Gehaltlos ernst, seriös trashig

Ansichtssache |
foto: orf/ali schafler

Zweimal Polit-Talk am Sonntagabend: Im ORF erörterte Ingrid Thurnher in "Im Zentrum", die Frage, ob österreichische Politiker ihr Geld wert seien. Gefragt war etwa Kurt Scheuch, Landeshauptmannstellvertreter in Kärnten und neuerdings Filmemacher im Genre Tierhorror. Er grinste viel und provozierte vor allem Hubsi Kramar.

Dass Kramar seine Contenance gar nicht wahren konnte, war zu viel der Ehre für Scheuch. Thurnher zwang weder Scheuch noch PR-Experte Wolfgang Rosam zu einer gehaltvollen Diskussion und betonte bei der Verabschiedung völlig unvermittelt, dass der nicht anwesende Frank Stronach "ganz sicher nicht wegen des Geldes in die Politik" gehe.

foto: prosieben/willi weber

Danach brachte ProSieben die Premiere von Stefan Raabs schon im Vorfeld empört diskutierter Show "Absolute Mehrheit". Hier treten Politiker an, um über 50 Prozent der Zuseher von ihrer Meinung zu überzeugen und 100.000 Euro zu gewinnen. Von "Unfug" bis "unmoralisch" reichte die Vorverurteilung.

Wolfgang Kubicki (FDP), Thomas Oppermann (SPD), Michael Fuchs (CDU), Jan van Aken (Linke) und eine parteifreie Unternehmerin traten trotzdem an. Raab gab sich frech und locker. Doch egal, wie trashig man mit fetzigen Anmoderationen und Zeichentrickfilmchen sein wollte, die Diskussion über Steuergerechtigkeit, Energiewende und Social Media war niveau- und respektvoller als das Gerangel im ORF. Und Geld gewann am Ende auch niemand.

Okay, Raabs Saalpublikum bräuchte nicht gar so manisch wie auf Koks zu johlen. Sonst aber gilt: Nicht überall wo Trash draufsteht, ist nur Trash drinnen. Diskussionen sind nur so seriös wie ihre Teilnehmer. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 13.11.2012)

 

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