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Klassenpremiere im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen.

Wie stark der Wunsch nach Bildung bei vielen der Kinder und Jugendlichen ist, vermittelt das Gemälde eines 15-jährigen unbegleiteten Flüchtlings aus Afghanistan.
Traiskirchen - Buntbemalte Wände, niedrige Sessel und Bänke, zwei Dutzend aufgeregte Kinder und jede Menge Schultüten: Rein optisch unterscheidet sich der erste Schultag im Flüchtlingslager Traiskirchen in Nichts von derartigen Tagen anderswo.
Und dennoch ist hier vieles anders: "Jetzt heben wir alle die Hände!", fordert Sozialarbeiterin Ina (Name geändert) von der in Traiskirchen beauftragten Betreuungsfirma ORS die Schüler für die Fotografen auch. Erst auf Deutsch, dann auf Russisch, dann auf Dari: In dieser Volksschulklasse sitzen Buben und Mädchen aus Tschetschenien und Afghanistan, die auf Deutsch derzeit gerade eben die Farben benennen können.
Für viele von diesen Kindern sei der am Montag gestartete, von drei Traiskirchener Pädagoginnen und Helferinnen bestrittene, Unterricht "das erste Mal seit einem Jahr oder länger, dass sie eine Schule von innen sehen. Für viele ist es überhaupt das erste Mal", sagt Franz Schabhüttl, Leiter der Erstaufnahmestelle Traiskirchen. Dazwischen hätten die Sechs- bis Zehnjährigen monatelang im Ausnahmezustand gelebt, mit ihren Eltern auf der Flucht durch die halbe Welt.
Das Lernen und Beisammensein im Klassenverband, werktags jeweils von acht bis elf Uhr, sei geeignet, den Kindern ein wenig Normalität zu vermitteln, hofft Schabhüttl. Doch das gilt unter den Minderjährigen in Traiskirchen nur für relativ wenige.
Tatsächlich besuchen nur rund 50 der Unter-15-Jährigen auf freiwilliger Basis die insgesamt drei dislozierten Volks- und Neue-Mittelschulklassen im Lager: Laut Rechtsmeinung des Innenministeriums gilt die Unterrichtspflicht für Flüchtlingskinder erst nach sechs Monaten - während man im Unterrichtsministerium von einem Recht auf Schulbesuch schon nach wenigen Tagen in Österreich ausgeht.
Für die vielen anderen Minderjährigen hingegen, die in den großteils renovierten Gebäuden auf dem ehemaligen Kasernengelände leben, sind die Betreuungsangebote nach wie vor wenig üppig. Da gibt es etwa Haus 24, ein Holzbau mit Ausschank, in dem an sich nur Frauen und Kinder tagsüber betreut werden sollten. Doch um einen Tisch sitzen acht junge Burschen von etwa 17 Jahren und bemalen die abgeschnittenen unteren Hälften von Einliterplastikflaschen mit bunten Fantasiesymbolen.
"Wir basteln Laternen für einen Umzug im Lager", erklärt eine Betreuerin. Die Burschen, unbegleitete Minderjährige aus Afghanistan, dürften mitmachen, "so lange sie sich gut benehmen".
Hier findet mancher sogar den Freiraum, um seine Talente zu entdecken: So Zaker, ein 15-jähriger unbegleiteter Afghane, der beeindruckende Bilder malt, etwa über seine Sehnsucht nach Schule und Dazugehören (siehe Fotos).
Doch fest steht, dass Zaker und ein Großteil der anderen 547 unbegleiteten unter 18-Jährigen, die am Montag in Traiskirchen lebten, eigentlich nicht hier sein sollten - sondern in Länderbetreuung. Doch Wohnplätze in ausreichender Zahl sind drei Wochen nach der Platzzusage der Länder beim Asylgipfel weiterhin nicht in Sicht.
Auch nicht für die zum Asylverfahren Zugelassenen unter den 974 erwachsenen Flüchtlingen in Traiskirchen: "Hier rächt sich, dass Asylwerber über Jahre nur mit Kriminalität in Verbindung gebracht wurden. Jetzt sperrt sich jeder Bürgermeister", erklärt dies Andreas Babler, Leiter des Traiskirchner Bürgermeisteramts. Die Suche nach Unterkünften gelang laut internen Informationen auch beim Treffen des Grundversorgungskoordinationsrats Montagnachmittag nicht. Die Länder forderten mehr Zeit fürs Vorbereiten. (Irene Brickner, DER STANDARD, 13.11.2012)
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Es sei "untragbar", dass für fünf kleine Kinder im Lager Traiskirchen niemand zuständig ist, sagt die grüne Menschenrechtssprecherin Alev Korun. In einer Sachverhaltsdarstellung erhebt sie gegen Burgenlands Jugendbehörden Amtsmissbrauchsverdacht
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Pannonische Schwierigkeiten beim Umgang mit unbegleiteten Minderjährigen
dass die Kinder vorläufig eine Schule besuchen können.
Aber noch wichtiger ist, dass sie, wie schon von Herrn Ceipek vorgeschlagen, in einheimische Familien aufgenommen werden. Das ist die beste Voraussetzung für Integration in ihrer neuen Heimat und gegen Gruppenbildung.
Seit 8 Jahren habe ich in zahlreichen postings darauf hingewiesen, dass Kinder im Lager Traiskirchen nicht zur Schule gehen dürfen. Jeder Beitrag wurde überwiegend rot gestrichelt. Auf einmal ist der Schulbesuch für 50 von 600 Kindern und Jugendlichen eine Großtat, was ist mit den 550 nicht beschulten Kindern und Jugendlichen?
frau brickner, sprechen sie doch bitte mit den geschäftsleuten in der scs und mit der polizei in brunn und perchtolsdorf - und sie werden erkennen, dass das vorurteil leider begründet ist.
...durchquert um nach österreich zu kommen, ist kein flüchtling mehr sondern ein einwanderer mit klarem ziel.
Flucht endet sobald die bedrohung endet...
Insofern wieder eine debatte, die eigentlich nur die symptome erfasst...
Ps: ein gutes gegenargument ist höchstwillkommen...
Gegenargument: Es gibt keine Drittländer wo man sich niederlassen kann u. ein neues Leben so ohne weiteres beginnen kann. Die Lebensbedingungen auf der Welt sind beschissen, selbst in den neuen EU Staaten im Osten; wenn man nie aus Europa rauskommt realisiert man das halt nicht.
...denn ein neues leben ließe sich auch in indien, china oder sonstwo beginnen, nur eben nicht so leicht und bequem wie hier. das fällt aber dann unter einwanderung und möge auch bitte so behandelt werden. österreich ist einer der lebenswertesten flecken erde, nur sehen das lediglich diejenigen, die die restliche welt abseits von magic life clubs kennen. denen die kommen, kann man auch keinen vorwurf machen. ich würde gleich handeln...
Aber flucht bedeutet RAUS zu kommen, einwanderung REIN zu kommen. Insofern kann man bei vielen asylwerbern nicht mehr von flüchtlingen sprechen. Ihre flucht endet sobald sie nicht mehr bedroht sind.
Btw: toll, dass hier sachliche diskussion möglich ist. Ihr gegenargument ist eines der besten seit langem...
Wie am Bsp. GR und Ungarn zu sehen, sind nicht einmal "hochentwickelte" Staaten der EU in der Lage, Flüchtlinge menschenrechtskonforme Aufnahmebedingungen, geschweige denn faire Asylverfahren zu bieten.
Sie können sich vorstellen, wie es in anderen nichteuropäischen Ländern zugeht.
Zudem suggeriert ihre Argumentation, dass ein Großteil der Flüchtlinge im ach so supertollen Westen Schutz sucht.
Faktisch befinden sich 4/5 aller 42,5 Mio. Vertriebenen in Nachbarländern. Eine Minderheit sucht Schutz in der EU.
LG
Zu unterscheiden ist zwischen der österr. Regierungspropaganda, für die Steuergeld unbegrenzt zur Verfügung steht, und der traurigen Realität.
Das Bild des 15-Jährigen bringt unsere sogenannte "Integrations- und Bildungsförderung" auf den Punkt.
Monatelang, jahrelang werden wissensdurstige, bildungshungrige junge Menschen in Warteschleifen gehalten, wird ihnen mit allen bürokratischen Schikanen der Zugang zu Bildung versperrt, lässt man sie gegen Gummiwände anrennen, werden ihnen die Lernjahre, also die wichtigsten Jahre ihres Lebens gestohlen, unwiederbringlich.
Dass nun ein paar dutzend Sessel und Tische für Schüler angeschafft wurden (wow!), gilt in einem der reichsten Länder der Welt schon als Bildungsensation.
Aber solange ein Großteil der Österreicher ( wie sich an manchen Postings leider zeigt) der Ansicht ist. " die sind eh für nix zu brauchen und gehören alle sofort abgeschoben" (nicht meine Meinung!) wird es dazu leider nicht kommen. TRaurig!
hat zwar mit der grundtendenz des artikels wenig zu tun, aber:
das war kein kasernengelände, sondern eine kaderschmiede der nazis.
Nationalpolitische Erziehungsanstalten (amtlich: NPEA, auch: Napola – Nationalpolitische Lehranstalt) waren Internatsoberschulen
übrigens mit einigen recht interessanten schülern
unter anderem einem ehemaligen bürgermeister von wien.
http://www.traiskirchenonline.at/traiskirc... tenschule/
gebaut wurde es 1898 als k&k kadettenschule
ab 1916 dann eine artellerie akademie
ab 1919 Bundeserziehungsanstalt für Knaben
ab 1938 Nationalpolitische Erziehungsanstalt für die männliche Jugend (NPEA)
ab 1945 Lazarett und Kaserne der russischen Besatzungsmacht
ab 1956 Flüchtlingslager
ab 1993 Erstaufnahmestelle Traiskirchen bzw. "Asylamt des Bundesministerium für Inneres"
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