Einreiseverbot für 2.000 ÖBB-Güterwagen in Italien

  • Nach der Entgleisung eines Gaswaggons im italienischen Viareggio haben die
 italienischen Behörden ein Auge auf die Zugsicherheit geworfen. Die 
ÖBB-Gütersparte bekommt das massiv zu spüren.
    foto: standard/robert newald

    Nach der Entgleisung eines Gaswaggons im italienischen Viareggio haben die italienischen Behörden ein Auge auf die Zugsicherheit geworfen. Die ÖBB-Gütersparte bekommt das massiv zu spüren.

Das Italien-Geschäft der ÖBB-Gütersparte RCA hat keinen guten Lauf. Zu finanziellen Problemen kamen nun technische

Wien - Das Zugsunglück in Brixen Anfang Juni 2012 hat gravierende Nachwirkungen für die ÖBB. Die ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) darf in Konsequenz der Entgleisung eines mit Alteisen beladenen Güterzugs mit 2000 ihrer rund 30.000 Güterwagen de facto nicht mehr nach Italien einreisen. Das hat die italienische Staatsbahn Anfang Oktober verfügt.

Die Blockade werde erst aufgehoben, wenn eine Bestätigung vorgelegt wird, dass die Achsen den internationalen Normen (UIC) entsprechen, teilte Trenitalia unter Berufung auf die italienische Eisenbahnsicherheitsbehörde ANSF mit. Das Schreiben liegt dem STANDARD vor.

Reparatur-Joint-Venture in Trnava

Hintergrund dieser drastischen Maßnahme: Als Auslöser für die Güterzugentgleisung, bei der zwei Menschen verletzt wurden, haben die italienischen Behörden eine lose Radscheibe eines RCA-Güterwagens identifiziert. Der Unfall hat sich laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Bozen geradezu angebahnt: In Innsbruck wurden erste Spuren einer verschobenen Radscheibe gefunden, die sich bis Franzensfeste, zehn Kilometer vor Brixen, bereits auf 22 Millimeter verdoppelt hatte. Dort wurden "deformierte Radlenker festgestellt, die auf eine verschobene Radscheibe schließen lassen", wie ÖBB-Technische Services (TS) im "Ergebnisprotokoll" vom 22. Oktober festhält. Im Weichenbereich vor der Einfahrt in Brixen wurden dann bereits deutliche Entgleisungsspuren gefunden. Genaue Ursache und Schuldfrage sind laut dem Protokoll, das dem STANDARD vorliegt, noch nicht endgültig geklärt.

Klar ist laut ÖBB-Fachleuten allerdings, dass die nun als mangelhaft qualifizierte Aufarbeitung bzw. Revisionierung der Achsen nicht in ÖBB-Werkstätten erfolgt ist. Denn ÖBB-TS hat vor fünf bis sechs Jahren begonnen, Güterwagen-Reparaturen von (teureren) inländischen Werkstätten ins slowakische Trnava auszulagern. Die Zusammenarbeit mit dem dort ansässigen Eisenbahnwerk ZOS (gegründet 1925) war offenbar fruchtbar, sodass ÖBB-TS unter ihrem damaligen Geschäftsführer Franz Seiser (ist 2010 in den Vorstand der ÖBB-Holding aufgestiegen, Anm.) mit der zur größten Reparaturwerkstätte Zentraleuropas aufgestiegenen ZOS Trnava Group ein Joint Venture gründete.

Rückschlag für Italien-Geschäft

Nun verhandeln die Partner nicht über weitere Auslagerungen, sondern darüber, wie und wo die beanstandeten Radsätze repariert werden und wer für den Schaden aufkommt. Von den über die Jahre 6897 bei ZOS aufgearbeiteten Radsätzen sind 1804 "mit Priorität 1" zu tauschen, weitere 1685 erfüllen nicht ÖBB-Kriterien. Allein die Ausbesserungskosten werden laut TS-Papier auf 2,2 Mio. Euro taxiert, Transport- und Materialkosten nicht inkludiert. Diese Kosten wird sich die ÖBB mit ZOS Trnava teilen, sagt ÖBB-Sprecherin Sonja Horner, die den Anteil von RCA bzw. TS mit etwas mehr als einer Million angibt. Dass die beanstandeten Waggons in ein anderes Land fahren könnten, schließt sie aus. Sie würden aus Sicherheitsgründen revisioniert.

Für das aufgrund der Wirtschaftskrise angeschlagene Italien-Geschäft der RCA sind die technischen Schwierigkeiten ein weiterer Rückschlag. Die in Rail Cargo Italia (RCI) umbenannte Linea S.p.A. braucht mehr Geld zur Rekapitalisierung und reißt ein tieferes Loch in die dünne RCA-Eigenkapitaldecke. RCI hat laut Budgetplan vier Mio. Euro Kapitalbedarf - nicht zwei, wie im Oktober berichtet. Der Wertberichtigungsbedarf bei RCA beträgt "bis zu zehn Millionen Euro". (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 13.11.2012)

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Da glaubt man doch, dass das gesamte rollende Material den UIC-Richtlinien entprechen muss, um auf die Schiene zu kommen - anscheinend nicht
Ich bau meine Gleise auch nicht mehr mit 1435mm Spurweite und auch nicht mehr mit UIC 60 Profilen....

ÖBB

Die ÖBB ist also nicht nur unpünktlicht und dreckig, sie ist auch noch unsicher! Wer kann mir garantieren, daß die Wartung bei den Personenwagen funktioniert?? NIEMAND!! Für mich ist die ganze ÖBB-Spitze samt Ministerin (pol. Verantwortung) rücktrittsreif. Das vernünftigste wird sein wir privatisieren bzw. verkaufen an Stronach!

an Stronach?

warum nicht an Deripaska oder Beresowskij?

Infrstruktur MUSS Aufgabe des Staates sein. Das Trautige ist nur, das der Staat bei uns nur unfähige beschäftigt.

Also ich habe gerade letzte Woche ine weitere Reise mit der ÖBB gemacht

Habe dreimal umsteigen müssen. Nach der Pünktlichkeit der Züge hätte ich meine Uhr stellen können. Über die Sauberkeit und bequemlichkeit kann ich mich ebenfalls nicht beklagen. Nach über vier Stunden Fahrt war die Toilette kurz vor Wien immer noch akzeptabel sauber und Wasser zum Händewaschen war auch noch vorhanden. Und der Zug war gut besetzt.
Bei einem Zug kann sich halt nicht jeder das Intirieur wie beim eigennen Auto aussuchen. Nebenbei bin ich schon in Autos mitgefahren die schmutziger und verschlissener waren wie die Waggons der ÖBB.

wennst beim personal nicht mehr einsparen kannst, um gut dazustehen, muß man halt woanders sparen!

Ich glaube an keine Zufälle.

"...Denn ÖBB-TS hat vor fünf bis sechs Jahren begonnen, Güterwagen-Reparaturen von (teureren) inländischen Werkstätten ins slowakische Trnava auszulagern..."

RCA-Klumpert wirklich so kaputt, oder wieder nur typischer italienischer Protektionismus im Schienenverkehr?

also die italiener ...

...dürften ziemliche grätzen sein - wollten ja durchsetzen dass züge aus österreich nur mehr am zielbahnhof stehenbleiben dürfen ...

Das mag sein wie es will. Aber um all diese Verschwörungstheorien und dummen anfeindungen gleich wieder beiseite legen zu können - dass die Italiener IN DIESEM KONKRETEN FALL mit der Sperre Recht haben bestreitet wohl nicht mal die ÖBB.

Das ist ja schon seit dem 1. Weltkrieg bekannt

und wurde im 2. Weltkrieg eindrucksvoll bestätigt.

Ich sage nur "Isonzo".

was sagen eigentlich folgende herren dazu: reinhard lopatka, kuckacka, hubert gorbach, martin barteinstein, wolfgang schüssel, etc

diese herren können sich an nichts erinnern und somit ist der akt geschlossen, typisch politker, bei hypo kann sich hr, pröll auch an ein gewiesen schreiben nicht erinnern

die antwort vom Schüssel kenn ich: der wird einfach wieder nix sagen!

lächeln wird er!

Bei aller Antipathie dem Zwerg gegenüber, damit hat er gar nix zu tun. Bures ist gefragt!

Ich dachte die ÖBB stehen den Roten nahe. Die fehlen aber in dieser Liste....

Das war mal... unter Schwarzblau wurde da bekanntlich einiges umstrukturiert, schon vergessen?

wer war denn für das bundesbahnstrukturgesetz 2003 verantwortlich?!

Das hat was mit selektiver Farbenwahrnehmung zu tun

Keine Sorge, das kommt bei Sozen desöfteren vor

das kommt davon, wenn man Geld für einen sinnlosen Hauptbahnhof mit Riesenshopping-Center ausgibt statt in Züge

Bald wird am Südtirolerplatz nur mehr ein ShoppingCenter sein, weil der Bahnhof obsolet geworden sein wird wegen der Misswirtschaft der ÖBB.

Der Hauptbahnhof in Wien ist zwingend notwendig,

um aus dem österreichischen Bahnnetz eine Einheit zu machen.

Gemeinsam mit dem Koralmtunnel bekommen wir endlich einen Ring Wien — Graz — Klagenfurt — Villach — Salzburg — Linz — Wien. Der nächste notwendige Schritt ist die Erneuerung der Strecke Radstadt — Bischofshofen.

und wer soll so im Kreis fahren?

Wien hat keine internationalen Verbindungen mehr: Paris, Amsterdam, Bukarest, Zagreb, Belgrad: gibt's alles nicht ohne Umsteigen.

Da ist es wurscht, ob man durch den neuen Bahnhof 15 Minuten gewinnt für eine Strecke Wien-Hamburg.

Der grosse Irrtum ist, dass Wien keine europäische Drehscheibe mehr ist. Das waren Wien noch mehr, als der Eiserne Vorhang noch existierte. Die Chancen nach 1989 wurden im Bahnverkehr vertan.

Bukarest gibts zeitweise schon noch direkt - rund um Weihnachten und im Sommer. Und Zagreb gibts täglich.

Dass einige Destinationen aufgrund der Unfähigkeit gewisser westeuropäischer Eisenbahnen weggefallen sind, will ich gar nicht bestreiten, aber vergleichen sie einmal die Anzahl der Züge nach Prag und Budapest mit der vor 20 Jahren. Da hat sich schon einiges getan.

ein bisschen recherche im eigenen archiv hätte u.a. folgenden link ergeben...

http://derstandard.at/124582065... in-Italien

GATX hat allerdings nichts mit der ÖBB zu tuen.

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