Forscher entdecken neuartiges Killerprotein

  • Die Darstellung zeigt, wie sich das aktivierte Einzelmolekül Acanthaporin (goldene dreidimensionale Struktur) zu einem Sechser-Ring in der Zielzellmembran zusammenschließt (roter Ring), der zum Austritt von Zellinhaltstoffen und schließlich zum Zelltod führt.
    grafik: uni kie/matthias michalek

    Die Darstellung zeigt, wie sich das aktivierte Einzelmolekül Acanthaporin (goldene dreidimensionale Struktur) zu einem Sechser-Ring in der Zielzellmembran zusammenschließt (roter Ring), der zum Austritt von Zellinhaltstoffen und schließlich zum Zelltod führt.

Toxisches Eiweiß der Acanthamöben schlägt Lecks in fremde Zellhüllen

Acanthamöben sind Einzeller, die beim Menschen eine ganze Reihe von Krankheiten auslösen können. Die Mikroorganismen greifen dafür auf sehr ursprüngliche Waffen zurück, die die Zellwände ihrer Opfer zerstören, wie deutsche Wissenschafter nun nachweisen konnten. Die Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben das dafür verantwortliche toxische Protein entdeckt und seine dreidimensionale Struktur entschlüsselt.

Sie fanden heraus, dass dieses Eiweißmolekül anders aussieht als alles, was bisher in den Proteinstrukturdatenbanken zu finden war. Das von den Amöben abgesonderte Zellgift (Acanthaporin) schlägt Lecks in fremde Zellhüllen, wenn es aus seinem inaktiven Zustand geweckt wird und sich anschließend zu einer Art Ringkanal (Pore) innerhalb der Außenmembran von menschlichen Nervenzellen oder Bakterien zusammenlagern kann. Ihre Entdeckung veröffentlichten die Wissenschafter in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Chemical Biology".

"Für Grundlagenforscher wie uns ist es ausgesprochen erfüllend, wenn wir ein so interessantes Protein nicht nur entdecken, sondern am Ende auch noch sehen, wie es genau aussieht. So können wir mehr über seine Wirkungsweise erfahren. Wenn es wie in diesem Falle eine völlig neue Struktur darstellt, ist es natürlich umso schöner. So etwas passiert heutzutage kaum noch", sagt der Initiator der Studie, Matthias Leippe.

Das Prinzip, lösliche Proteine auszuschütten, die sich anschließend in die Zielzellmembranen einbauen und dort Poren ausbilden - also dem Gegner ein Loch ins Kleid zu machen - sei allerdings nicht neu. Über diese Fähigkeitfinden verfügen bakterielle Krankheitserreger ebenso wie unser eigenes Abwehrsystem. "Daher sprechen wir gerne von 'ancient weapons' - ursprünglichen Waffen, die sehr schnell und sehr effektiv wirken und sich in der Natur seit Jahrmillionen für Angriff und Verteidigung bewährt haben," meint der Forscher vom Zoologisches Institut der CAU.

Seltene Krankheiten

Acanthamöben sind freilebende Einzeller, die im Boden und in Gewässern vorkommen und sich von anderen Mikroorganismen ernähren. Einige Vertreter dieser Gattung können gefährliche Krankheiten beim Menschen auslösen. Die Parasiten befallen dabei das zentrale Nervensystem, was schließlich zum Tod führen kann. Solche tragischen Fälle sind - verglichen mit den weitaus bekannteren Tropenkrankheiten wie Malaria oder Amöbenruhr, die auch durch parasitische Einzeller ausgelöst werden - relativ selten und betreffen vornehmlich Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Zunehmende medizinische Bedeutung bekommen die Acanthamöben als Auslöser einer schmerzhaften Hornhautentzündung des Auges (Amöbenkeratitis), die vor allem Kontaktlinsenträgerinnen und -träger auftreten kann und in manchen Fällen zur Erblindung führt. Darüber hinaus tragen die Acanthamöben nicht selten auch andere Krankheitskeime wie etwa den Erreger der Legionärskrankheit in ihrem Inneren, weshalb sie auch schon als "Trojanische Pferde" bezeichnet wurden.

Die Wissenschafter hoffen nun, dass durch die neuen Erkenntnisse die rätselhaften Umstände, die zu Gewebeschäden und zur Entstehung der durch die Acanthamöben ausgelösten Krankheiten führen, besser verstanden werden können. (red, derstandard.at, 12.11.2012)

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2 Postings
Bitte mehr Qualität im Titel, danke. "Killerprotein"...

Wusste gar nicht dass dass ihr inzwischen ehemalige N24 Redakteure beschäftigt...Sachen gibts.
Ne sorry liebe Wissenschaftsredak. aber der Titel sollte euch mehr als peinlich sein.

Erstens weil ihr euch damit auf Gallileo-Niveau herunterlasst.

Und Zweitens, weil das Ding nicht neuartig ist...was ihr im Artikel selbst zugeben müsst. Es mag sich Strukturell unterscheiden (Worauf man gerne hinweist um dem Verlag gegenüber ein Paper zu rechtfertigen), aber weder die Bildung einer Porenstruktur ist neu, noch die Verwendung einer solchen als Waffe...der Membrane Attack Complex des Komplementsystems funktioniert ganz genauso.

Bei diesem Titel dachte ich an einen neu entdeckten Grippevirus ...

:P

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