Heinisch-Hosek will 2015 ein Fünftel männliche Kindergeld-Bezieher

12. November 2012, 13:45
  • Überdurchschnittlich wenige Männer gehen in Österreich in Väterkarenz.
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    foto: lukas beck/quintessenz organisationsberatung gmbh

    Überdurchschnittlich wenige Männer gehen in Österreich in Väterkarenz.

Laut Ministerin nur fünf Prozent der Väter in Karenz - Auch Grüne wollen bezahlten Papamonat

Wien - Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) bemüht sich wieder, Männer für die Kinderbetreuung zu begeistern. Geht es nach der Ministerin, soll bis 2015 ein Fünftel der Väter in Karenz gehen. Aktuell sind im Durchschnitt quer durch alle Kindergeld-Varianten knapp fünf Prozent der Bezieher männlich. Erreichen will Heinisch-Hosek diese Steigerung durch das Fortsetzen der 2010 gelaufenen Informationskampagne "Echte Männer gehen in Karenz", wie sie am Montag bei einer Pressekonferenz sagte.

Skandinavien an der Spitze

Österreich ist im internationalen Vergleich laut der Ministerin bei der Väterquote in der Karenz immer noch im unteren Durchschnitt. Am häufigsten werden hierzulande die Kurzvarianten von zwei bis vier Monaten in Anspruch genommen (elf Prozent bei einjähriger Pauschale, neun Prozent bei einkommensabhängiger Variante). Eine Spitzenposition nimmt wie so oft Skandinavien ein, wo 89 Prozent der Väter eine berufliche Auszeit für die Kinderbetreuung nehmen. Aber auch in Deutschland geht mittlerweile ein Viertel (26 Prozent) der Väter in Karenz.

"Auch die Wirtschaft profitiert"

"Traut euch, liebe Väter, geht in Karenz", appellierte die Ministerin daher. Sie sei der "tiefen Überzeugung", dass alle - Männer, Frauen und Kinder - etwas davon hätten. "Auch die Wirtschaft profitiert", sagte Heinisch-Hosek, die aber noch viel Skepsis bei den Unternehmen ortet, vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben. Einmal mehr forderte sie einen Papamonat auch in der Privatwirtschaft.

Nach der ersten "Echte Männer gehen in Karenz"-Kampagne im Jahr 2010 sei die Zahl der männlichen Kindergeldbezieher gestiegen, mittlerweile habe es aber wieder einen kleinen Einbruch gegeben. Mit der Fortsetzung der Kampagne und einer Informationsoffensive gemeinsam mit der Arbeiterkammer im kommenden Jahr will Heinisch-Hosek den Trend nun wieder umkehren. "Karenz-Mentoren" sollen Interessierten außerdem über eine eigens eingerichtete Website Rede und Antwort stehen.

Grüne Kritik

Den Grünen geht das zu wenig weit: "Ich begrüße jede Maßnahme, die dazu beitragen kann, die Väterbeteiligung zu erhöhen", sagte die grüne Familiensprecherin Daniela Musiol. Erfahrungsgemäß reiche es aber nicht, "bloß eine nette Homepage einzurichten - sonst wären es nicht weniger als fünf Prozent der Männer, die in Karenz gehen".

Seit 1. Jänner 2011 haben öffentlich Bedienstete die Möglichkeit, einen Papamonat in Anspruch zu nehmen. Der Papamonat dauert maximal vier Wochen, ist unbezahlt und muss während des Mutterschutzes (also innerhalb der ersten zwei Monate nach der Geburt) bezogen werden. "Davon haben lediglich ein wenig mehr als 300 Väter Gebrauch gemacht, bei vielen Unternehmen und Kollektivverträgen ist das noch gar nicht möglich", so Musiol. Die Grünen setzten sich seit längerem für einen bezahlten Papamonat auch in der Privatwirtschaft ein.

"Dieses Modell wäre auch in der Privatwirtschaft kostenneutral und die Finanzierung sichergestellt, denn man könnte einfach einen Monat des Kindergeldbezugs nach vorne ziehen und so ermöglichen, dass der Vater einen bezahlten Papamonat parallel zum Mutterschutz in Anspruch nimmt", sagt Musiol.

Mitterlehner widerspricht Zahlen

Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) widerspricht den Zahlen aus dem Frauenministerium, wonach ledigleich fünf Prozent der Männer in Karenz gehen: Laufenden Auswertungen der Gebietskrankenkassen zufolge liege der Anteil der männlichen Kindergeld-Bezieher schon jetzt durchschnittlich bei 17 Prozent, so das Ministerium am Montag in einer Aussendung.

Die Beteiligung an den verschiedenen Kindergeld-Varianten betrage zwischen 12 (Langzeitvariante) und 31 Prozent (bei 12+2 sowie bei 15+3 Monaten). Das formulierte Ziel von einem Fünftel Väter in Karenz würde somit schon jetzt großteils übertroffen. Ursache für die Diskrepanz zwischen den Zahlen sei, dass das Frauenministerium eine Monatsstatistik verwende, die eine "wenig aussagekräftige Momentaufnahme" darstelle, das Familienministerium hingegen jeden einzelnen abgeschlossenen Kinderbetreuungsgeld-Fall untersuche, wurde erklärt. (APA/red, derStandard.at, 12.11.2012)

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Auch hier nochmal meine Frage:

Wieso gibt es kein Karenzmodell, bei dem sich Mann und Frau die Karenzzeit 50:50 teilen können - weiß das hier jemand?

18+18 gibt's eh.
Die 30+6 sind nicht Vorschrift. Es muss nur ein Elternteil mindestens 6 Monate nehmen.
(So war das zumindest, als man das eingeführt hat. Kann durchaus sein, dass sich das geändert hat.)

Oha, dann haben wir das falsch interpretiert?!

Das sind gute Nachrichten - gut, werden die Unterlagen nochmals studieren und uns ggf. genauer informieren lassen.

Vielen Dank auch für diese Info!!!

MfG

Weil bei zwei Halbzeitgehältern weniger Einkommensteuer anfällt als bei einem Vollzeitgehalt.

Mit 50:50 meinte ich übrigens

das (fehlende) Modell 18+18 ...

Und:

Wo bleibt da die "Gleichstellung" von Mann und Frau? Als Mann sehe ich mich hier diskriminiert ....

Danke für Ihre Antwort übrigens! :)

Heißt:

Geld für den Staat geht vor Zeit für den Nachwuchs?! :/

Und was ist der Sinn der Sache?
Was geht das die Ministerin an, wie die Leute ihre Elternschaft gestalten?
Warum will die überhaupt, dass Väter zu einem bestimmten Anteil in Karenz gehen? Was sind ihre Motive? Hält sie Väter für die besseren Kinderbetreuer? Wenn ja, warum fördert sie dann nicht mehr Kindergartenpädagogen?

"Den Grünen geht das zu wenig weit:"

Wenn frau diesen Satz liest, dann wird es gefährlich.
Schon oft haben die Grünen, einen sinnvollen Kompromiss zwischen Wirtschaft und Umwelt oder den ersten wichtigen Schritt auf einem langen Weg verhindert, weil es ihnen zu wenig weit ging und dadurch in Folge gar NICHTS zu Stande kam.

Kein Problem, wenn ich daneben arbeiten darf :) Sonst bin ich als Selbständiger nämlich in Kürze ein Sozialfall.

Ein fünftel

Ein fünftel der Männer in Karenz gehen: Jeder 5. Mann geht irgendwann in Karenz.
Ein fünftel der Kindergeldbezieher sind Männer: Jede 5. Person die Kindergeld bezieht, ist ein Mann.

Zweiteres ist extrem viel mehr, ein Rechenbespiel: Angenommen jedes Kind lebt bei beiden Eltern, erlebt den 2. Geburtstag und hat bis dann noch kein kleines Geschwisterchen. Alle Eltern teilen sich die Karenz im Mindestverhältnis (10 + 2, 15 + 3, 20 +4 oder 30 +6), dann wären erst ein sechstel der Kindergeldbezieher Männer!

Meiner Ansicht nach werde diese beiden Zahlen recht wild durcheinandergewirbelt!

Väterkarenz=gut, Mütterkarenz=pfui!

Bitte lasst das die Väter und Mütter selbst entscheiden.

Nicht schon wieder mit Quoten daherkommen und für Werbekampagnen Geld zu Fenster raus schmeissen.

karenz und kbg

unsere liebe frau ministerin möchte anscheinend, dass alle kinder mit 14 monaten fremdbetreut werden?

wenn sich eine familie entschliesst, ihr kind zb mit 2 jahren (ende karenz, ende kündigungsschutz) in fremdbetreuung zu geben, schafft die ministerin mit dem 12+2 eink.abh.modell m.E. keinen anreiz, den mann in karenz zu führen -> mann beantragt für 2 monate kbg und frau??? frau muss vom arbeitgeber für 2 monate vollzeit zurückgenommen werden und dann wieder bis zum 2.geburtstag des kindes in karenz gehen -> das kann doch nicht sinn und zweck einer modernen einkommensabhängigen kbg-regelung sein. vorschlag: beschränkung auf 12+2 (keine mehrkosten), aber inanspruchnahme des kbg nach freier wahl bis zum 2.geburtstag des kindes...

Das einkommensabhängige KBG ist nicht so wenig. Das kann man sich auf 2 Jahre einteilen, wenn man das Kind noch nicht so früh fremdbetreuen lassen will.

Das Geld kann man sich schon einteilen, aber versichert ist man nicht mehr, wenn man kein KGB erhält.

wieso, die langen varianten können ja auch zb 10+10 oder so nehmen

Sind aber nicht einkommensabhängig.

macht ja nix

ich frag mich, ob die karenz in dieser form das sinnvollste modell ist, sie wirkt mir eher als eine anbiederung an die kapitalistische arbeitswelt. denn wenn eine person in karenz geht, MUSS die andere de facto 40h arbeiten. besser fände ich, daß dort, wo es zwei elternteile gibt, beide teilzeit machen. und ja, der papamonat sollte endlich überall kommen.

dann zahlen die kaum Steuer

mehr Einnahmen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer heisst aus Sicht des Staats: 40h Arbeit

Faire Karenzbedingungen

Zum Thema Väterkarenz finde ich diesen Beitrag hier einen der vernünftigsten überhaupt: http://www.leonore.at/2012/03/papa-monat/
Er wendet sich nicht nur gegen die planwirtschaftliche Vorstellung, Väterbeteiligung top-down festlegen zu wollen, sondern analysiert auch treffend die Gründe, die auch Väter an der Karenz hindern.

dann möge man den kündgungsschutz an den der frauen anpassen.

wenn ein mann in die karenz will, kann man sich aussuchen ob man a) seinen job augfs spiel setzt, oder b) seinen chef erst 4 monate vor geplanten karenzantritt darüber informiert. wenn man ganz sicher sein möchte, müsste man vorher die schwangerschaft und geburt des kindes verheimlichen.

einfach lächerlich.

Was ist so schwierig an b ? Der Kündigungsschutz gilt für Karenzväter genau gleich bis zum 2.Geburtstag des Kindes, bei anschließender Elternteilzeit sogar bis zum 7.Geburtstag.

Die Frau Ministerin möge sich doch bitte auch an die Firmenchefs wenden

Die sehen den Karenz oft gar nicht gerne. Bei Frauen wird mit Karenz kalkuliert, bei Männern nicht. Das ist dann besonders überraschend für die Chefs.

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