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Wieder einmal lagen die Meinungsforscher arg daneben. Ihren Prognosen zufolge schien dem slowenischen Präsidenten Danilo Türk die Wiederwahl nicht zu nehmen zu sein. Aber offenbar ist es nicht so sehr staatsmännische Statur, was die Slowenen von ihrem Spitzenrepräsentanten in der tiefsten Krise seit der Unabhängigkeit des Landes wünschen.
Türks Herausforderer Borut Pahor scheiterte zwar als Regierungschef mit seinem Reformprogramm, das den Bürgern einiges an Verzicht zumutete - und angesichts der dramatischen Budgetlage noch immer alternativlos ist. Aber als Präsidentschaftskandidat präsentierte sich Pahor als dynamischer Tatmensch. Mit der Devise "Nur gemeinsam schaffen wir es" geht er als Favorit in die Stichwahl.
Der linksgerichtete Türk und sein innenpolitischer Hauptwidersacher, der rechtsnationale Premier Janez Janša, stehen für das "alte" Slowenien: für die historisch bedingte Kluft zwischen zwei weltanschaulichen Lagern. Als Präsident hat es der international angesehene Völkerrechtler Türk nicht geschafft, ein Klima der Verständigung und Versöhnung zu fördern. Mit einem Gegenspieler, der die Geschichte gern politisch instrumentalisiert (auch, um von der Krise abzulenken), ist das freilich nicht leicht.
Davon aber haben offenbar immer mehr Slowenen genug. Sie wünschen sich politische Führung mit konstruktivem Ansatz. Das ist die Botschaft dieser Wahl. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 13.11.2012)
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