Frauen leiden häufiger an "gebrochenem Herzen"

"Broken-Heart-Syndrom" gut behandelbar - Sterberate bei Herzinfarkten unter jungen Frauen steigt allerdings

Wien - Das Risiko, eine Herz-Kreislauferkrankung zu erleiden, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark erhöht. Vor allem Frauen erkranken häufiger an "gebrochenem Herzen", einer kardiologischen Situation, die alle Anzeichen eines Herzinfarkts aufweist, ohne dass ein solcher vorliegt. Während das sogenannte "Broken-Heart-Syndrom" gut heilbar ist, ist die Sterberate bei jungen Frauen, die einen "echten" Herzinfarkt erleiden, stark gestiegen. "Frauen nehmen die Symptome oft nicht ernst und suchen zu spät einen Arzt auf", warnte Franz Weidinger, Präsident elect der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft bei einer Pressekonferenz der Initiative "Zonta Golden Heart" am Montag in Wien.

Vor allem in der Gruppe der Frauen zwischen 35 und 44 Jahren ist die Zahl der tödlichen Herzinfarkte deutlich gestiegen, wie eine Studie der European Society of Cardiology zeigt. Die Symptome in dieser Altersgruppe seien oft atypisch und würden daher häufig zu spät erkannt, erklärte Weidinger. Herzrasen, niedriger Blutdruck, Übelkeit und selbst Rücken- und Nackenschmerzen können Anzeichen eines Herzinfarkts sein. Zur Vorbeugung riet er, sich viel zu bewegen, fettarm zu ernähren und nicht zu rauchen.

Krug mit kurzem Hals

Vom "Broken-Heart-Syndrom" sind dagegen vor allem Frauen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen. Symptome sind Schmerzen im Brustbereich, Atemnot und ein zu niedriger Blutdruck. Bei der Erkrankung nimmt die linke Herzkammer die Form eines japanischen Oktopusfangkorbes ("Taku-Tsubo"), ein Krug mit kurzem Hals, an. Das 1990 erstmals in Japan beschriebene Syndrom wird daher auch "Tako-Tsubo-Syndrom" genannt.

Meist führt der unerwartete Verlust eines geliebten Menschen, durch Trennung oder durch Tod, zum Auftreten dieses Syndroms. Aber auch andere psychische Belastungen, etwa ein Raubüberfall, und sogar positive emotionale Erlebnisse wie ein Lottogewinn können zum Auftreten des "Broken-Heart-Syndroms" führen. "Die plötzliche Konfrontation mit extremen seelischen Stresssituationen bricht den Patienten im wahrsten Sinne des Wortes das Herz", sagte Jeannette Strametz-Juranek, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats von "Zonta Golden Heart".

Warum hauptsächlich Frauen betroffen sind, ist noch nicht geklärt. "Die Patienten erholen sich normalerweise vollständig davon", sagte Strametz-Juranek. Eine Behandlung unter anderem mit Alpha- und Betablockern und eine Psychotherapie tragen üblicherweise innerhalb weniger Wochen zur Genesung bei. Die Sterberate liegt bei 2,2 Prozent. Durch die Psychotherapie soll die häufigste Ursache des Syndroms, die emotionale Abhängigkeit von dem verlorenen Menschen, beendet werden. (APA, 12.11.2012)

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