Auch Nervenzusammenbrüche können langweilen

  • Eine von vielen, die am unglücklichen Verliebtsein leidet: Schauspielerin Pepa (Pia Luise Händler) in "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" am Schauspielhaus Graz.
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    Eine von vielen, die am unglücklichen Verliebtsein leidet: Schauspielerin Pepa (Pia Luise Händler) in "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" am Schauspielhaus Graz.

Broadway-Musical nach Almodóvar-Film wird im Schauspielhaus Graz erstmals auf Deutsch aufgeführt

Graz - Wir schreiben das Jahr 1987, Schauplatz ist Madrid. "La vida es complicada", erklärt zu Beginn ein punkiger Taxifahrer, den Florian Köhler singend und sprechend erfrischend frech und weichherzig spielt. Und er übersetzt diese spanische Komplexität des Lebens auch gleich ins Österreichische: "Es is, wie es is."

Am Samstag erlebte das 2010 in New York uraufgeführte Broadway-Musical Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs nach dem gleichnamigen Film von Pedro Almodóvar seine deutsche Erstaufführung am Grazer Schauspielhaus. Bernadette Sonnenbichler musste sich als Regisseurin mit einem als Theaterstück nicht zwingend kompatiblen Stoff abmühen. Vor allem die Übersetzung von David Yazbeks Liedtexten durch Kevin Schröder ist, höflich formuliert, bemerkenswert.

"Lässt dich die Liebe leiden und das Leben schwitzen? Dann kriech in ihren Schoß und saug an ihren Zitzen", muss etwa der Taxifahrer trällern. Und Candela, eine von sieben Frauen am Rande des Abgrunds, reimt über ihren Liebsten: "Na ja, vielleicht ist er auch friedlich wie ein kleines Lamm? Er ist so süß, und er hat Schultern wie Jean Claude van Damme." Wie auch immer. Candela, gespielt von einer punktgenauen, energiegeladenen Evi Kehrstephan, ist Model und aus der Runde der unglücklich verliebten Frauen wohl die mit dem unglücklichsten Händchen: Ihr Herzblatt entpuppt sich als Terrorist und Bombenleger.

Schauspielerin Pepa (Pia Luise Händler), Anwältin Paulina (Verena Lercher) und die vor 19 Jahren von Mann und Verstand verlassene Lucía (Steffi Krautz) leiden alle wegen desselben Mannes. Iván (Franz Xaver Zach) ist mit 55 nicht mehr ganz jung und kein Adonis, treibt aber jede von ihnen in den Wahnsinn.

Es gibt hier genügend schrille Figuren und wahnsinnige Geschichten, um einen dichten Abend daraus zu bauen: etwa der Sohn von Iván und Lucía, Carlos (Wojo van Brouwer), der nach einer verkorksten Kindheit den Don Juan in sich erkennt, Pepas spitzzüngige Arbeitskollegin Christina (Juliette Eröd) oder auch den überforderten Hauptkommissar (Franz Solar).

Doch es wurden vor allem in der zweiten Hälfte zweieinhalb ermüdende, redundante Stunden. Daran konnten weder ausnahmslos gute Schauspieler, die auch noch singen können, noch eine einwandfreie Band etwas ändern. Die Songs (ebenfalls Yazbek) klingen alle irgendwie gleich, keiner nur annähernd wie ein Ohrwurm. Alles bleibt an der Oberfläche.

Nicht auszudenken allerdings, wenn diese Texte auch noch von eingefleischten Musical-Sängern dargeboten worden wären. Die Ironie des Grazer Ensembles und das Bühnenbild von Jens Burde machten nämlich alles noch irgendwie erträglich. Aber eben nur irgendwie. Im Publikum gab es dennoch einige, die schon beim Anblick eines Mannes in Frauenkleidern Tränen lachten. Die klatschten am Ende auch heftig. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 13.11.2012)

Nächster Termin 21. 11.

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Aber die Videos waren köstlich

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