Deutsche Grünen-Chefin Roth kandidiert erneut

12. November 2012, 08:50

Trotz schlechten Abschneidens bei parteiinterner Abstimmung: "Es geht nicht um mich, es geht um etwas Wichtigeres"

Berlin - Trotz herber Niederlage bei der Urwahl der deutschen Grünen will die langjährige Parteichefin Claudia Roth im Amt bleiben. Sie werde bei dem Parteitag Ende der Woche in Hannover erneut als Vorsitzende kandidieren, teilte Roth am Montag in Berlin mit. Mit Roths Entscheidung vermeiden die Grünen, mit einem womöglich heftigen Personalstreit in den Wahlkampf zu ziehen.

Roth gilt zwar als geschwächt, kann in Hannover aber auf ein gutes Ergebnis hoffen. Die frisch gekürten Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, sowie Parteichef Cem Özdemir begrüßten den Schritt.

"Es geht jetzt in erster Linie nicht um mich und um meine Enttäuschung, sondern es geht um etwas Wichtigeres", sagte Roth. Es gehe um die Ablösung von Schwarz-Gelb. So viel Zuspruch wie am Wochenende nach ihrer Niederlage habe sie noch nie bekommen. Viele namhafte Parteivertreter hätten ihr glaubhaft versichert, bei der Urwahl der Spitzenkandidaten sei es nicht um den Parteivorsitz gegangen. Sie habe einen regelrechten "Candystorm" erlebt, also eine große Unterstützung aus der Partei.

Roth hatte mit nur 26,2 Prozent am schlechtesten von den vier bekannten Bewerbern abgeschnitten. Gewählt worden waren Fraktionschef Trittin mit 71,9 Prozent der Stimmen und Bundestags-Vizepräsidentin Göring-Eckardt mit 47,3 Prozent, Co-Fraktionschefin Renate Künast hatte 38,6 Prozent erhalten.

Roth: "Da war Licht und Schatten"

Roth räumte ein, sie habe ein bitteres Ergebnis zu verkraften. Zweifel und große Zerrissenheit hätten sie durchgerüttelt. "Da war Licht und Schatten." Einerseits sei der Mitgliederentscheid ein großer Erfolg gewesen. "Ich würde immer wieder für eine Urwahl eintreten." Roth hatte sie auf den Weg gebracht. Doch es habe auch Schatten gegeben, "weil das Ergebnis eine herbe Klatsche war und natürlich auch eine bittere Enttäuschung". Roth: "Direkte Demokratie, das kann auch mal schief gehen."

Die Grünen hätten es schwer, eine andere Kandidatin für den Parteivorsitz aufzubieten. So ist Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, deren Name intern genannt worden war, zugleich die oberste Managerin des Wahlkampfs. Dort würde eine große Lücke entstehen, würde sie jetzt Roths Nachfolgerin.

Sie habe sich zwar gefragt, ob sie ihr Amt behalten könne, sagte Roth. Doch sie sei zu dem Ergebnis gekommen: "Es geht darum, geschlossen alle Kräfte zu mobilisieren und zu bündeln." Roth: "Deshalb ziehe ich meine Kandidatur nicht zurück." Sie habe lange überlegt. Nun hätten die Delegierten des Parteitags das Wort.

Trittin zeigte sich erfreut über Roths Entscheidung. Die Grünen hätten nun ein Spitzenpersonal mit klarer Arbeitsaufteilung. Das Spitzenduo führe die Partei in den Wahlkampf und die Regierung. "Der Bundesvorstand hält die Partei zusammen." Und die Fraktion sei der inhaltliche "Thinktank" (Denkfabrik).

"Wir brauchen Claudia Roth in der Partei"

Göring-Eckardt sagte: "Wir brauchen Claudia Roth in der Partei, in dem Wahlkampf." Sie kenne die Partei und könne diese zusammenhalten. Özdemir, der bei der Urwahl nicht angetreten war und in Hannover ebenfalls in seinem Amt bestätigt werden will, sagte: "Ich bin sehr sicher, dass sie ein tolles Ergebnis bekommt."

Die 57-Jährige selbst bekräftigte, dass die Grünen auf ein starkes Ergebnis für einen rot-grünen Wahlsieg hinarbeiten wollen. Sie sicherte Göring-Eckardt und Trittin ihre volle Unterstützung zu.

Roth wurde schon 2001 an die Parteispitze gewählt. Den Vorsitz verlor sie vorübergehend wegen der damals geltenden Unvereinbarkeit von Amt und Mandat Ende 2002. Zwei Jahre später rückte sie wieder an die Spitze.

Trittin und Göring-Eckardt bekräftigten ihre Ablehnung einer Koalition mit der Union 2013. Auf die Frage, ob mit ihrem Erfolg die Chancen für Schwarz-Grün gestiegen seien, sagte die Thüringerin: "Nein, sind sie nicht." Die Grünen wollten enttäuschte CDU-Wähler gewinnen, aber schon aus inhaltlichen Gründen nicht mit der CDU regieren. "Mit denen können wir nicht in eine Regierung gehen." (APA, 12.11.2012)

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Diese Frau kann

einem nur mehr leid tun.
Außer Politik kann sie nichts und zuhause wartet auch kein Mann auf sie.

Die Zeichen stehen schlecht für die Claudia.

Solche Posten sind verlockend. Besonders jetzt wo man im Mainstream schwimmt.
Im Bundestag stimmten die Grünen jetzt gemeinsam mit CDU/CSU, FDP und SPD für die Aufhebung der Immunität von vier Abgeordneten der Linken, die zum Schottern gegen Castorentransporte aufgerufen hatten.

Jetzt wird der Rauscher aber enttäuscht sein.

"Es geht nicht um mich, es geht um wichtigeres"

D. h.: "Es geht um mich".

Kurt Tucholsky: "Die grosse Politik ist genau so, wie sie sich der kleine Max vorstellt."

Wenn eine Grün-Politikerin "für" Olympische Spiele ist (München2018), dann läuft bei der Person sowieso was schief.

rofl der lebenslauf ist ja genial...

außer ein abitur kann die frau nix vorweisen ... gammeln so kandidaten nicht normal im euro. parlament rum ... wer wählt sowas ...

auch bei den deutschen grünen gibts sesselkleberei und keine rücktrittskultur.

Was 'Wichtiger' ist ?

Wahrscheinlich will sie ihre große Limusine behalten.-

...es geht um etwas wichtigeres, um mein geld. diese tante ist ja sowas von nervig. die grünen sind für harz4 und leiharbeit verantwortlich, fischer bewirbt sich für einen versorgungsposten bei der deutschen bank, trittin trifft sich mit den bilderbergern, grüne unterstützen den esm..ihr seid so wichtig wie ein kropf!

Die 'Bundes-Betroffenheits-Beauftragte'

wurde sie einst genannt;-)

Warum musste Rotgrün die Sozialhilfe dramatisch kürzen? Weil Kohl die Einigung verbockt hatte: 1:1-Geldumtausch, um Wählerstimmen zu kaufen.

Die wertlose Ostmark 1:1 umzutauschen, und zugleich zuzulassen dass bayrische Betrüger wie Heuschreckenhorden über die DDR herfallen, hat die Wirtschaft der DDR endgültig vernichtet. Plötzlich war die ex-BRD zu einem Land geworde, wo ein Drittel der Fläche, ein Viertel der Bevölkerung auf dem Stand der 1950er Jahre stehen geblieben war, und man versagte völlig bei der Integration, siehe "National befreite Zonen" und das Versagen der Behörden bei den Hunderten Morden durch Rechtsextremisten.

Unsere Eva weiß ...

... warum sie sich keiner Urwahl stellt.

die grüne maske ist ab!

alles bei den anderen besser wissen (es zu glauben), aber bei krisen keinen tupf besser als die anderen sein (fischer schickte soldaten in den krieg, roth klammert sich an den sessel wie ein hinterbänkler). das ist grüne realpolitik. das sollten sich alle, die auf diesen irrtum der politischen geschichte in der wahlzelle reinfallen, vor den kopf halten. möchte wissen, was frau g. oder frau v. tun, sollten sie von einer ähnlichen abstimmung überrascht werden. aber zur sicherheit gibt es bei uns sowas gleich gar nicht.

und: dem inoffiziellen grünen sprachrohr der standard ist dieses widerliche schauspiel nicht einmal einen kommentar wert. typisch.

Für mich die unverschämteste Meldung eines Politikers seit langem.

Roth: "Direkte Demokratie, das kann auch mal schief gehen."

Wie erfrischend ehrlich!

Den Nachsatz: "Aber wenn das Ergebnis dann halt mal nicht den Vorgaben entspricht, darf man sich nicht beirren lassen und muss es einfach ignorieren."

Richtig, Frau Roth.
Es geht ja, wie Sie so unwiderlegbar darstellen, "um etwas Wichtigeres" als um einen demokratischen Basis-Entscheid....

(Ergänzung zu obigem post):

Den Nachsatz: "..." hat sie sich dann wenigstens noch verkneifen können.

Und ...

... für diese weinerliche Befindlichkeit mussten die Journalisten extra früh zur Pressekonferenz? "Wähh! Ohne mich geht es nicht. Und wenn doch, bleib ich eben undemokratisch am Geldtropf hängen! Werde ich nicht gewählt, soll es auch keine andere werden!"

die is irgendwie komisch.

Ja ziemlich komisch. Bezeichnet sich selber als lesbische Muslima. Man fragt sich wie das zusammengehen kann.

Roth: "Da war Licht und Schatten"

...ach und ich dachte da waren "sonne, mond und sterne" ;-)

wenn, dann waren da: ton steine scherben

Sesselkleberin

Schande über die deutschen Grünen. Da werfen die doch den "Alparteien" Sesselkleben, Machterhalt und Misswirtschaft vor. Und dann kleben die Haupakteure der eigenen Partei an ihren lukrativen Posten, auch gegen den Willen der eigenen Basis... . Kopfschüttel

Blödsinn

Das sind sehr verschiedene Posten, Sie sollten sich mal informieren.
:-)

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