Rapid, ein Verein ohne Gesicht

  • Angezählt: Peter Schöttel.
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    Angezählt: Peter Schöttel.

  • Dem Rapid-Coach, der die Grün-Weißen seit Sommer 2011 trainiert, könnte die Doppelbelastung durch die Europa League zum 
Verhängnis werden.
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    Dem Rapid-Coach, der die Grün-Weißen seit Sommer 2011 trainiert, könnte die Doppelbelastung durch die Europa League zum Verhängnis werden.

Trainer Schöttel ist angezählt. Die Fans wenden sich ab. Präsident Edlinger gesteht Fehler ein. Ein Sportdirektor soll kommen

Wien - Es ist nicht so, dass Wolfsbergs Stürmer Christian Falk die Trainerdiskussion bei Rapid angezettelt hat. Der zweifache Schütze, der den Geist seines Teams lobte und die eigene Bedeutung hintanstellte, wunderte sich, "dass viele Unerfahrene gespielt haben. Aber bitte, nicht falsch verstehen, es geht mich nichts an." Und er sagte, dass es überraschend gewesen sei, "wie leicht uns das 2:0 gemacht wurde".

Trainer Peter Schöttel ist also angezählt, die Mechanismen laufen. Nicht einmal das Vertrauen wurde ihm ausgesprochen. Präsident Rudolf Edlinger sagte in der ersten Emotion, man müsse über alles diskutieren. Am Tag danach relativierte er im Standard: "Ich wollte keine Trainerdiskussion auslösen, vielleicht ist es so rübergekommen." Mitte der Woche wird das Präsidium tagen.

Schöttel hat das Training am Montagvormittag geleitet, es hat schon lustigere Veranstaltungen gegeben. Unmittelbar nach der Pein ist er sich selbst schon langweilig vorgekommen. "Alles, was man sagt, klingt nach Ausrede. Die Leistung war ganz schlecht, wir waren unkreativ, mutlos, körperlich und geistig nicht frisch." Und obwohl "es niemand mehr hören will", führte er die Doppelbelastung durch die Europa League und die vielen Verletzten an. Ohne Kapitän Steffen Hofmann ist Rapid fußballerisch wenig bis nichts, allein das ist ein Armutszeugnis. Ob er die Mannschaft noch erreicht? "Ja, ich glaube schon." Ob er am Samstag in Mattersburg auf der Bank sitzt? "Ja, ich glaube schon."

Schöttel vermisst bei Rapid "Klarheit. Man hat das Gefühl, dass man sich hier nicht einmal über Erfolge freut. Eine merkwürdige Stimmung." Die Fans auf der West- und Osttribüne wurden deutlich, sie verließen nach einer Stunde das Stadion. Diese Aktion hatte einen gewissen Charme, ein weiterer Platzsturm wäre die widerwärtige Alternative gewesen. Der Anhang scheint gelernt zu haben. Und "Vorstand raus" darf er schreien. Edlinger: "Ich wäre auch gern gegangen, durfte nicht."

Weg und Irrweg

Schöttel geht den Weg der Jugend. Gezwungenermaßen freiwillig. Im Moment ist das fast ein Irrweg. Gegen Wolfsberg versagten die Talente Dominik Wydra (18), Dominik Starkl (19) und Lukas Grozurek (20), dafür ließen die Routiniers total aus. Nur 44 Prozent der Zweikämpfe wurden gewonnen, so einen schwachen Wert hatte Rapid zuletzt vor dreieinhalb Jahren. Schöttel verteidigt die Jugend. "Du brauchst bis zu 20 Partien, um in der Bundesliga anzukommen. Bis zur Gruppenphase der Europa League ist es gut gelaufen. Jetzt ist die Mannschaft geschwächt, der Kader kann das nicht auffangen. Das Gesamtpaket der Austria ist viel besser, und Salzburg steht außer Frage."

Edlinger gesteht Fehler ein. "Es war falsch, den Posten des Sportdirektors nach dem Abgang von Alfred Hörtnagl nicht nachzubesetzen." Rapid ist seit eineinhalb Jahren ohne Stimme, nur Schöttel, ein Trainer mit Kompetenzen, und Edlinger reden. Der ehrenamtliche Präsident will das aber gar nicht. "Ich bin zu sehr ins Tagesgeschäft eingebunden. Es stimmt, dass schlecht kommuniziert wird. Uns fehlt ein Gesicht." Man werde den Schaden beheben.

Den Vorwurf einer falschen Kaderplanung weist er zurück. "Keiner wurde abgegeben, den Schöttel halten wollte. Keiner ist gekommen, den er nicht haben wollte." Warum die Austria und nicht Rapid Goalgetter Philipp Hosiner verpflichtet hat, von der Machbarkeit, den Kosten abgesehen? " Weil keiner den Wunsch geäußert hat."

Edlinger wird Ende 2013 aufhören. "Da bin ich fast 74. Es wäre ein schlechtes Zeichen und mühsam weiterzutun." Als Nachfolger wird Dietmar Hoscher (50), Vorstand der Casinos Austria, gehandelt. Ihm werden gute Kontakte zu Hans Krankl nachgesagt. (Christian Hackl, DER STANDARD, 13.11.2012)

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