Spartaner, kommst du nach Döbling...

Michael Robausch
14. November 2012, 18:29
  • Die österreichischen Steinböcke scharren schon mit den Hufen.
    vergrößern 586x598
    montage: derstandard.at/rob. fotos: apa, ap

    Die österreichischen Steinböcke scharren schon mit den Hufen.

Zyperns Rugbyteam hat antike Vorbilder und einen Höhenflug. Österreich empfing diesen etwas anderen Gegner zu einem WM-Qualifikationsmatch

Wien - Aserbaidschan, Monaco, Slowakei, Bosnien, Griechenland, Bulgarien, Finnland, Luxemburg. Stehen allesamt auf der Abschussliste des zypriotischen Rugbynationalteams. Nun wappnet sich Österreich, um nicht als nächster Skalp am Gürtel dieses eigenartigen Gegners zu baumeln, der im Rahmen des Europäischen Nationencups (ENC) am Samstag in Wien zu einem Vergleich aufkreuzt, welcher gleichzeitig (ja, tatsächlich) als offizielles WM-Qualifikationsspiel firmiert (17 Uhr, Stadion Hohe Warte).

Seit ihrer Formation im Jahr 2006 hat diese Mannschaft es fertiggebracht, exakt ein Spiel zu verlieren und ist mit nunmehr 15 Siegen hintereinander nicht mehr weit vom seriellen Weltrekord im internationalen Rugby entfernt, den übrigens nicht etwa die berühmten Neuseeländer für sich reklamieren können, sondern die etwas weniger berühmten Litauer (18).

Wie das geht

Das zypriotische Wunder ist aber natürlich keines. Die Erklärung für das kometenhafte Aufleuchten am Firmament des Eierlaberls findet sich in der Existenz einer motivierten Auswanderergemeinschaft, die in den Nullerjahren daranging ihren Lieblingssport aus Großbritannien oder Südafrika auf die ehemals heimatliche Insel zu verpflanzen. Dort hatte er bislang ein mehr als kümmerliches Dasein gefristet, halbwegs am Leben gehalten allein durch die Soldaten der großen britischen Militärbasen.

Bald hatte sich der etwas kuriose Zustand etabliert,  der ein Team unter einem überforderten Verband leiden ließ. Die zypriotischen Spieler, in ihrer überwiegenden Mehrheit bis heute in englischen Amateurteams aktiv, konnten auf keinerlei Unterstützung zählen. Dafür durften sie zahlen. Die Reisen zu Auswärtsmatches, selbstverständlich. Dass aber auch noch Aufenthalt und Bewirtung der Gegner bei Heimspielen aus eigener Tasche geblecht werden musste, ging fast auf keine Kuhhaut mehr.

Ohne die Zuwendung privater Gönner wäre die Episode Rugby auf Zypern trotz der Opferbereitschaft der Sportler wohl sehr schnell an ihr Ende gekommen. Unschön, aber ganz nach dem selbstgewählten Motto: "Mit ihm oder auf ihm". Kommt aus der spartanischen Mythologie, ist insofern unweigerlich gehörig martialisch gefärbt und bezieht sich auf den Soldatenschild. Heißt also im Klartext: Siegreich oder tot.

Vormarsch und Lechzen nach Anerkennung

Aber sei's drum. Es ging ja weiter. Und wie. Von ganz unten in der europäischen Rugby-Hierarchie (Division drei), in die sie irgendwie nicht so ganz zu passen scheinen, legten die von überallher zusammengewürfelten Möchtegern-Spartaner (sogar ein türkischer Zypriote ist darunter) unter ihrem walisischen Trainer einen Durchmarsch hin, der zuletzt in der Tat furchterregendes Zahlenmaterial produziert hat. Im Frühjahr 2012 wurden Bulgarien (94:3), Griechenland (72:5) und Finnland (52:5) in eher brutaler Weise behandelt, was am Ende der Saison eine Punktedifferenz von plus 423 (474:51) zur Folge hatte.

All das nährt die Hoffnung, dass die öffentliche Ignoranz auf der fußballaffinen Insel doch langsam angekratzt werden könnte. Immerhin: Das Spiel der "erfolgreichsten Nationalauswahl in der Geschichte des Sports auf Zypern" gegen die griechischen Cousins lockte erstmals Reporter des Fernsehens zum Rugby.

Im Lager der euphorisierten Mufflons (Spitzname!) ist nun nicht einmal mehr die Qualifikation für die nächste  Weltmeisterschaft in England (2015) ein Tabu. Eine Ungeheuerlichkeit eigentlich, und den Heldentaten eines Leonidas mindestens ebenbürtig. Etwa, wenn man sich vor Augen hält, dass beim zypriotischen Rugbyverband gerade einmal 160 Aktive gemeldet sind (darunter null Frauen). Erste Voraussetzung für einen solchen Coup wäre der Gewinn des ENC (Division 2 C), danach zusätzlich noch eine ziemlich langwierige Reihe von sechs K.o.-Duellen zu überstehen.

Österreich im Umbau...

In besagter Division 2 C nun tun sich auch die Österreicher (1420 Aktive, 75 Frauen) um, eine Tatsache, die dieser Geschichte nun endlich ihre eigentliche Existenzberechtigung verleiht. Die Steinböcke (Spitzname!) konnten sich in der vergangenen Spielzeit als Dritter der Abschlusstabelle relativ sicher in dieser Leistungsklasse halten, der fünfthöchsten, wenn man von der über allem schwebenden Crème de la Crème (Frankreich, Wales, England, Irland, Schottland, Italien) einmal absieht.

Ihre aktuelle Gefühlslage ist vergleichsweise trotzdem eher gemischt zu nennen. Die Österreicher wissen nämlich nicht so recht wo sie stehen. Das Team von Coach Gael Mouysset ist im Umbruch begriffen, viele verdiente Routiniers (darunter der Rekord-Internationale Andreas Gaul) nahmen zuletzt ihren Abschied. Wie es um die Wettkampfhärt der neuen jungen Gruppe steht ist eine noch nicht abschließend beantwortbare Frage. Dass die Österreicher vor einer schwierigen Phase stehen dürften, manifestierte sich im ersten Saison-Vergleich, einem 7:12 in Sofia gegen Bulgarien am 20. Oktober.

...und ein Beginn mit Niederlage

Die flinkeren und auch technisch bevorteilten Gäste leisteten sich gegen die körperlich überlegene Auswahl des zweiten Aufsteigers zu viele Unkonzentriertheiten. Weder eine 7:0-Führung, noch die Chance einer zahlenmäßigen Überlegenheit in der zweiten Halbzeit konnten zum eigenen Vorteil genützt werden - im Gegenteil musste Österreich gerade dann den zweiten Try hinnehmen, als ein Bulgare auf der Strafbank ausruhen musste. Eine engagierte, jedoch an einem Mangel an Esprit leidende Schlussoffensive blieb ohne Durchbruch.

Nachdem bereits die beiden letzten Partien der letzten Saison (Norwegen, Dänemark) schief gegangen waren, haben die  Steinböcke nun also erneut an einem Misserfolg zu kauen. Trainer Mouysset richtete sich in der Analyse an der tadellosen Einsatzbereitschaft seiner Mannschaft auf. Ruhe und Geduld im Offensivspiel gelte es allerdings zu verbessern. Über seine Philosophie, jungen Spielern aus der Österreichischen Liga das Vertrauen zu schenken, ließ er keinen Zweifel aufkommen.

Die Panier, eine Premiere

Erstmals bei einem Heimspiel wird man die neuen superengen Trikots ausführen. Entworfen von Renée Carmine-Jones, der langjährigen Teamchefin der österreichischen Frauen, lassen sie die ohnehin sehr fitten Herren sogar noch ein bisschen gestählter erscheinen. Und die Teile haben auch auf einer rein praktischen Ebene ihre Meriten: ihre Träger sind, haben sie es erst einmal hineingeschafft, von den Gegnern kaum mehr zu fassen. Das allein wird gegen Zypern aber wohl nicht reichen. Flügel Max Navas: "Es wird sehr hart, aber wir müssen und werden härter sein." Spartanischer geht es kaum. (Michael Robausch - derStandard.at)


Die nächsten Spiele der Österreicher im Rahmen des ENC 2012/14 (gleichzeitig WM-Qualifikation):

Ungarn (Heim, 6.4. 2013)

Slowenien (Auswärts, 20.4. 2013)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
"sogar ein türkischer Zypriote"

Zypriote ist die Bezeichnung für die griechische Bevölkerung Zyperns. Der Sammelbegriff für beide Ethnien ist Zyprer.

Einen türkischen Zyprioten kann es somit gar nicht geben, weil sonst wäre er entweder das eine oder das andere nicht.

Das ist aber schon ein deutschsprachiges Forum? Wirf halt einmal einen Blick in den Duden, dort wird dir geholfen.

ich weiß, was mir der autor mit dem ausdruck sagen will. das reicht mir eigentlich. wie würden Sie denn den sachverhalt ausdrücken?

"sogar ein türkischer Zyprer" oder "sogar ein Spieler der türkischen Minderheit"

steinböcke kannt man für alle österreichischen mannschaften einführen!

Also, ich fasse zusammen:

Zypern - Bulgarien 94:3
Bulgarien - Österreich 12:7

Österreich - Zypern ?:?

I've got a bad feeling about this...

Aber nixdestotrotz, viel Glück! Obwohl ich Rugby nur alle heiligen Zeiten hin und wieder im Fernsehen sehe, ist das mMn ein sehr cooler Sport. Freut mich, mal was über Österreich und Rugby zu lesen :)

Es war uebrigens sehr schoen,

inmitten dieses Fussball-Herbstes, nach einiger Zeit mal wieder ein internationales Rugby-match zu sehen.

Obendrein haben die XV de France die Australischen Wallabies so richtig paniert, was eher unueblich ist und so die traditionelle Test-Match-Serie triumphal begonnen.

Fred MICHALAK mit einem tollen comeback, Yannick NYANGA bei der Marseillaise wunderbar flennend wie ein Schosshund:

https://www.youtube.com/watch?v=IttI1iMtdmI

(Auch da koennten sich einige Kicker was abschneiden.)

Obwohl Patrioten natuerlich Idioten sind :)

Alsdenn, Viel Glueck den Steinboecken gegen die Mufflons!

Ps:

300 war wohl der duemmste Film den ich je gesehen hab.

aber ein hartes match mit independence day :)

net "angriff der killertomaten"?

Na dann empfehl ich dir "Snakes on a plane"! ;)

PS: wenn dir der nicht blöd genug ist, hätt ich noch einige in Reserve!

auch nicht gesehen.

Na hui - Sachen gibts...aber auch nicht übel dies hier:

http://www.youtube.com/watch?v=BdnHZB7q8yg

Nach dem Trailer brauchts ja fast ein Bier...das ist ja abartig! =)

Zb. alle Steven Seagal Filme. ;-)

Und wesley snipes filme

da kriegt man richtig lust

sich blaue flecken und ausgeschlagene zähne zu holn.. großartiger sport (lach immer, wenn puls4 den "härtesten sport der welt" - american football - ewirbt..)

Leonardis pah wir haben A.Hofer!

wer bzw. was ist Zypern?!

witzig, sich leonidas (so hieß der mann wirklich) bei den thermopylen vorzustellen, wie er seinen männern "mander, 's isch zeit" zuruft...

die beiden hatten aber wahrscheinlich zumindest eine recht ähnliche barttracht.

wir hätten auch einen klassischen spruch

"sieg oder akja" kann mit dem schildspruch mithalten ;-)

Eine Bitte!

Nicht immer den Begriff Eierlaberl verwenden wenn es um Rugby oder American Football geht. Ich kanns nimmer hören.

Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.