Studienplatzfinanzierung sieht 400 Architektur-Plätze weniger vor

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  • Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl
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    Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl

Für 19 Studienfächer wird im kommenden Jahr die Studienplatzfinanzierung eingeführt

Bereits bei der Regierungsklausur in Laxenburg ist am vergangenen Freitag die Einigung der Regierung auf eine Testphase zur Studienplatzfinanzierung bekannt geworden. Am Montag präsentierten Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und seine Verhandlungspartnerin, SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl, bei einer Pressekonferenz Details des Ergebnisses. Ab dem Studienjahr 2013/14 kommt demnach in fünf "stark nachgefragten Studienfeldern" die Studienplatzfinanzierung samt möglichen Zugangsbeschränkungen zum Einsatz. Das würde 19 Studienreichtungen betreffen.

Grundsätzlich soll es für diese Studienfelder 100 Studienplätze mehr als im Wintersemester 2011 geben; einzige Ausnahme: die Architektur. Hier will die Bundesregierung weniger Studierende anfangen lassen. Um das Betreuungsverhältnis in den fünf Studienfeldern zu verbessern, sollen 95 neue Professorenstellen geschaffen werden.

Weniger Plätze für Architektur

Insgesamt sind von der Neuregelung 19 Studienfächer in diesen fünf Studienbereichen betroffen:

  • Im Bereich "Informatik" (Studienfächer Informatik, Informatikmanagement und Wirtschaftsinformatik) soll die Zahl der Studienanfänger von 1.699 im Wintersemester 2011 auf 1.930 im Wintersemester 2013 angehoben werden. Interessieren sich mehr Studierende für ein Informatikstudium, könnte ein mehrstufiges Auswahlverfahren zum Einsatz kommen. Österreichweit sollen rund 16 Informatik-Professorenstellen geschaffen werden.
  • Im Bereich "Biologie und Biochemie" (Studienfächer Biologie, Biomedizin und Biotechnologie, Ernährungswissenschaften, Molekulare Biologie) soll es künftig 3.080 Plätze für Studienanfänger geben. Das wären 240 Plätze mehr, als im Wintersemester 2011 neu inskribiert hatten. Zur Verbesserung der Studienbedingungen werden rund 23 zusätzliche Professorenstellen geschaffen.
  • Im Bereich "Architektur" (Studienrichtungen Architektur, Landschaftsplanung und Landschaftspflege, Raumplanung und Raumordnung) soll die Zahl der Studienplätze reduziert werden. Anstelle von 1.950 Anfängerplätzen soll es im Studienjahr 2013/14 nur noch 1.530 Plätze geben. Nach internen Berechnungen des Wissenschaftsministeriums soll allein die TU Wien die Zahl der Studienanfänger von rund 1.100 auf 800 reduzieren. "Das sind keine definitiven Zahlen", sagte Töchterle. Details sollen erst mit den Universitäten verhandelt werden. Im Bereich der Architektur werden rund neun neue Professorenstellen geschaffen.
  • Im Bereich der Pharmazie wird die Zahl der Studienanfänger geringfügig erhöht. Für das Wintersemester 2013/14 sind 1.200 Plätze geplant (ein Plus von 43 Plätzen), fünf neue Professuren sollen geschaffen werden.
  • Praktisch unverändert soll die Zahl der Studienanfänger im Bereich "Wirtschaftswissenschaften" bleiben (Studienrichtungen Sozialwirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften, Angewandte Betriebswirtschaft, Internationale Wirtschaftswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft und Internationale Betriebswirtschaft). Hier wird die Zahl von 7.783 Studienanfängern im Jahr 2011 auf 7.800 als Zielwert für das Studienjahr 2013/14 angehoben. Außerdem sollen rund 40 zusätzliche Professorenstellen geschaffen werden. An der WU, an der es 2011/12 rund 3.600 Studienanfänger gab, soll es ab dem Wintersemester 2013 nur noch rund 3.000 Plätze geben

Wenn die Zahl der Anmeldungen den Zielwert überschreitet, können Zugangsbeschränkungen angewendet werden. Zugangsregelungen seien jedoch kein Automatismus, sagte Töchterle. Kommt ein Aufnahmeverfahren zum Einsatz, soll dieses mehrstufig erfolgen. Als einen Kandidaten für Zugangsprüfungen nannte Töchterle die WU Wien.

Fokus auf Verbesserung

"Der Fokus liegt nicht auf Zugangsbeschränkungen, sondern auf der Verbesserung der Betreuungsrelation", sagte Töchterle. Man wolle die Studienbedingungen in den fünf Bereichen verbessern, so Kuntzl: "Wir wollten sicherstellen, dass jeder sein Wunschstudium machen kann, wenn auch nicht an der Universität erster Wahl."

Mit der Anhebung der Professorenzahl sollen sich die Betreuungsverhältnisse um rund zehn Prozent verbessern. "In manchen Fächern kommen wir in die Nähe eines Ideals, bei manchen sind wir noch weit davon weg", sagte Töchterle.

Die geplanten Professorenstellen werden zwölf Millionen Euro im Jahr kosten, wobei Töchterle nicht die Schaffung von Vollprofessuren im Auge hat. Es solle sich aber um "habilitierte Kräfte" handeln. Langfristig will der Wissenschaftsminister die gesamte Uni-Finanzierung durch eine Studienplatzfinanzierung regeln.

Neuerung bei Studieneingangsphase

Eine Veränderung wird es auch bei der Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) geben. In Zukunft ist ein dritter Prüfungsantritt erlaubt, und die lebenslange Sperre wird aufgehoben. Bislang war man für das jeweilige Studium gesperrt, wenn man die STEOP nicht erfolgreich absolvierte. Auch in den 19 Fächern, in denen die Studienplatzfinanzierung eingeführt wird, soll es weiterhin die STEOP geben. (seb, derStandard.at, 12.11.2012)

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STEOP

ich frag mich ja was diese kurzen Bemerkungen zur Steop bedeuten sollen. Keine Sperre? Was ist denn dann die Konsequenz der Steop? Dass man auf eine andere Uni ausweichen muss für das Fach? Sehr human jedenfalls und verdient vielleicht auch eher den Namen ^^

DU musst die STEOP erfolgreich abschließen und darfst dann offiziell (kannst aber in vielen Studienrichtungen auch um gehen soweit ich weiß-vor allem wenns weniger Anmeldungen als Plätze gibt) weitere, im optimalfall darauf aufbauende, Kurse, Module besuchen/absolvieren.. Zumindest die STEOP sollte man in der vorgesehenen Zeit absolvieren damit wenn man nicht vorhat ewig zu studieren oder einfach nur schauen will.. Nur kanns halt auch blöd laufen (Prof. stellt ne Klausur zusammen mit 75% 5er oder besteht teilweise auf auswendiglernen von "Telefonbüchern" wodurch dann für den restlichen Stoff wenig Zeit bleibt - vor allem wenn man nebenbei noch 10-20 Stunden arbeitet).Aufwand hängt von Uni/Studium/Vorkentnissen-Aufnahmefähigkeit ab..

endlich

Bei den Studiengebühren ist die SPÖ, wenn überhaupt, nur ein wenig eingeknickt.

Aber jetzt ist sie endlich wieder mal so richtig umgefallen.

Danke, das erleichtert mir die nächsten Wahlen.

naja. wenigstens ehrlich.

man hat halt auch bislang nur einer bestimmten anzahl von studierenden ein vernünftiges studium finanziert. dabei aber eben so getan, als würde es für alle reichen.

jetzt ist halt wenigstens ehrlich.

nein ist es nicht.
denn auch für die jetzt beschriebenen plätze ist ned genug geld da.
abgesehen davon, dass nun studierwillige - über die man sich in jedem anderen land freut, außer in bananenrepublikastan(Österreich), in andere fächer ausweichen.

bitte ein wenig realismus, wenn man schon dem töchterle huldigen muss.

sehr gut

die bobos und ihre bleisstift-fresszettel-architektur braucht eh niemand. sollen's ingenieur studieren, da ist wirkliche herausforderung geboten statt geschwätz über farbpsychologie und bildersprache. für mich sind sowieso die ingenieure die den wahnsinn dann zum stehen berechnen die wahren helden.

Langsam wird es Zeit.

Auf die Idee hätte die Politik und die zuständigen Stellen schon wesentlich früher kommen können. Einerseits müssen im allgemeinen Interesse Einschränkungen eingeführt werden, ein universitäres Bildungssystem kann für jedermann- frau kein Durchhaus sein, andererseits wesentliche Verbesserungen der Studienbedingungen. Dazu gehört auch eine finanzielle Beteiligung von ausländischen und inländischen Studenten die ein Übermaß an Studienzeit benötigen. Es wäre zeitgemäß Reglements zu schaffen die auch international schon längerer Zeit gang und gäbe sind. Es kann nicht sein das in unserem Land universitäres Studium Volksschulcharakter aufweist.

Oho ...

... a bissl kommunistische Planwirtschaft ....

95-75=22

und wo gehen die restlichen 22 ( immerhin ein fünftel) der neu geschaffenen professuren hin?

made my day

Mathematikstudent?

Mehr Informatikstudienplätze?

Auf der TU hat man die Studienplätze beschränkt. Nur noch 370 Plätze(oder so). So viel zum Thema MINT.

Zitat Kunzl: "Jeder soll sein Wunschstudium beginnen können - wenn auch vielleicht nicht an der Universität erster Wahl"

Noch Fragen?

Wo genau, wenn die TU bis jetzt 50%(oder mehr) der Informatiker ausgebildet hat.

Die Unis Wien, Linz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck, TU Graz und nachdem auch die Wirtschaftsinformatiker unter diesen Bereich fallen: WU Wien ;)

Man hat sie beschränkt um dann kurz vor der Wahl verkünden zu können, dass man sie ausbaut. Denn was unbeschränkt ist kann man nicht ausbauen.
Das ist genauso wie bei der Familienbeihilfe. Zuerst wird sie gekürzt und gestern kam dann plötzlich der ÖVP-Vorschlag sie zu erhöhen. Nach der Wahl wird sie natürlich wieder gekürzt, bis zur nächsten Wahl.

Die 1900 Plaetze werden ja nicht alle an der TU Wien sein ...

Vor 1-2 Jahren haben ca. 900 Leute begonnen mit Informatik. Jetzt sind es 370(oder 340)...

Die Studienanfänger werden sich halt die "Händeringend"-Artikel durchlesen bzw. die Praxiserfahrungen die man in der Kommentarsektion lesen kann und dann auf das Studium eher verzichten ;-)

Das Studium ist a extremst verschlimmert worden. Harte Prüfungen usw. b gibt es Zugangsbeschränkungen.

Da hats die SPÖ der VP so richtig gezeigt...

...Studiengebühren und Aufnahmestopps... a Wahnsinn, wie diese Partei ihre Klientel unterstützt! Danke - Wahlen kommen eh bald...

Dafür bewegt sich ÖVP bei Ganztagsschule. War eh schon lange klar, dass genau der Tauschhandel kommt / kommen muss. Hätte man vor 3 Jahren mit weniger Streit und mehr Rechtssicherheit für Unis und Studierende auch schon haben können

klientel bummelstudent?

Vielleicht ist es dann möglich, den verbleibenden Architekturstudenten auch Projektmanagement beizubringen...

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