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Pichlers komprimierte Porträts dekuvrieren additive und individuelle Merkmale.
Wien - Sowohl die Ausgangssituation als auch das Ergebnis evozieren Reminiszenzen an die Anfänge der Fotografie. Hatte man doch damals, zu Zeiten von Daguerre oder Talbot, das junge Medium hauptsächlich dokumentierend interpretiert. In seinem aktuellen Projekt transponiert Fotograf Pilo Pichler die seinerzeit aufgrund der Technik grosso modo starren Porträts in das Hier und Jetzt. "Family Affair" nennt der 1962 geborene, seit vielen Jahren in Wien lebende Salzburger seine traditionelle Strukturen und Ansichten konterkarierende Werkserie.
Pichler erstellt Familienporträts. Allerdings nicht im herkömmlichen Sinn. Entgegen üblichen Usancen werden die Protagonisten nicht gemeinsam, sondern nur alleine abgelichtet. Anschließend legt der Künstler die Einzelporträts mit gleicher Transparenz, anhand von klar definierten Koordinaten und Komponenten, übereinander. Mittels dieser speziellen Form symbiotisch-digitaler Kernfusion verschmelzen die Personen zu einem kollektiven Gesicht. Mehrfach vertretene Merkmale wirken addierend, während individuelle Abweichungen verblassen. Das Ergebnis stellt ein demokratisch erstelltes, verdichtetes Porträt einer fiktiven Person mit einer surrealen, aber klar wahrnehmbaren Ausstrahlung dar.
Was objektiv betrachtet eine relativ sachliche Ästhetik auslöst, gerät subjektiv, bei den interaktiv fusionierten Familienmitgliedern zu einer emotionalen Tour de Force. Irritation als Programm. Emotionale Auseinandersetzung intendiert. Ergebnis und Aura offen.
Pichlers Zugang ist mehrfach emotional. Einerseits interessieren ihn Schwingungen, Interferenzen, Abhängigkeiten und subtile Verbindungen der Porträtierten beim Shooting, "materiell, emotional, ideell, energetisch und spirituell", andererseits deren Reaktion auf das finale Porträt. Familie als Patchwork, als Basis, als Mutter aller Netzwerke.
Als Spiegel der Gesellschaft dekuvriert Pichler komprimierte Prozesse zwischen Kontinuität und Metamorphose. So schließt sich der Kreis, sagt doch auch jede inszenierte Komposition gestellter Gruppenfotos etwas aus über Positionen und Autoritäten, über Macht und Ohnmacht, über Verdichtung und Individualität. Analog zu dem aus der Psychoanalyse entlehnten Terminus gerät die aktuelle Ausstellung Family Affair komplex zur fotografischen Familienaufstellung. (Gregor Auenhammer, DER STANDARD, 13.11.2012)
Edition Photo, 1., Gonzagagasse 20; Vernissage: 13. 11., 19 Uhr. Bis 19. 11.
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alles was unter die haut geht, ist ein wenig unheimlich - familienkonstellationen sind halt nicht einfach nur schön - pichler gelingt es mit seinen porträts den gesamteindruck einer familie darzustellen - grenzen verschwimmen,gemeinsames wird hervorgehoben und es ist ein eigenartigerr prozess auch innerhalb der familie sich mit dem entstandenen porträt anzufreunden - geheimnisvoll und sehr ausdrucksstark ist das ergebnis!
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