Alte Herren, junge Damen, viele Probleme

Im Springreiten vollzieht sich eine Wachablöse - Pferdefest vor Veränderungen

Wien - Manche Dinge ändern sich nie. Zum Beispiel könnte das "Wiener Pferdefest", das früher "Fest der Pferde" hieß, mehr Zuseher vertragen. Josef Göllner, der 2011 Peter Nidetzky als Ausrichter in der Stadthalle abgelöst hat, konnte auch heuer weder positiv noch ausgeglichen bilanzieren, damit hatte er freilich gerechnet. Göllner, der auch in Salzburg und Graz sowie in seinem Heimatstall Lamprechtshausen Turniere veranstaltet, war mit einem Vierjahresplan in Wien angetreten, es ist quasi Halbzeitpause.

Ab dem dritten Jahr, das war Teil von Göllners Plan, sollte etwas herausspringen in Wien. Damit der Pan aufgeht, sollte sich freilich einiges ändern. Möglich wäre eine Straffung des Programms, etwa eine Verlegung des Kinderfests von Donnerstag- auf Freitagnachmittag. Möglich wäre eine kurze Turniereröffnung am Freitagabend mit Tickets um zehn Euro. Möglich wäre die Erweiterung des Pferdefests auf ein "Pferde- und Hundefest".

Manche Dinge ändern sich doch. Zum Beispiel war Hugo Simon (70) heuer nicht dabei, weil nach einem Sturz am Rücken verletzt. Natürlich wird Simon in Wien wieder zu sehen sein, und sei es zum offiziellen Pensionsantritt, das wäre jedenfalls ein publikumsträchtiger Coup.

Eine Art Wachablöse, wenn man so will, vollzieht sich bereits. Wie Simon kann auch Thomas Frühmann (61) das Rad der Zeit nur bremsen. Er will mit seinem Spitzenpferd The Sixth Sense (16) von der internationalen Bühne abtreten. Frühmann hofft, dass "die Sense" nach überstandener Sehnenverletzung (Fesselträger links hinten) noch ein, zwei gute Saisonen in den Beinen hat.

Wer in die Bresche springen könnte? Neben Stefan Eder (31), der heimischen Nummer eins, erweisen sich derzeit speziell junge Damen als sattelfest, allen voran die 20-jährige Stefanie Bistan. Andere Hoffnungsträgerinnen sind Laura Lehner (20), Lea Florentina Kohl (18) und Melanie Buchner (18). Bistan belegte schon 2011 in der Stadthalle den sechsten Derby-Rang. Heuer liegt sie in der Rangliste "Top of Austria" hinter Eder auf Rang zwei, auch in der Stadthalle zeigte sie auf, etwa am Sonntag als Zehnte im Championat. Bistans Schimmelstute Juvina (11) gilt als eines der besten Sportpferde, die je in Österreich gezüchtet wurden.

Juvina gehört allerdings nicht Bistan, sondern dem Züchterehepaar Leopoldine und Christian Großholzner. Und niemand kann garantieren, dass die Großholzners nicht schwach werden, wenn ihnen ein Scheich oder sonstiger Krösus plötzlich Unsummen für Juvina bietet. Göllner würde sich einen heimischen Gönner wünschen, der dafür sorgt, dass Juvina in Österreich und in Bistans Händen bleibt. Die Herren Stronach oder Glock, sagt Göllner, könnten solcherart viele Sympathien gewinnen.

Bei jungen Damen kann man aber auch nie wissen. Viele, die mit 20 auf dem Sprung zur Spitze scheinen, kommen dem Sport fast über Nacht abhanden. Göllner: "Der Ernst des Lebens beginnt. Die Eltern wollen oder können das Reiten nicht mehr finanzieren. Oder der neue Freund will davon nichts wissen." Es gibt leider nicht genügend pferdenarrische Burschen, das ändert sich nie. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 13.11.2012)

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