"Bunte Götter": KHM zeigt die farbigen Skulpturen der Antike

12. November 2012, 14:36
  • "Paris" aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels von Ägina, Farbrekonstruktion, Original aus Ägina (Griechenland).
    foto: münchen, stiftung archäologie / dieter rehm

    "Paris" aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels von Ägina, Farbrekonstruktion, Original aus Ägina (Griechenland).

  • "Chioskore", Farbrekonstruktion, Original von der Akropolis in Athen (Griechenland).
    foto: münchen, stiftung archäologie / vinzenz brinkmann

    "Chioskore", Farbrekonstruktion, Original von der Akropolis in Athen (Griechenland).

14 Objekte demonstrieren den aktuellen Forschungsstand zur originalen Farbfassung der alles andere als weißen Figuren der Griechen und Römer

Wien - Ungewohnt farbenfroh, beinahe grell wirken die Götter, Heroen und Mythengestalten auf das abendländisch geprägte Auge, die sich ab dem morgigen Dienstag im Kunsthistorischem Museum Wien (KHM) unter die weißen Kollegen der Antikensammlung mischen: "Bunte Götter" lautet eine Rekonstruktionsschau, die anhand von 14 Beispielen demonstriert, wie farbig die antiken Skulpturen einst waren - anders als sich das dank Farbverlust der Klassizismus mit dem Schlagwort der "edlen Einfalt, stille Größe" vorstellte. "Das ist eine ziemliche Herausforderung, bringt sie doch unsere lieb gewonnenen Seegewohnheiten von der klaren, strahlend weißen Antike ziemlich durcheinander", bereitete KHM-Generaldirektorin Sabine Haag bei der Präsentation am Montag die Besucher vor.

So trägt Paris als eine der Figuren der größten Rekonstruktion, eines Gibelabschnitts des Aphaia-Tempels, bunte Karohose zu gelbem Wams mit farbigen Tiermotiven. Die Herren aus dem Perserkampf vom Alexandersarkophag sind hingegen in Blutrot, Blau, Gelb oder wiederum mit Karohose gewandet. "Die Rekonstruktionen, die wir präsentieren, sind natürlich Annäherungsversuche", stellte Professor Vinzenz Brinkmann klar, der für die Wanderausstellung verantwortlich zeichnet, die seit 2003 von München ausgehend schon an zahlreichen Standorten zu sehen war. Was man zeige, sei aber historisch abgesichert.

Forschung zur Bemalung der Figuren schleppend

Obgleich bereits seit den Anfängen der Archäologie bekannt gewesen sei, dass die gefundenen Figuren einstmals bemalt gewesen waren, sei die Forschung nur schleppend angelaufen. "Das Thema wurde auch in der Lehre stiefmütterlich behandelt", so Brinkmann. Erste Ansätze zu einer intensiveren Auseinandersetzung habe es dann in München gegeben. Erst seit zehn Jahren gebe es nun einen wirklich fundierten wissenschaftlichen Diskurs in einem internationalen Forschernetzwerk.

"Es bleiben aber selbstverständlich noch Fragen offen", unterstrich Brinkmann. Das gelte etwa für den genauen Farbabschluss oder immer wieder für einzelne Stellen der Skulpturen, die man noch weiß lasse: "Wenn sich Ihre Seele mit Ihrer Prägung dort ausruht, müssen Sie sich klarmachen, dass das nur ein Zwischenstatus ist."

"Didaktische Modelle"

Schließlich handle es sich bei den 14 Stationen, die thematisch passend unter die bestehende Antikensammlung gruppiert sind, um "didaktische Modelle", so Kuratorin Karoline Zhuber-Okrog. Auf die Originale, die mehrheitlich aus der Archaik bis Frühklassik (620 bis 450 vor Christus) stammen, wird im Text und Katalog verwiesen. Bisweilen sind in Wien auch mehrere Farb- und Mustervarianten einer Skulptur zu sehen, wenn es noch keine gesicherte Erkenntnis gibt. Flankiert wird die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm, das von Vorträgen zum Thema über Spezialführungen bis hin zu Kinderangeboten reicht. (APA, 12.11.2012)

"Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulptur"
von 13. November bis 17. März 2013 in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums, Maria Theresien-Platz, 1010 Wien. Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 - 21 Uhr.

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Kunsthistorische Museum

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