Start des Berliner "Fluch-Hafens" wackelt erneut

Neue Probleme beim Brandschutz stellen die für Oktober 2013 geplante Eröffnung des Berliner Airports Willy Brandt wieder infrage

Berlin - 27. Oktober 2013. Diesen Termin haben sich viele Berliner schon fett in ihrem Kalender angestrichen. Wirklich und wahrhaftig, großes Indianerehrenwort - an diesem Tag soll endlich der Mega-Airport Willy Brandt in der deutschen Hauptstadt eröffnet werden. Das haben alle Verantwortlichen versprochen.

Doch nun berichten deutsche Medien übereinstimmend, dass auch dieser Termin schon wieder wackelt und zum vierten Mal eine Verschiebung der Eröffnung droht. Es sollen bisher unbekannte Probleme bei der Brandschutzanlage aufgetaucht sein. Das zuständige Unternehmen hat vor einigen Tagen "Abweichungen zwischen Brandschutzkonzept, Baugenehmigung und baulicher Realisierung des Flughafens" eingeräumt, erklärte Horst Amann, der Technikchef des Flughafen, der in Berlin auch "Fluchhafen" genannt wird.

Jetzt jagt wieder eine Krisensitzung die andere. Die Bild-Zeitung schreibt, dass möglicherweise große Teile des Terminals wieder aufgerissen werden müssen, weil behördliche Bauvorgaben nicht eingehalten worden seien. In diesem Fall wäre der angepeilte Eröffnungstermin im Oktober 2013 nicht einzuhalten.

Kein Wort über Probleme

Für schwere Irritationen sorgt einmal mehr das Verhalten von Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft ist. Der musste dem Haushaltsausschuss des Bundestags vorige Woche Rede und Antwort stehen, weil die Haushälter neue Millionenzuschüsse freigeben sollen. Von neuen Brandschutzproblemen erwähnte Wowereit jedoch nichts. "Es ist schon abenteuerlich, dass der Aufsichtsratsvorsitzende in einem Bundestagsausschuss die Wahrheit verschweigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Haushaltsausschuss die 312 Millionen Euro für den BER (Kürzel des Flughafens, Anm.) jetzt noch entsperren wird", sagt die CDU-Abgeordnete Stefanie Vogelsang.

Auch dem Berliner Landesparlament wurden die neuen Risiken verschwiegen, als es in der Vorwoche 444 Millionen Euro für den Flughafenbau genehmigte. Die Finanzspritze wird aber gebraucht, da die Kosten immer höher werden. Ursprünglich sollte der Großflughafen im Herbst 2011 eröffnet werden. Danach wurde auf Juni 2012, März 2013 und Oktober 2013 verschoben.

Die Deutsche Bahn droht nun ebenfalls mit einer Schadenersatzklage in Millionenhöhe. Am 12. Dezember will der Vorstand den Aufsichtsrat über das weitere Vorgehen informieren. Die Bahn hat den nigelnagelneuen ICE-Fernbahnhof und die zugehörige neue Strecke dorthin gebaut und war - im Gegensatz zu den Flughafen-Errichtern - pünktlich im Juli 2012 mit ihrer Arbeit fertig. Die Fluglinie Air Berlin hat bereits eine Schadenersatzklage eingebracht, die Konkurrentin Lufthansa überlegt noch. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 13.11.2012)

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