Spartaner, kommst du nach Döbling...

  • Die österreichischen Steinböcke scharren schon mit den Hufen.
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    Die österreichischen Steinböcke scharren schon mit den Hufen.

Zyperns Rugbyteam hat antike Vorbilder und einen Höhenflug. Österreich empfing diesen etwas anderen Gegner zu einem WM-Qualifikationsmatch

Wien - Aserbaidschan, Monaco, Slowakei, Bosnien, Griechenland, Bulgarien, Finnland, Luxemburg. Stehen allesamt auf der Abschussliste des zypriotischen Rugbynationalteams. Nun wappnet sich Österreich, um nicht als nächster Skalp am Gürtel dieses eigenartigen Gegners zu baumeln, der im Rahmen des Europäischen Nationencups (ENC) am Samstag in Wien zu einem Vergleich aufkreuzt, welcher gleichzeitig (ja, tatsächlich) als offizielles WM-Qualifikationsspiel firmiert (17 Uhr, Stadion Hohe Warte).

Seit ihrer Formation im Jahr 2006 hat diese Mannschaft es fertiggebracht, exakt ein Spiel zu verlieren und ist mit nunmehr 15 Siegen hintereinander nicht mehr weit vom seriellen Weltrekord im internationalen Rugby entfernt, den übrigens nicht etwa die berühmten Neuseeländer für sich reklamieren können, sondern die etwas weniger berühmten Litauer (18).

Wie das geht

Das zypriotische Wunder ist aber natürlich keines. Die Erklärung für das kometenhafte Aufleuchten am Firmament des Eierlaberls findet sich in der Existenz einer motivierten Auswanderergemeinschaft, die in den Nullerjahren daranging ihren Lieblingssport aus Großbritannien oder Südafrika auf die ehemals heimatliche Insel zu verpflanzen. Dort hatte er bislang ein mehr als kümmerliches Dasein gefristet, halbwegs am Leben gehalten allein durch die Soldaten der großen britischen Militärbasen.

Bald hatte sich der etwas kuriose Zustand etabliert,  der ein Team unter einem überforderten Verband leiden ließ. Die zypriotischen Spieler, in ihrer überwiegenden Mehrheit bis heute in englischen Amateurteams aktiv, konnten auf keinerlei Unterstützung zählen. Dafür durften sie zahlen. Die Reisen zu Auswärtsmatches, selbstverständlich. Dass aber auch noch Aufenthalt und Bewirtung der Gegner bei Heimspielen aus eigener Tasche geblecht werden musste, ging fast auf keine Kuhhaut mehr.

Ohne die Zuwendung privater Gönner wäre die Episode Rugby auf Zypern trotz der Opferbereitschaft der Sportler wohl sehr schnell an ihr Ende gekommen. Unschön, aber ganz nach dem selbstgewählten Motto: "Mit ihm oder auf ihm". Kommt aus der spartanischen Mythologie, ist insofern unweigerlich gehörig martialisch gefärbt und bezieht sich auf den Soldatenschild. Heißt also im Klartext: Siegreich oder tot.

Vormarsch und Lechzen nach Anerkennung

Aber sei's drum. Es ging ja weiter. Und wie. Von ganz unten in der europäischen Rugby-Hierarchie (Division drei), in die sie irgendwie nicht so ganz zu passen scheinen, legten die von überallher zusammengewürfelten Möchtegern-Spartaner (sogar ein türkischer Zypriote ist darunter) unter ihrem walisischen Trainer einen Durchmarsch hin, der zuletzt in der Tat furchterregendes Zahlenmaterial produziert hat. Im Frühjahr 2012 wurden Bulgarien (94:3), Griechenland (72:5) und Finnland (52:5) in eher brutaler Weise behandelt, was am Ende der Saison eine Punktedifferenz von plus 423 (474:51) zur Folge hatte.

All das nährt die Hoffnung, dass die öffentliche Ignoranz auf der fußballaffinen Insel doch langsam angekratzt werden könnte. Immerhin: Das Spiel der "erfolgreichsten Nationalauswahl in der Geschichte des Sports auf Zypern" gegen die griechischen Cousins lockte erstmals Reporter des Fernsehens zum Rugby.

Im Lager der euphorisierten Mufflons (Spitzname!) ist nun nicht einmal mehr die Qualifikation für die nächste  Weltmeisterschaft in England (2015) ein Tabu. Eine Ungeheuerlichkeit eigentlich, und den Heldentaten eines Leonidas mindestens ebenbürtig. Etwa, wenn man sich vor Augen hält, dass beim zypriotischen Rugbyverband gerade einmal 160 Aktive gemeldet sind (darunter null Frauen). Erste Voraussetzung für einen solchen Coup wäre der Gewinn des ENC (Division 2 C), danach zusätzlich noch eine ziemlich langwierige Reihe von sechs K.o.-Duellen zu überstehen.

Österreich im Umbau...

In besagter Division 2 C nun tun sich auch die Österreicher (1420 Aktive, 75 Frauen) um, eine Tatsache, die dieser Geschichte nun endlich ihre eigentliche Existenzberechtigung verleiht. Die Steinböcke (Spitzname!) konnten sich in der vergangenen Spielzeit als Dritter der Abschlusstabelle relativ sicher in dieser Leistungsklasse halten, der fünfthöchsten, wenn man von der über allem schwebenden Crème de la Crème (Frankreich, Wales, England, Irland, Schottland, Italien) einmal absieht.

Ihre aktuelle Gefühlslage ist vergleichsweise trotzdem eher gemischt zu nennen. Die Österreicher wissen nämlich nicht so recht wo sie stehen. Das Team von Coach Gael Mouysset ist im Umbruch begriffen, viele verdiente Routiniers (darunter der Rekord-Internationale Andreas Gaul) nahmen zuletzt ihren Abschied. Wie es um die Wettkampfhärt der neuen jungen Gruppe steht ist eine noch nicht abschließend beantwortbare Frage. Dass die Österreicher vor einer schwierigen Phase stehen dürften, manifestierte sich im ersten Saison-Vergleich, einem 7:12 in Sofia gegen Bulgarien am 20. Oktober.

...und ein Beginn mit Niederlage

Die flinkeren und auch technisch bevorteilten Gäste leisteten sich gegen die körperlich überlegene Auswahl des zweiten Aufsteigers zu viele Unkonzentriertheiten. Weder eine 7:0-Führung, noch die Chance einer zahlenmäßigen Überlegenheit in der zweiten Halbzeit konnten zum eigenen Vorteil genützt werden - im Gegenteil musste Österreich gerade dann den zweiten Try hinnehmen, als ein Bulgare auf der Strafbank ausruhen musste. Eine engagierte, jedoch an einem Mangel an Esprit leidende Schlussoffensive blieb ohne Durchbruch.

Nachdem bereits die beiden letzten Partien der letzten Saison (Norwegen, Dänemark) schief gegangen waren, haben die  Steinböcke nun also erneut an einem Misserfolg zu kauen. Trainer Mouysset richtete sich in der Analyse an der tadellosen Einsatzbereitschaft seiner Mannschaft auf. Ruhe und Geduld im Offensivspiel gelte es allerdings zu verbessern. Über seine Philosophie, jungen Spielern aus der Österreichischen Liga das Vertrauen zu schenken, ließ er keinen Zweifel aufkommen.

Die Panier, eine Premiere

Erstmals bei einem Heimspiel wird man die neuen superengen Trikots ausführen. Entworfen von Renée Carmine-Jones, der langjährigen Teamchefin der österreichischen Frauen, lassen sie die ohnehin sehr fitten Herren sogar noch ein bisschen gestählter erscheinen. Und die Teile haben auch auf einer rein praktischen Ebene ihre Meriten: ihre Träger sind, haben sie es erst einmal hineingeschafft, von den Gegnern kaum mehr zu fassen. Das allein wird gegen Zypern aber wohl nicht reichen. Flügel Max Navas: "Es wird sehr hart, aber wir müssen und werden härter sein." Spartanischer geht es kaum. (Michael Robausch - derStandard.at)


Die nächsten Spiele der Österreicher im Rahmen des ENC 2012/14 (gleichzeitig WM-Qualifikation):

Ungarn (Heim, 6.4. 2013)

Slowenien (Auswärts, 20.4. 2013)

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