zerstörerische Seite ist aber schon deutlich erkennbar. Nur die Nationalstaaten hindern Brüssel noch daran, direkt durchzugreifen, auch in unsere Brieftaschen. Ein Europa der Regionen allein wäre Brüssel völlig ausgeliefert.
nicht aus um richtig zu verstehen. Möglich. Ich verstehe unter Identität im Cyberspace so wie sie hier beschrieben wird einen jeweiligen Spiegel der Interessen, Vorlieben, Einstellungen, etc.. unabhängig von der Nationalität oder Rasse.
Wenn Sie und z.B. ein in Österreich lebender Italiener z.B. im Standard bei politischen Themen posten haben sie mit ihm mehr gemeinsam als ein Schulkollege von Ihnen, der den PC nützt um Spiele zu spielen und in einschlägigen Spielerforen postet.
Oder verstehe ich das vollkommen falsch??
da habe ich sie mißverstanden; ich dachte, sie meinten die erfassung von IP-nummern u.dgl.
ja, ich verstehe ehrenhauser in etwa wie sie. und genau diese ansicht stelle ich in frage. gerade in foren blüht die rollenprosa. der von mir sehr geschätzte "la chiesa pontifica amen" ist vermutlich kein salbungsvoll-strenger katholik. und vielleicht postet er auch unter einem anderen nick zu anderen themen ganz anderes.
generell wird der identitätsbegriff überspaziert. wir alle haben verschiedene soziale rollen bzw. spielen verschiedene, online und offline. das ist grundlegender als jegliche angebliche identität.
ich vermute, dass Ehrenhauser mit der von ihm angesprochenen Form der Identitätsgruppen ein mögliches Zukunftszenario zeichnen wollte. Das ist ein legitimes Gedankenspiel und regt auf jedem Fall zur Diskussion darüber an.
Wo ich den Knackpunkt heute sehe ist neben den von Calimero schon erwähnten sprachlichen und technischen Vernetzungs-Hindernissen auch die Frage, wie man dann die Differenzen zwischen den einzelnen Identitätsgruppen überwinden kann. Wird dann nicht der derzeitige Patriotismus von einem Kampf der gegenseitigen Identitäten abgelöst? Wären dann die Gräben nicht vielleicht sogar tiefer als sie es heute sind??
was konstituiert solche gruppen und wie dauerhaft sind sie?
handelt es sich überwiegend um mehr als flüchtige zusammenschlüsse von menschen mit - tatsächlichen oder angeblichen - ähnlichen ansichten, die einander bestätigen? wir mögen einander recht geben, aber schafft dies eine dauerhafte gemeinsame identität? in anderen fragen könnten wir ziemlich unterschiedlicher ansicht sein. würde das einen graben zwischen uns errichten?
innerhalb einer Gruppe oder dann vielleicht schon quer durch die Nationen gehenden Gemeinschaft meine ich, sondern der mögliche Graben zwischen den unterschiedlichen Gruppen.
Also ich könnte mir vorstellen, mich in einer Gruppe von Deutschen, Italienern, Franzosen, Kroaten,... die für mehr direkte Demokratie und trotzdem für einen starken Staat sind wohler zu fühlen, als mit wirtschaftsliberalen Österreichern, die den Staat abschaffen möchten. Würde sich jetzt zwischen den Wirtschaftsliberalen in Österreich und mir ein tieferer Graben auftun da ich ja "Verstärkung" durch meine quer durch Europa gehende Gruppe hätte?
Die Gruppen so denke ich würden sich schon konstituieren. Es gibt ja jetzt schon viele Interessensgruppen im Netz...
sie sind sicherlich mitglied mehrerer gruppen, wie die anderen mitglieder dieser gruppen auch. aber nicht notwendigerweise in den gleichen gruppen. sie können mitglied einer gruppe von menschen sein, denen mehr direkte demokratie ein anliegen ist (da könnten auch wirtschaftsliberale darunter sein), und zugleich mitglied einer gruppe sein, die sich für die verstaatlichung aller immobilien einsetzt. vermutlich sind viele derjenigen, die für mehr direkte demokratie sind, gegen diese verstaatlichung. - wieviele identitäten haben sie dann? eine? zumindest zwei? die frage nach der identität ist hier vielleicht gar nicht relevant. ehrenhauser überträgt die (fragwürdige) idee der nationalen identität auf andere bereiche; das funktioniert nicht.
ich weis worauf Sie hinaus wollen.....der gemeinsame Nenner muss schon ziemlich groß sein......und das ist wahrscheinlich auch das Problem......wie man an den vielen hundert kleinen Parteien sieht die anscheinend keinen gemeinsamen Nenner finden um sich zu einer gemeinsamen, großen Bewegung zusammen zu schließen....
so ist es. und im cyberspace ist vieles flüchtiger natur - wie unsere diskussion. bestehende initiativen können gestärkt werden, kurzfristige können sich bilden (siehe online-petitionen), ohne digitale medien kommen soziale bewegungen nicht mehr aus, aber ich bin mir nicht sicher, ob rein im cyberspace stabile bewegungen entstehen können, größere bandbreiten und schnellere geräte im verbund mit besseren webkonferenzapplikationen werden persönlicheren kontakt ermöglichen. ich bin seit 20 jahren im netz, vieles hat sich verändert, aber die träume sind die alten. zumindest bei alten hasen wie mir.
wäre interessant zu untersuchen, welche rolle der cyberspace für occupy gespielt hat bzw. spielt.
Da hat Ehrenhauser mit seiner Kritik an Menasse recht! Nur ist Ehrenhauser selbst ein Anarchist. Aus den selbstsüchtigen Interessen der einzelnen Individuen entsteht keine einheitsstiftende Ordnung,sondern nur Chaos. Chaos aber wird beseitigt durch die Tyrannis des „Großen Bruders“, der in den „Vereinigten Staaten von Europa“ ans Ruder kommen würde.
Wer an einer ernsten Debatte über die echte Alternative: „Europa der Vaterländer - Vaterland Europa“ sollte sich das Video über die Veranstaltung der Messner-Gesellschaft im Curhaus (Stephansplatz) vom 17. Okt. ansehen. Vor allem die letzten 20 min mit den heißen Wortmeldungen aus dem Publikum haben es in sich!
http://de.gloria.tv/?media=348
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