Universitäre Lehre: Opfer zwischen Exzellenz und Bürokratismus?

Blog | Günter Trettenhahn
13. November 2012, 10:21
  • Günter Trettenhahn ist Assistenzprofessor am Institut für Physikalische 
Chemie der Universität Wien.
    foto: privat

    Günter Trettenhahn ist Assistenzprofessor am Institut für Physikalische Chemie der Universität Wien.

Die Lehre muss endlich dieselbe Bedeutung erhalten wie die Forschungsleistung

Die Lehre ist eine der Hauptaufgaben der Universitäten. Ihr wesentliches Merkmal ist, dass sie von Menschen getragen wird - Lehre von Menschen für Menschen - und nicht von "einem System". Universitäre Lehre gibt es in vielen Qualitäten: hervorragend, zeitgemäß, interessant, motivierend und so weiter bis ans andere Ende der Skala. Leider zu oft am anderen Ende der Skala.

Jede/r wird diese oder ähnliche Erfahrungen gesammelt haben. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, warum das so ist. War das immer so? Wird das so bleiben? Kann man das ändern, gar verbessern? Warum tut dann das eigentlich keiner?

Opfer der Exzellenz?

Haken wir beim Stellenwert der Lehre im gegenwärtigen Universitätsbetrieb ein. Formal wird diese auf die gleiche Stufe mit der Forschung gestellt (und heute auch mit dem damit einhergehenden Einwerben von sogenannten Forschungsdrittmitteln, kurz: Geld) und soll eine Art Kenngröße für alle forschenden und lehrenden HochschulwissenschaftlerInnen ergeben. Hört sich ja gar nicht so schlecht an!

In der harten Realität des Universitätsalltags ist das allerdings schnell relativiert: Im Schatten der Implementierung des UG 2002 und unter dem Diktat von neuer "Exzellenz" haben die heimischen Universitäten ihren hoffnungsvollen Weg zu Eliteuniversitäten im Kontext des europäischen Hochschulraumes eingeschlagen, und Exzellenz beziehungsweise Elite, so glaubt man hierzulande vielfach, sind ausschließlich an den Forschungsleistungen zu messen.

Und tatsächlich: Impaktfaktoren und eingeworbene Forschungsdrittmittel sind verglichen mit der Lehrleistung sehr einfach zu berechnen, da genügen die Grundrechnungsarten. So verwundert es nicht, wenn Neo-ProfessorInnen mitunter um verringerte Lehrdeputate verhandeln - und diese auch bekommen -, damit sie ihre Zeit nicht verschwenden müssen, sondern mehr Forschungsleistung erbringen können. Daran misst sich dann ja auch die Exzellenz der gesamten Universität, so der offensichtliche Schluss der Universitätsleitungen. Doch wer trägt dann die Lehre?

Perspektiven der Evaluierung

Berechnung der Lehrleistung ist schwieriger. Aber es gibt einen Ausweg: Wir evaluieren die Lehre, denn beim Evaluieren haben wir wiederholt viel Erfahrung gemacht. Das mag ja zweifellos stimmen - die Erfahrungen im Evaluieren sind vorhanden. Beim Umgang mit den Evaluierungsergebnissen sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Zumal hier eine knifflige Frage dazukommt: Wer darf, kann, soll, muss denn die Lehrleistung prüfen beziehungsweise messen? Die Kollegenschaft, die oft fast hoffnungslos in kurialen Strukturen gefangen ist? Die Studierenden! Diese beurteilen in mehr oder weniger regelmäßigen größeren Abständen von einigen Semestern mittels anonymer und maschinell auswertbarer Fragebögen auf zwei Seiten die/den Lehrende/n, den Inhalt, die Qualität der Präsentation, die Räumlichkeiten und so weiter.

Das Ergebnis bekommt die/der Lehrende und der/die Studienprogrammleiter/in. Jetzt aber beginnt das Karussell der Beratungen, Besprechungen, Verbesserungsvorschläge und Entscheidungen sich hurtig zu drehen - oder etwa nicht? Nein, es dreht sich nicht. Es ruckt vielleicht mal ein wenig, kommt aber nicht vom Fleck. Leere Kilometer also? Oft sieht es nicht nur so aus. Ein Dilemma zeichnet sich ab: Die Fakten sind da, die Verantwortlichen sind auch nicht unbekannt, mangeln tut es an der Kommunikation. Unangenehme Fragen stellen sich: Wie sag ich es der lieben Kollegin, dem lieben Kollegen NN, dass sie/er sich ein wenig mehr um die Qualität der Lehre kümmern soll? Soll/kann ich etwa warten, bis sich das Problem von selber löst? Durch Pensionierung (bei den Älteren)? Oder durch Abgang an eine andere Hochschule (bei den nicht so Alten)? Kann ich es verantworten, dass vielleicht noch drei oder vier Jahrgänge die bekannt miese Lehre aufgetischt bekommen? Zögern macht sich breit und wird da und dort zur Routine. Schade. Unverantwortlich!

Qualität in der Lehre

Bisher haben wir im Wesentlichen über negative Beispiele gesprochen. Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Es gibt ja auch viele Lehrende, die sich mehr als bemühen, die kreativ und zeitgemäß die Dinge anpacken. Die eine komplexe Materie phänomenal gut vermitteln können. Denen es in der Tat Freude macht, "vorne zu stehen", um ihr Wissen und Können zu vermitteln, die den Humboldt'schen Zugang zu dem, was eine Vorlesung eigentlich sein soll, verstanden haben und das auch umsetzen können.

Wie geht man mit denen um? Antwort: oft gar nicht. Man schweigt darüber. Könnte es sein, dass man, wenn man beginnt, über die Guten zu reden, zwangsläufig auch über die "weniger Guten" stolpern muss? Und genau das ist unangenehm. Daher lässt man es lieber bleiben. Somit hat sich die Hälfte an Gewicht, das jede/r Universitätslehrer/in als Bonus auf seinen/ihren Karriereweg mitnehmen kann, von jeder wägbaren Größe bis zur Bedeutungslosigkeit entkoppelt. Also macht es ja vielleicht gar keinen Sinn, sich um die Lehrqualität zu bemühen?

In Bürokratismus und Recht gefangen

Dazu kommen noch folgende Begleitumstände, mit denen jede/r Lehrende schon konfrontiert war: der überfüllte Hörsaal - nicht angenehm, keine Frage! Was macht man in dem Fall? Man fragt, wie viele Personen in den Hörsaal dürfen! Zählt nach und schickt den Rest der Studierenden hinaus? Mit dem Hinweis auf Sicherheitsbestimmungen, Freihalten von Fluchtwegen et cetera? Da hat man dann sicher die Massen hinter sich! Also lassen wir diese Frage und beißen in den sauren Apfel der Verantwortung - in der Hoffnung, dass eh nichts passieren wird. Fein, denken wir und verharren in der Grauzone.

Dann haben wir noch Unterlagen wie Skripten und Ähnliches, die wir verteilen. Dürfen wir eine Abbildung aus einem Lehrbuch mit/ohne Zitierung in unsere Unterlagen aufnehmen? Müssen wir uns da vielleicht durch die in einer oft "eigenen" Sprache verfassten Gesetzestexte quälen und uns detailliertes juristisches Wissen zum Urheberrecht aneignen? Vermutlich schon, denn Informationen über diese Fragen haben wir Lehrenden wahrscheinlich in den seltensten Fällen von irgendeiner "Zentralstelle" erhalten. Was wir dann im Selbststudium erfahren, ist eine ebenso klare wie nicht zeitgemäße gesetzliche Regelung: Als Hardcopy dürfen wir das. Dieselbe Seite zum Download bereitzustellen - als beliebtes und zeitgemäßes Service gedacht und von den Studierenden auch gefordert - sieht schon wieder ganz anders aus. Auch wenn seitens des Dienstgebers dazu E-Learning-Plattformen bereitgestellt werden. Der zieht sich lieber auf Allgemeinplätze zurück und überlässt die Lehrenden ihrem Schicksal beziehungsweise den Anwälten der Verlage, die ihre Urheberrechte einklagen. Fein, denken wir und verharren in der zweiten Dunkelgrauzone. 

Angenommen, wir halten ein Seminar und wollen unsere Teilnehmer in bestimmten Abständen über deren aktuellen Zwischenstand eine Information zukommen lassen, weil wir dies als ein nicht zu unterschätzendes Steuerungselement ansehen. Jetzt schlägt er zu, der Datenschutz: Also Namen und Punktestand auf einer Liste sind streng verboten. Auch die Matrikelnummer ist da keine Hilfe. Wir fragen KollegInnen, wie sie das machen, und stellen ernüchtert fest: Alle sind in der Grauzone. Kommt der Tipp in einem dazu passenden Weiterbildungsseminar: Wenn alle Studierenden schriftlich zustimmen, ist alles machbar. Gute Theorie! Klappt das in der Praxis? Also haben wir die dritte Grauzone aufgetan. Man könnte verzweifeln. Der Lehrstoff ist nicht das Problem - mangelnde Ressourcen, Bürokratie und sogar Rechtsunsicherheit sind oft ein "Hammer".

Glücksgefühle

Aber ganz so schlimm wird die universitäre Lehre nun doch nicht immer empfunden! Wir haben einen Faktor hier noch nicht berücksichtigt - nämlich die Genugtuung, ja manchmal auch die Freude, die man als Lehrende/r erfahren kann, wenn die Wissensvermittlung auf Resonanz stößt. Wenn man ein Feedback bekommt, das mehr Bestätigung ist als ein Evaluierungsbogen. Wenn man klar erkennt, dass es Sinn macht, vorne zu stehen und für die, vielleicht sogar mit den Studierenden eine für diese neue und oft auch komplexe Materie in ein schlüssiges, verständliches und durchschaubares Konzept zu bringen. Um das zustande zu bringen, bedarf es entweder besonderer Naturtalente, inspirativer Kreativität oder einfach ab und zu eines Erfahrungsaustauschs, eines Didaktikseminars oder Ähnlichem. Angebote dazu gibt es natürlich, wenn auch nur punktuell. Manchmal braucht es auch Mut. Mut, neue Wege zu testen, die nicht dem etablierten Mainstream angepasst sind. Wir UniversitätslehrerInnen sollten aber auch den Mut aufbringen zu sagen: "Ja, ich habe das wirklich gut gemacht."

Die Forderung nach entsprechender Infrastruktur und nach der Möglichkeit, tatsächlich forschungsgeleitet lehren zu können, müssen wir immer wieder erheben! Genauso muss die Lehre endlich die Bedeutung und das Gewicht für den Karriereweg der UniversitätslehrerInnen erhalten, wie sie die Forschungsleistung inklusive Drittmitteleinwerben bereits hat. (Günter Trettenhahn, derStandard.at, 13.11.2012)

Günter Trettenhahn ist Assistenzprofessor am Institut für Physikalische Chemie der Universität Wien und forscht auf dem Gebiet der Grenzflächenphänomene von Elektroden in Kombination mit Molekülspektroskopie und Kurzpulslasern. Er ist Mitglied des Senats und der Curricularkommission der Universität Wien und Vorsitzender des UniversitätslehrerInnenverbandes (ULV) an seiner Uni. Darüber hinaus ist er Generalsekretär der Erwin-Schrödinger-Gesellschaft für Nanowissenschaften.

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Lehrinfrastruktur

Lehre im kleinen Kreis funktioniert meist ausgezeichnet. Wenn man von Schülerhöchstzahlen von 25 in AHS sprict, so ist man an der Uni oft weit davon entfernt! Will man moderne Unterrichtsmittel verwenden, muss man darum kämpfen, viele der Lehrräume eignen sich nicht für modernen Unterricht, und selbst bei neuen Gebäuden werden konzeptionelle Fehler gemacht. Moderne Medien, die in vielen Schulen verwendet werden, muss man an der Uni lange suchen - kein Geld, kein Raum und kein Personal, das die Dinge warten könnte, heißt's dann immer - wobei Raum und Geld hier die kleineren Übel sind - und es fehlt neuerdings an Zeit und Muße, sich mit den Dingen in Ruhe beschäftigen zu können. Bringt ja keine Impactpoints!

Aller Enthusiasmus verblasst mit der Zeit - wenn Nichts dabei raus schaut. Wobei es doch gar nicht schwer ist, zu guter Lehre zu motivieren - Geld spielt da eine untergeodnete Rolle. Es braucht halt etwas Kreativität und den Willen allfälliger Vorgesetzter...

Geld spielt eine untergeordnete Rolle - aber ganz unwesentlich ist es auch wieder nicht (ausser man macht's nebenbei als Hobby).

Nur durch herumgendern bekommen auch nicht mehr Frauen einen Lehrstuhl

"das jede/r Universitätslehrer/in als Bonus auf seinen/ihren Karriereweg" ist einfach unleserlich!

Inhaltlich: Es gibt auch eine Bringschuld der Studenten, nämlich die Vorbereitung! Ich kann keinen Kurs abhalten und mit den Studis Beispiele durchrechnen, wenn die keine Ahnung von irgendwas haben. Und dann kommen wieder die Beschwerden, dass ja alles so schwer und elitär ist, weil man einmal die Dreistigkeit hatte, zu sagen, für nächstes Mal bitte folgendes Thema ansehen..

Die alte lehre ist ein nachkriegstruemmerland,

aber sie steht im begriff sich durch online selbst zu reformieren [eg Stanford]. So wie die briefpost an den luxus alter aristokraten erinnert, ist es auch mit einfuehrungsvorlesungen. Sie werden in zukunft von schauspielerartigen fachleuten abgehalten werden, vielleicht mit wahl von frau oder mann und vielleicht in 6 dialektausfuehrungen fuer den deutschen raum ^^. Forscher werden in zukunft hauptsaechlich graduate lehre im kleinen rahmen vortragen. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, so wird es sein. Es kommt billiger und erlaubt unseren juengeren konzentration auf die forschung. Dadurch bekommt Oe eine chance, wieder in die weltspitze aufzuruecken und bahnbrechende industrie ins land zu bringen [siehe silicon valley].

zur Zeit ist es sicher so dass speziell junge Forscher nur sehr wenig Lehre machen sollten. Der einzige Grund es doch zu machen ist der Spassfaktor, aber der Aufwand vs. Nutzen für die eigene Karriere spricht eindeutig dagegen.

Die Frage stellt sich schon immer bei Akademikern:

Sind's so weit gekommen, auch mal selbst gefragt zu werden ob's was vorlesen?

Und dann noch als Differenzierung: Grundlagen im BAc, oder was spannenderes im Master?

Also ich habe zu Lesen aufgehört, als es um die Bewertung der Lehre durch die Studenten ging. Da gibt es nämlich ein kleines Problem:

Sobald Fächer als unterschiedlich schwierig empfunden werden und das sind sie zweifellos, da man beispielsweise die intelektuelle Anforderung einer Ingenieursmathematik in sinnvoller Tiefe nicht mit der einer Einführung in technisches Zeichnen vergleichen kann, ist es mit dem Wert des studentischen Feedbacks vorbei.

Ich habe noch keine Bewertung gesehen, die Didaktik unabhängig von der Schwierigkeit des Fachgebietes bewertet hätte. Der Beweis ist leicht zu erbringen, indem man das Niveau seiner Vorlesungen gegen Null reduziert. Da kann man sich zurück lehnen und dabei zusehen, wie man zum Liebkind der Studenten wird. Es gibt daher keine unmittelbare Bewertung der Qualität der Lehre, die nicht leicht getürkt werden kann.

"Der Beweis ist leicht zu erbringen, indem man das Niveau seiner Vorlesungen gegen Null reduziert. Da kann man sich zurück lehnen und dabei zusehen, wie man zum Liebkind der Studenten wird."

Das erlebe ich Anders.

Studenten schätzen durchaus auch komplexe Themen - Wenn sie wissen, wozu sie das brauchen können werden, und wenn es so aufbereitet ist dass sie mitkönnen.

Dass zusätzlich jeder die eigene Trägheit überwinden muss - auch Studenten - das hat nichts mit dem Vortrag zu tun. So wie Leute beim Laufen schwitzen und stöhnen, so ist es auch bei geistiger Arbeit.

hm..

ich habe vorlesungen erlebt, in denen ich auf den ersten blick sperrige, "schwierige" themen durch die entsprechende verve des vortragenden lieben gelernt habe -- obwohl es einiges an nacharbeit gefordert hat das thema wirklich zu erfassen. aber ich war angefacht. ich dachte mir dann immer: das ist uni! andererseits gab es themen, die ich liebte und mir nicht schwer fielen, die so absolut lieblos vorgetragen wurden, dass mir heute noch graut (vor dem vortrag). in den diskussionen mit den kollegInnen habe ich das von den meisten ähnlich gehört. es gibt sicher studierende, sich nichts unter didaktik vorstellen können. aber kann man es ihnen verdenken, wenn nichteinmal viele vortragende wissen was das ist?

Das wird oft behauptet, weil es natürlich bequem für die Lehrenden ist. Aus meiner eigenen Studienzeit kann ich mich erinnern, dass wir allerdings sehr wohl unterscheiden konnten zwischen dem Schwierigkeitsgrad des Inhalts und der Qualität der Lehre. Und spätestens seit es die Feynman Lectures auf Video gibt, kann sich hinter dem Vorwand wirklich niemand mehr verstecken!

"Das wird oft behauptet, weil es natürlich bequem für die Lehrenden ist"

Stimmt.

Klar dass der Eindruck entsteht, dass Studenten die schwierigeren Themen schlecht bewerten - meist ist es aber, dass die Themen nicht gut rüber gebracht werden.

Komplexere Themen brauchen mehr Vorbereitung und Gschick, um sie spannend vorzutragen. Natürlich gibt's bei einfachen Themen und Basics weniger Beanstandungen - die kann (fast) jeder schnell mal aus 5 Büchern zusammen kopieren und vortragen.

Studenten wissen auch herausfordernde Themen zu schätzen - Wenn der Nutzen klar ist, und es ausreichend gut aufbereitet ist.

Also mein Eindruck ist sogar der, dass Studenten es besonders gute Bewerten, wenn schwieriger Stoff gut rübergebracht wird.

Problematisch ist, dass auch scheinbar schwieriger Stoff, veraltet, nicht mehr auf der Höhe der Zeit -- aber eben amüsant und nett präsentiert auch sehr gut bewertet wird.

Das Rating von Studenten sollte sich auf die Art der Präsentation beschränken. Die Inhalte müssten etwa durch Kollegen von anderen Unis mal angeschaut werden.

Qualitätssicherung wäre nicht schlecht - aber ich hab eher den EIndruck dass einige Kollegen ihre Unterlagen nicht anschauen lassen wollen, als darüber zu diskutieren - was natürlich Unsinn ist, das KnowHow steckt ja nicht in den Folien (oder Skripten), sondern in dem was man dazu diskutiert.

Also, dass jemand seine Unterlagen nicht ins Netz stellt ist nachvollziehbar -- sonst sind Abmahnungen vorprogrammiert.

Aber sie "geheimhalten" auch intern? Das halte ich für nicht gut. Man bräuchte ja nicht mal alles dazu. An der TU Wien wird idR. der Stoff verglichen mit dem was an TU München oder anderen vergleichbaren Unis in ähnlichen VUs gelehrt wird.

"sonst sind Abmahnungen vorprogrammiert"

Ganz so klar wäre das auch nicht - wenn ich als externer Referent meine Folien mit meinem KnowHow öffentlich mache, ist das ein anderes Thema.

Ich tu's auch - aus anderen Gründen - nicht.

Aber Sie haben recht, darum geht's nicht.

Wobei ich's sowieso nicht versteh, wenn ich's jedes Jahr x Studenten gebe und auf's Laufwerk stelle ist es ja sowieso einsehbar. Und jemand der zuviel davon übernimmt und verwendet wird sowieso gut daran tun mich zu fragen - und dann bekommt er's verwendbar und nicht als pdf.

Dass man nachsieht was andere lesen - auch wenn man dann andere Schwerpunkte setzt - sollte selbstverständlich sein, da haben's vollkommen recht.

Ich wäre vorsichtig allein wegen verwendeter externer Bilder usw. In knapp 1000 Folien einer größeren Veranstaltung findet sich genug davon -- eine Abmahnung kann dann schnell 5000 EURO kosten. Das ist ruinös für kleinere Lehrstühle.

wenn die unterlagen nur als hardcopy zur verfügung gestellt werden kann gar nichts passieren - siehe urheberrecht!
haben wir in ö lehrstühle? der begriff kommt weder im ug noch im kv vor.

Die Zeichen der Zeit sind eben Internet. Und da wird oft ein völlig offener Zugang verwendet. Genau das ist aber aus o.g. Gründen NICHT möglich.

KV oder UG sind keine Lexika, wo Begriffe definiert werden: Ein Lehrstuhl ist idR eine von einem (berufenen) Professor geleitete Arbeitsgruppe, die über eigene Ausstattung verfügt. IdR also zB. ein Institut oder weitgehend autonome Gruppen eines Instituts. Der Begriff ist interantional üblich, Englisch auch "Chair of ...".

Ich kenn eher akademische Einrichtungen mit Ablagesystemen mit beschränktem Zugang.

Was auch mehr Sinn macht, aus meiner Sicht - eben wegen Urheberrechts-Themen, Datenschutz, etc.

die Zeichen der Zeit sollten adäquate Lehrplattformen sein (Aufgabe des Arbeitgebers = Uni) UND ein zeitgemäßes Urheberrecht (Aufgabe des Gestzgebers). Die Grauzone muss weg - das wäre doch die hoffentlich gemeinsame Stoßrichtung!

Zur Information: es kann auch ein Lehrender aus einer anderen Gruppe als der der berufenen Prof's vor den genannten Problem stehen. Haften tut jeder persönlich und nicht irgendwelche Stühle. International ist auch der Begriff "faculty" üblich.

Da wäre ich nicht so sicher, dass da ein einzelner "Lehrender" haftet. Für *jeden* Lehrenden und andere Mitarbeiter haftet zunächst einmal der Arbeitgeber = Institut. Und das Institut hat dann halt kein Geld mehr. Wenn das kein Geld mehr hat haftet der Vorstand = Full Prof. Theoretisch könnte das Institut wieder die Haftung weitergeben an Uni oder den Rechtsstörer. Aber halt nur theoretisch. Praktisch ist das Institut dann ca. 10.000€ ärmer, und das tut weh, aber persönlich wird keiner ärmer.

Die Haftung liegt immer beim Verursacher, also bei dem Lehrenden, der die Dinge "ins Netz stellt" - da gibt es keine Verantwortungskette die beim "full Prof" endet (es sein denn, wenn dieser einen Mitarbeiter beauftragt, das zu tun).
Der Arbeitgeber ist auch niemals ein Institut! Seit der Vollrechtsfähigkeit der Universitäten ist die Uni der Dienstgeber.

Nochmal langsam für Nicht-Uni-Kenner:

Die Webseite wird von der Uni bzw. einem Institut als Organisationseinheit der Uni betrieben. Wer wird wohl die Abmahnung bekommen? Richtig, die Abmahnung landet dann - da wette ich - zuerst bei mir als IV auf dem Schreibtisch.

Ich könnte als IV dann einen Mitarbeiter oder Dozenten zur heranziehen oder das Institut Uni-Intern für "pleite" erklären, dann zahlt erst die Uni, und wenn die "pleite" ist, der Staat.

Keiner der o.a. Fälle dürfte greifen. Der Dozent hat idR nicht bösartig gehandelt; ich würde ihn daher nicht in Regress nehmen. Wegen einem Minus von 10.000€ wird auch kein Institut oder schon gar keine Uni "pleite" sein. Die Rechnung wird aus einem Drittmittelsammler des Instituts gezahlt.

Es beginnt sich die Sache im Kreis zu drehen.
Ob Wetten in Bezug auf Rechtsfragen, die rel. klar definiert sind eine paasende Form darstellt um sich einer Rechtssicherheit anzunähern würde ich mal anzweifeln.
Im Urherbergesetz sind die Unterschiede der "zur Verfügungstellung" und Vervielfältigungen von urheberrechtlich geschützten Werken klar geregelt - siehe auch §18a, §42, ua UrhG!
Wenn Sie einen Institutsangehörigen in so einer Sachen in Schutz nehmen und allfällige Kosten übernhemen ist das löblich, jedoch hat kein einziger Uni-Mitarbeiter inkl. der "full-Prof's" auch nur irgendeine Rechtssicherheit, dass das so gehandhabt wird. Heutztage bleibt doch immer öfter der Lehrende über - mit allen Kosequenzen.

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