Wie antike Skulpturen ursprünglich aussahen

Ansichtssache
12. November 2012, 15:09
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foto: münchen, stiftung archäologie, vinzenz brinkmann

Auch wenn einem der einheitlich farblose Anblick antiker Plastiken vertraut ist, einen Originalzustand geben sie damit meist nicht wider - im Gegenteil: Viele klassische Statuen und Reliefs von Göttern, Heroen und Mythengestalten waren ursprünglich außergewöhnlich bunt. Am Dienstag eröffnet das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) eine Rekonstruktionsschau, die anhand von 14 Beispielen demonstriert, wie farbig die antiken Skulpturen einst tatsächlich waren.

Im Bild: Marmor-Grabfigur der Phrasikleia aus Myrrhinous (heute Merenda, Attika, Griechenland), um 550/540 vor unserer Zeit.

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Das kann unmöglich Paris sein.

Paris trägt keinen Baschlik.

Apropos: Schönbrunnergelb

ist eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Die Denkmalpfleger wissen es schon lange.

Aber niemand hat die Stirn, Schloss Schönbrunn wieder in den authentischen Urzustand zu färbeln: der Sturm der Entrüstung wäre unabsehbar...

homophobie wahrscheinlich. Es war rosa

heterophobie wahrscheinlich.

bevor paulchen panther es gelb bepinselte war es blau.

bemalt ja, aber nicht so!

hier hat wohl jemand diese skulpturen mit grauenhaftem ACRYLLACK und synthetischen pigmenten angepinselt im gegensatz zu den antiken künstlern, die natürliche pigmente (erdfarben, etc.) verwendeten!
DAS TUT IN DEN AUGEN WEH! schade, KHM!

das ist nur die jpg engine der kamera.

Das ist süß: in die Falle getappt. Die Farben wurden genauestens rekonstruiert. Es ist nur völlig ungewohnt. Es wurden natürlich Naturpigmente verwendet, gewöhn' dich dran ;-)

Die Ausstellung ist keine des KHM, sondern ist schon seit 2003 unterwegs, es hat TV-Dokus dazu gegeben, usw.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bunt... r_Skulptur

http://www.klassische-archaeologie.uni-hd.de/einrichtu... etter.html

"Das ist süß: in die Falle getappt"

Was soll denn das?

Natürlich ist das weitgehende Spekulation.
Das Farbenmosaik des Bogenschützen zum Beispiel ist nicht aufgrund vorhandener Farbreste der längst abgewitterten Skulptur rekonstruiert, sondern weil man eine mögliche Art der Kleiderfärbung aus anderen Quellen kennt. Der kann ganz anders angezogen gewesen sein.

Aha, interessant. Ich dachte, wenn das eine wissenschaftliche Farbrekonstruktion..

.. ist, kann man sich da schon einigermaßen darauf verlassen.

z.B: Paris: http://exhibs.info/display/H... afeln.html
z.B: Perserreiter: "Die Farbfassung ist in allen Details erhalten."

Und "die fliege puck" meinte ja, dass das den Augen weh tut und es sich um Acryllack handeln würde. Das hier ist der Stand der Forschung, dafür wurde extra eine Ausstellung von WissenschafterInnen (und keiner Marketingabteilung) gemacht, verschiedene Institute beschäftigten sich jahrelang mit der Rekonstruktion, da sollte man davon ausgehen, dass das so im Allgemeinen hinkommt. An diese Farbigkeit wird man sich gewöhnen müssen.
Und das es kein Acryllack ist, sondern Naturpigmente,

da verwechseln zwei dinge:

acryl ist das farblose bindemittel, pigmente sind die farbgeber. man kann auch acryllack mit erdfarben machen ...

Das ist wahr. Ich muss mir forumsicherere Formulierungen einfallen lassen.

"verschiedene Institute beschäftigten sich jahrelang mit der Rekonstruktion"

Da fällt mir auch die "wissenschaftliche" Rekonstruktion von Knossos ein oder neuestens die "wissenschaftliche" Rekonstruktion von Konstantinopel 1453 in Istanbul (wobei letzteres kein sehr gutes Beispiel ist, gebe ich zu)

Das hat alles auch viel mit (Seh)gewohnheiten zu tun.

Ich kann mich noch erinnern, als die Salzburger Kollegienkirche, die offenbar viele Jahrzehnte lang kackgraubraun war, wieder in den originalen Farben gestrichen wurde - weiß, mit hellgrau abgesetzten Flächen und gelben Schmuckelementen.
Ein Sturm der Entrüstung, vor allem bei der älteren Generation, bis hin zu "der Fischer von Erlach hat ja net g'wusst, was schön is..." ;o)

Das selbe Spiel dann vor einigen Jahren bei Hohensalzburg, die, seit Gedenken dunkelgrau über der Stadt gethront habend, im originalen gotischen Kalkweiß bei einigen einen mittleren Schlaganfall ausgelöst hat ;o)

Kein Wunder also, dass bei der bisher als völlig farblos empfundenen klassischen Antike dieser Farbrausch als ein wenig kitschig empfunden wird...

Dürnstein

von jarhezehntelangem Schönbrunnergelb zum originalen weiß/blau (der Turm) - ein Sturm der Entrüstung. Der Turm ist aber mMn viel schöner - die restlichen Gebäude (in Gelb und Ocker) eher mau

Mir gefällts in Blau auch besser ;o)

Und die Sphinx hatte ursprünglich vermutlich eine rote Clownsnase ;o)

bemalt waren auch romanische und gotische kircheninterieurs

und tore, die statuen diverser ritter, heiliger, kruzifixe etc.
wann also hat man aufgehört, die statuen zu bemalen? in der rennaissance mit michelangelo?

Meines Wissens nach erst im 18./19. Jhdt, als man die Klassik als Vorbild nahm, als logisch, überlegen, kühl idealisiert. Da passte es, dass die meisten Plastiken ihre Farben verloren hatten, die meisten Kirchen auch.
Aber z.B. das Wien-Museum zeigt noch die alten Figuren des Stephansdoms mit genügend Farbresten, also GEWUSST hat man es damals auch. Aber es setzte sich aus Zeitgeistgründen nicht durch. Und das ist bis heute so geblieben (wie Vieles unseres "Alltagswissens" aus dem 19.Jhdt stammt und veraltet ist).

"Meines Wissens nach erst im 18./19. Jhdt, als man die Klassik als Vorbild nahm"

Du weißt aber schon, warum die Renaissance Renaissance heißt? ;o)

Endlich!
Endlich hat mich wer aufgeklärt! Ich bin ja sooo froh!

Was heißt es denn nun blos? Wiedergeburt, ahh? Mann, wissen Sie, wie oft die Antike "wiedergeboren" wurde. Es gibt eine Karolingische R., es gab aber auch ein Renovatio imperii unter den Ottonen, den Staufern, und, wie ich erwähnte, die Klassik, die sich namentlich auf die Kunst der Antike bezieht.
Und das würde immer noch nichts darüber aussagen, ob die Figuren dann wieder bunt waren.

"Die dann im europäischen Klassizismus des 18. und 19. Jahrhunderts verbreitete Ästhetik der farbfreien, reinen Form prägt unsere Vorstellung bis heute."
http://www.klassische-archaeologie.uni-hd.de/einrichtu... etter.html
Noch im Barock waren zumindest viele Skulpturen bemalt.

Wenn du eh alles weißt, was erzählst du dann von “erst im 18./19. Jhdt, als man die Klassik als Vorbild nahm“, wenn du doch genau wissen müsstest, dass in der italienischen Renaissance (die hier gemeint war) eben die klassische Antike Vorbild war?

Die Frage war nicht, wann man sich "die Klassik wieder als Vorbild nahm". Sondern die Frage war, AB WANN MAN DIE STATUEN NICHT MEHR BEMALTE. Da ich etliche bunte Barockfiguren kenne, vermutete ich die Klassik. Die sich zufällig schon namentlich auch auf die Antike bezieht. Warum tust mich mansplainen? Muss ich unbedingt "Renaissance" antworten, nur weil du weißt, was es heißt? Ich bin der Meinung, dass das falsch ist und die Klassik richtig.

Mein Link verweist auf genau die Ausstellung, wo genau meine Meinung fast wörtlich formuliert steht.

PS (zum Posting unterhalb):

Weil ich es jetzt erst gesehen habe:

"Mein Link verweist auf genau die Ausstellung, wo genau meine Meinung fast wörtlich formuliert steht."

Tja, in deinem Link steht halt dummerweise MEINE Meinung "fast wörtlich formuliert":

"Weil sie zumeist ohne ihren ursprünglichen Farbüberzug ans Tageslicht kamen, stellte man sich SEIT DER RENAISSANCE DIE STATUEN WEISS VOR. Die dann im europäischen Klassizismus des 18. und 19. Jahrhunderts verbreitete Ästhetik der farbfreien, reinen Form prägt unsere Vorstellung bis heute."

(Hervorhebung von mir)

Du hast offenbar nur den zweiten Satz gelesen und den ersten als nicht ins Weltbild passend ausgeblendet ;o)

Naja, ich für meinen Teil möchte noch einmal feststellen, wie die Frage lautete, Zitat: "wann also hat man aufgehört, die statuen zu bemalen?"

Ich interpretierte die Frage nicht so, "wann hat man das erste Mal damit aufgehört", sondern, "wann hat man zuletzt - anhaltend -damit aufgehört". Aber das ist jetzt vielleicht wirklich der Streit um des Kaisers Bart. Meine Antwort war meine Meinung, sie ist auf jeden Fall nicht falsch, aber ich akzeptiere, dass in der Renaissance die nackte Form auch schon mal aktuell war.
Zum Link: nein, hab' ich nicht ausgeblendet. Es steht dort, dass man sich die antiken Statuen in der R. kahl vorstellte. Es steht dort nicht, dass man die Kahlheit nachahmte, sondern erst im 19., was unsere Vorstellung prägt.

"Es steht dort, dass man sich die antiken Statuen in der R. kahl vorstellte. Es steht dort nicht, dass man die Kahlheit nachahmte, sondern erst im 19., was unsere Vorstellung prägt."

Dann zeig mit ein einziges Beispiel wo das in der Renaissance anders gehandhabt wurde, als im Klassizismus.

Und nicht nur unsere Vorstellung, sondern auch die im Klassizismus wurden und werden unmittelbar von der Renaissance geprägt - die skulpturalen Werke von Michelangelo et al. sind *weit* bekannter als jegliche aus der klassizistischen Periode - ich behaupte, dass bei einer Straßenumfrage die meisten Leute keinen EINZIGEN dieser Herrschaften oder eines ihrer Werke kennen würde:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kate... assizismus

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