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Die Krise in Osteuropa traf Österreichs Schuhhändler stark. Leder & Schuh will dem Ver nehmen nach in Polen kürzertreten.
Wien - Lange ließ der Konzern mit seiner rasanten Expansion aufhorchen. Dann bestimmten Familienzwist und der Konflikt mit einem abberufenen Manager die Schlagzeilen. Bis vor rund einem Jahr die Übernahme des maroden Rivalen Stiefelkönig die Branche bewegte.
Leder & Schuh hat den Schuhmarkt in Österreich und Osteuropa mit den Vertriebslinien Humanic, Stiefelkönig, Jello, Shoe4You, Dominici, Corti fest in der Hand. Probleme im Osten und mit Stiefelkönig lassen die Gruppe mittlerweile aber auf der Stelle treten. Nun wird das Management kräftig umgebaut, erfuhr der STANDARD.
Gottfried Maresch tritt mit Ende des Jahres als Vorstandsvorsitzender ab. Nach mehr als zwanzig Jahren im Konzern soll er in den Aufsichtsrat wechseln. Ihm folgt Peter Simma nach, der 2011 weg von Wolford als Finanzchef in die Grazer Zentrale geholt wurde. Am Absprung ist auch Oliver Wieser. Der Stiefelkönig-Geschäftsführer soll für den Sanierer Erhard Grossnigg die Schuhmarke Dachstein neu aufbauen, wie er auf Anfrage bestätigt. "Strukturen eines Familienkonzerns sind nicht mein Leben und meine Welt." Seine Aufgaben übernimmt Markus Krug.
Dem Vernehmen nach geht zudem Dieter Matjasic: Er führte das Geschäft von Humanic CEE.
Maresch, er ist knapp über 60, führte für Familienclan-Chef Michael Mayer-Rieckh einen, Beobachtern zufolge, kräfteraubenden Rechtsstreit gegen seinen Vorgänger Thomas Ridder, nun Chef des deutschen Mitbewerbers Reno. Der Akt rund um strittige Aktienpakete ist beim Obersten Gerichtshof. Maresch war aus Termingründen vorerst nicht erreichbar.
Leder & Schuh steht vor zahlreichen offenen Baustellen, die sich hart in der Bilanz niederschlagen. Die MRHG Holding, Eigentümerin der Schuhgruppe, verbuchte 2011 Verluste von 6,6 Millionen Euro - nach 14,5 Millionen Euro Gewinn im Jahr davor. Der Cashflow war mit 4,4 Millionen negativ, die Verbindlichkeiten stiegen von 78 auf 113 Millionen, das Eigenkapital beträgt 27 Prozent, zeigt die jüngste Bilanz. Der Umsatz reduzierte sich leicht auf 433 Millionen. Die Holding gehört zu 70 Prozent Mayer-Rieckh und seinen Söhnen.
Geschäftseinbußen gebe es vor allem im von der Krise schwer getroffenen Osteuropa. Schwankende Wechselkurse belasten Einzelhändler quer durch die Branchen. Leder & Schuh wolle sich nun aus Polen, wo man mit gut zehn Filialen vertreten ist, und der Schweiz zurückziehen, ist intern zu hören. Sorgenkind sei Ungarn, der Konzern ist dort nach eigener Angabe zweitgrößter Schuhhändler.
Konzernkenner kritisieren "aufgeblähte Overhead-Kosten". Während Deichmann als der stärkste Konkurrent alle Kraft in eine Vertriebslinie konzentriere, setze Leder & Schuh auf zu viele Pferde.
Stiefelkönig baute die Verluste 2011 von 8,6 auf 24,6 Mio. Euro aus. Der Umsatz brach von 101 auf 64 Millionen ein. Bis Jahresende gibt die Kette eine große Filiale in der Wiener Mariahilfer Straße auf. Im Gegenzug wurden zwei kleinere Flächen eröffnet. 40 Shops sollen erhalten bleiben, vier gibt es noch im Ausland. Wieser hält den Turnaround 2013 nach wie vor für realistisch. "Die Integration ist abgeschlossen." Stiefelkönig hole sich bereits Marktanteile zrück. (Verena Kainrath, ER STANDARD, 13.11.2012)
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