Neue MX-Modelle von Honda: Hart und cross

Test | Guido Gluschitsch
12. November 2012, 16:46

Aus der Aufregung wurde das große Kneifen. Dafür finden wir raus, dass es für die neue CRF250R das WM-Mapping um 700 Euro gibt

Die Ringe unter den Augen zeugen von einer harten Nacht. Die Aufregung. Sie verstehen. Weil jetzt in der Früh geht es runter auf eine Motocross-Strecke in der Nähe von Wiener Neustadt. Honda hat dort die 2013er Modelle in den Dreck gestellt. Und weil ich schon länger nimmer crossen war - und selbst das letzte Mal unter aller Sau gefahren bin, hab ich die Nacht mit Fürchten statt Freuen verbracht.

Die Aufgabe war klar. Rausfinden, ob die Neuerungen bei Honda was bringen - auch wenn mir ehrlich gestanden der Hersteller-interne Vergleich fehlt. Aber gute und schlechte Crosser kenne ich ja trotzdem auseinander. Ich muss aufpassen, den wilden Hunden vom Reitwagen und von 1000PS nicht in die Quere zu kommen. Und dann gilt es, dem einen Kollegen da, der sich immer gern ein Matscherl mit mir liefert, eines auf den Pelz zu brennen.

Dem Konkurrenten die CRF450R

Ich weiß auch schon wie. Er greift immer gerne zu Hubraum, also wird er die 450er nehmen. Ich hab es da eher mit der 250er. Und das wird gut sein. Wenn er nicht von alleine zur CRF450R greift, dann werd ich ihn schon überzeugen. So nebenbei von einem Hatzerl reden, und dann fällt ihm schon ein, dass Hubraum wichtiger ist als alles andere.

Reicht das nicht, dann frag ich ihn, ob er meint, dass die neue Gabel wirklich etwas bringe? Die ist nämlich luftgefedert, hat einen Standrohrdurchmesser von 48 Millimeter und ist Up-Side-Down eingebaut. Außerdem, oder wegen der Luft, ist sie noch dazu um 800 Gramm leichter als eine herkömmliche Gabel. Allein wegen der geringeren ungefederten Massen muss das Radl also schon leichter zu fahren sein - aber sie hat ja auch noch einen größeren Dämpferkolben-Durchmesser und müsste deshalb weicher ansprechen.

Optimierungen am Rahmen und Kolben

Auch beim Rahmen hat Honda nachgebessert. Er wiegt nun deutlich unter 10 Kilogramm, und die beiden Oberzüge münden nun beinah mittig ins Lenkkopfrohr - was den Schwerpunkt absenkt. Ins gleiche Horn stößt der tiefer platzierte Kühler. Dazu kommen eine steifere Hinterrad-Schwinge und neue Kolben, deren Kolbenhemden für eine reduzierte Reibung eine Molybdänbeschichtung spendiert bekommen haben. Also leichtes Spiel für den Kollegen.

Warum ich trotzdem zur 250er greife? Ganz klar, weil ich mir nicht von einer 450er die Ärmel ausreißen lasse, meine Kraft lieber dafür verwende, sauber ums Eck zu kommen, als mich überhaupt auf dem Bock zu halten. Nix leichter, als auf einer 450er beim ersten Gaslupfer hinten abzusteigen und dann wie ein Käfer am Buckel zu liegen, während die Reiben auf den ersten Table zuschießt und dann wie ein Senkrechtstarter abhebt, um mit einem finalen Klonk in einer Staubwolke zu verschwinden.

Die CRF250R ist das Maß der Dinge

Die 250er ist bekanntlich sanfter im Antritt, hat aber trotzdem mehr als genug Leistung. Bei der neuen CRF250R wurde das Ansprechverhalten und die Performance des Motors verbessert, vorne trägt sie nun härtere Federn. Der Dämpferkolben ist größer, was gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten ein besseres Handling verspricht. Genau mein Terrain.

Doch auf der Strecke, weiß ich gleich, ich brauch mich nicht in der kalten Morgenluft im Gatsch in die MX-Mode quälen. Als ich auf den Hügel schaue, von dem man die ganze Strecke überblicken kann, steht da oben die halberte Reitwagenmannschaft in Jeans und Jacke, dafür ist der Hatzerl-Kollege nicht da. Mit einer vorgeschobenen Verkühlung hat er sich entschuldigt. Feigling. Doch warum stehen die Reitwagler wie die Vogelscheuchen in der Gegend?

MX-Star Schmidinger als Überflieger

Oben am Hügel wird mir das schnell klar. Auf der Strecke treibt jemand eine neue Honda über den Kurs. Bodenkontakt: Selten. Luftstand: Enorm. Geschwindigkeit: Abartig. Da wollen sich die anderen auch nicht blamieren. Zwei blöde Fragen später weiß ich, Günter Schmidinger, MX-WM-Top-3-Fahrer, treibt da die Rote über die Piste. Unglaubliche Sprünge.

Als er dann fertig ist, mit seiner Demütigung unsereins, frage ich ihn einfach, was er von den neuen Hondas hält. Das Marketing-Bullshit-Bingo mit "perfekte Balance", "vollkommen neues Ansprechverhalten", "perfekt abgestimmt" und so weiter schon im Kopf. Doch nichts davon kommt Günter über die Lippen. Klar schwärmt der von den Radeln, verspricht eine 450er, die man dabändigen kann, und dass die MX-Radln mit wenigen Modifikationen auch neue, günstige und leichte Hard-Enduro sind.

Das Stärkste aber ist: Schmidinger bietet sein WM-Mapping für die 250er um schlanke 700 Euro an, dazu gibt es den Racing-Auspuff und Aufkleber samt Frontnummerntafel. Crosserherz, was willst du mehr? Ja, keine vollen Hosen, aber sonst? (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 12.11.2012)

Info

Honda CRF450R: 8.690 Euro

Honda CRF250R: 7.790 Euro

Honda Schmidinger hat die CRF250R derzeit um 6.990 Euro im Angebot, als Limited Edition mit dem WM-Mapping um 7.690 Euro.

Link

Die MX-Modelle aus dem Hause Honda.

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4 Postings
Bitte ...

.... tausche eine neue Website für Schmidinger gegen die besagte 250er! Deal?

der Trend zu Alurahmen bei Motocross ist schon interessant, ein Unfall wo der Rahmen verbogen wird und man kann sich nach einer neuen Maschine umsehen, oder sie mit einem Neuteil komplett neu aufbauen. Während Stahl elastischer ist, und nicht nicht so schnell bricht oder Dauerhaft verbogen wird wie Alu ist er gleichzeitig auch viel einfacher zu reparieren.

Nicht nur der Rahmen direkt, sondern Schwachpunkt sind oft die Alu Schweissnähte!! Die halten nada, kenn ich nur zu gut. Und Alu selber nachschweissen is halt ned so leicht wie wennste auf dem Stahl mal schnell nachschweisst.

Stahl is Stahl! ... und so viel weniger Gewicht holt man aus Alu auch nicht raus. Weil man mehr Alu braucht um den Rahmen gleich Stabil zu machen wie das Stahl Pendant.

Davon verstehe ich leider nichts.
Ausnahmsweise.

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