Termingeschäfte mit Nudeln und Couscous

Die italienische Börse startet das erste Hartweizen-Termingeschäft in Europa. Agrex soll Nudelproduzenten und Couscous-Hersteller ansprechen

Spaghetti, Penne, Farfalle: Die Pasta ist das wohl am häufigsten exportierte italienische Kulturgut – und italienische Nudeln sind aus Hartweizen. In den 1980er Jahren beschäftigte sich sogar der Europäische Gerichtshof damit. Bis dieser das Verbot als gemeinschaftsrechtswidrig einstufte, durften in Italien nämlich keine Nudeln mit Weichweizenanteil verkauft werden. Seither steht auf jeder Nudelpackung ganz klar drauf, was drin ist: semola di grano duro, Hartweizen.

Neues Agrarsegment seit 2009 geplant

Auf dem internationalen Markt ist der Hartweizen-Anteil gering: Rund 30 Millionen Tonnen Hartweizen stehen 650 Millionen Tonnen Weichweizen - Brotweizen - gegenüber, schreibt die italienische Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore". Trotzdem will die Mailänder Börse im Dezember den ersten Hartweizen-Terminkontrakt in Europa einführen. "Dieser Starttermin könnte sich nach hinten verschieben", sagte Ennio Arlandi, Leiter der Rohstoffe der Borsa Italiana, gegenüber der Mailänder Zeitung. Es könnte auch Jänner werden. Gegenüber der "Financial Times Deutschland" ("FTD") sagte er: "Wir werden stark unterstützt von den italienischen Mühlen und den Pastaherstellern, die global ganz vorne mitspielen."

Schon seit Ende 2009 arbeite die Börse an diesem neuen Agrarsegment, berichtet die "FTD". Agrex soll es heißen. Beraten werde die Börse unter anderem von Marktführer Barilla. Am Anfang sieht der Kontrakt Lieferungen zu 50 Tonnen vor. Fünf Laufzeiten soll es geben. Abgegeben werden kann die Ware im März, im Mai, im September und im Dezember, berichtet "Il Sole 24 Ore". Erfüllungsort ist Foggia in Apulien.

Anlaufzeit nötig

Ansprechen wolle man vor allem italienische und französische Pasta-Produzenten, aber auch Couscous-Hersteller aus Nordafrika und dem Nahen Osten, schreibt die Mailänder Wirtschaftszeitung. Eine Kopie der früheren Börse Winnipeg in Kanada werde Mailand nicht. Die kanadische Börse wende sich nämlich vor allem an den lokalen Markt. Im Jänner ging sie mit einem Hartweizenkontrakt an den Start. Der Erfolg? Laut "FTD" bescheiden: "Bis 24. Oktober beliefen sich die offenen Positionen auf 46 Kontrakte. Über einen Monat lang fand keine einzige Transaktion statt."

Auch Arlandi ist vorsichtig: Erst wenn die Händler sehen, dass dieses Geschäft funktioniert, werden sie daran teilnehmen. Eine gewisse Anlaufzeit sei also notwendig. Bisher gab es für die Landwirtschaft in Italien nur die Borsa Merci Telematica. Dabei handelt es sich nicht um eine "richtige Börse", wie die "FTD" schreibt, sondern um eine Plattform der Handelskammern, an der bilateral ge- und verkauft werden kann. Die Börse dagegen schaltet jetzt ein Abwicklungshaus zwischen Käufer und Verkäufer. Dieses übernimmt die Ausfallrisiken.

Starke Mitstreiter

Der Hartweizen-Kontrakt soll zu einer "globalen Referenzgröße" werden, sagte Carlo Macchiaroli, Leiter der Abteilung Rohstoffe der Banca IMI, gegenüber der "FTD". Immerhin ist Italien nicht nur der weltweit größte Verbraucher, sondern auch Europas wichtigster Hartweizenproduzent. Die Banca IMI ist die Investmentsparte der größten Privatkundenbank Italiens, der Intesa Sanpaolo.  Neben dem Gruppo Casillo, dem größten Hartweizenhändler der Welt, und der französischen Genossenschaft Granit Négoce ist sie einer der Market-Maker, die hier laut "FTD" jederzeit Kurse stellen. Die Borsa Italiana hat also starke Mitstreiter.

Barilla-Manager Emilio Ferrari glaubt, dass die Käufer mit diesem Geschäft auch dazu beitragen könnten, die Preise zu stabilisieren und Spekulanten zurückzudrängen. Die Wirtschaftlichkeit der Ernten könnte so ebenfalls besser abgesichert werden, sagte er gegenüber "Il Sole 24 Ore". Die Anbaufläche geht nämlich seit Jahren zurück. (Elisabeth Parteli, derStandard.at, 12.11.2012)

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