Wien: Protest gegen unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen

  • Rund 250 Menschen aus verschiedenen Communitys nahmen an der Demonstration teil.
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    foto: roman dietinger

    Rund 250 Menschen aus verschiedenen Communitys nahmen an der Demonstration teil.

  • Die TeilnehmerInnen der Kundgebung erklärten sich auch solidarisch mit ähnlichen Aktionen in Deutschland, Finnland und Polen.
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    Die TeilnehmerInnen der Kundgebung erklärten sich auch solidarisch mit ähnlichen Aktionen in Deutschland, Finnland und Polen.

Kundgebung gegen mangelnde medizinische Versorgung, lange Asylverfahren und Abschiebungen

Lautstark und friedlich haben am Samstag rund 250 Menschen auf der Wiener Mariahilfer Straße gegen einen menschverachtenden Umgang mit Flüchtlingen demonstriert. Ein Fall steht repräsentativ für die momentanen Zustände: Der 30-jährige Pakistani Shafi Murtaza leidet unter einem Weichteiltumor, bekommt aber für Arztbesuche keinen Dolmetscher zur Seite gestellt, obwohl er nur Urdu spricht. Verschlimmernd zu der unzureichenden medizinischen Versorgung kommt hinzu, dass Murtaza nun nach Pakistan abgeschoben werden soll.

Genau gegen solche Verhältnisse protestierten etwa 100 Insassen des Flüchtlingslagers Traiskirchen gemeinsam mit VertreterInnen der somalischen und nigerianischen Communities sowie mit sympathisierenden EU-BürgerInnen. Sie forderten die Zuerkennung des Flüchtlingsstatus für somalische Flüchtlinge genauso wie Familienzusammenführungen, eine schnellere Abwicklung der Asylverfahren und ein Ende der Dublin-II-Abschiebungen. 

Minderjährige aus Traiskirchen verlegt

Bereits am 4. November hatte es Proteste im Lager in Traiskirchen gegeben, bei denen es auch zu einem Polizeieinsatz gekommen war. Daraufhin wurden zwei Minderjährige, die besonders aufgefallen seien, aus dem Lager entfernt. Wie ein Sprecher des Innenministeriums erklärt, seien die beiden nach Bad Vöslau verlegt worden, um sie räumlich von den anderen Flüchtlingen in Traiskirchen zu trennen. Dies sei notwendig, damit im Lager wieder Ruhe einkehre. Allerdings würden die beiden Minderjährigen weiterhin im Asylverfahren bleiben, so das Innenministerium. Für die Flüchtlinge stellt diese Überstellung allerdings einen Akt der Repression dar.

Die Proteste in Österreich sind aber nicht die einzigen. Auch in Deutschland, Finnland und Polen regt sich immer mehr Widerstand gegen die unmenschliche Behandlung von Flüchtlingen, die um Asyl ansuchen. In Berlin wurde wie berichtet erst unlängst ein Hungerstreik von Flüchtlingen vor dem Brandenburger Tor beendet. Sie hatten den Stopp aller Abschiebungen, die Anerkennung aller AsylbewerberInnen als politische Flüchtlinge, die Aufhebung der Residenzpflicht und die Schließung aller Isolationslager gefordert. (red, derStandard.at, 12.11.2012)

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