Kultusgemeinde Wien: Starke Verluste für Deutsch

12. November 2012, 08:50
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Liste des amtierenden Präsidenten konnte sich nur knapp behaupten - Deutsch erhebt Anspruch auf Präsidentenamt

Wien - Die Wahl in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) hat am Sonntag starke Verluste für die Liste des amtierenden Präsidenten Oskar Deutsch gebracht. Die Liste Atid verlor gleich drei Mandate, blieb aber mit 28,15 Prozent stärkste Fraktion (2007: 41,22). Die neue Liste des Psychoanalytikers und Consulters Martin Engelberg, Chaj - Jüdisches Leben, landete mit 11,59 Prozent auf Anhieb auf dem dritten Platz.

Wahlbeteiligung gestiegen

Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zur letzten Wahl 2007 deutlich gestiegen: 62,36 Prozent der 5.545 Wahlberechtigten gingen diesmal wählen, vor fünf Jahren waren es 54,67 Prozent. Deutliche Gewinne gab es auch für die Bucharischen Juden, die ein Mandat dazugewinnen konnten und nur mehr knapp hinter der Liste Deutschs liegen.

Gleich drei Gruppen traten zum ersten Mal an: Neben Engelbergs Chaj erhielt auch die Initiative Respekt auf Anhieb zwei Mandate, die Kaukasischen Juden schafften hingegen den Einzug in den Vorstand nicht.

Koalitionsverhandlungen

Ob Deutsch, der Anfang des Jahres interimistisch das Präsidentenamt von Ariel Muzicant übernommen hatte, Vorsitzender bleibt, ist nach diesem Ergebnis nicht fix. So ist es etwa möglich, dass Chaj und die Bucharischen Juden einen gemeinsamen Kandidaten nominieren. Bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Vorstands Anfang Dezember wird in der Kultusgemeinde mit regen Koalitionsverhandlungen gerechnet.

Deutsch erhebt Anspruch auf das Präsidentenamt

Deutsch, sieht trotz markanter Verluste für seine Liste "Atid" bei der Vorstandswahl einen "großen Erfolg" für sich. Es habe sich immerhin um das erste Antreten unter seinem Namen gehandelt, argumentierte er am Montag. Deutsch erhebt nun den Anspruch auf das Präsidentenamt - aber auch Martin Engelberg, der mit seiner neuen Liste auf Anhieb Platz drei belegt hat, stellt sich "zur Verfügung".

Der bisherige Koalitionspartner, die Sefardim-Bucharischen Juden, konnte hingegen ein Mandat dazugewinnen und liegen nur noch knapp hinter "Atid". Mit dieser wie mit anderen Listen habe man bereits jetzt schon eine Zusammenarbeit besiegelt, so Deutsch.

Engelberg verweist auf Gespräche

Für den Psychoanalytiker und Consulter Engelberg, der mit seiner Liste "Chaj-Jüdisches Leben" auf Anhieb drei Mandate im Vorstand erreicht hat, ist hingegen noch nichts gegessen: "Es ist alles noch im Fluss. Ich habe mich zur Verfügung gestellt, auch für die Präsidentschaft." In den kommenden Tagen werde es mit allen Listen Gespräche über mögliche Koalitionen geben, kündigte er an. Das Wahlergebnis sei "ein deutliches Zeichen für die Gemeinde, dass frischer Wind hereinkommt".

Deutsch, der Anfang des Jahres das Präsidentenamt von Ariel Muzicant übernommen hatte, sieht im Wahlergebnis allerdings einen "ganz klaren Wählerauftrag" für jene Parteien, welche die Kultusgemeinde seit Jahren geführt haben.

Die Ergebnisse im Detail

  • Atid - Team Oskar Deutsch, 950 Stimmen, 7 Mandate, (10 Mandate 2007)
  • Sefardim-Bucharische Juden, 717 Stimmen, 6 Mandate, (5 Mandate 2007)
  • Bund Sozialdemokratischer Juden - Avoda, 155 Stimmen, 1 Mandat, (2 Mandate 2007)
  • Khal Israel, 134 Stimmen, 1 Mandat, (2 Mandate 2007)
  • Misrachi - Zionistische Einheit, 105 Stimmen, 0 Mandate, (1 Mandat 2007)
  • Verein Georgischer Juden, 312 Stimmen, 2 Mandate, (1 Mandat 2007)
  • Block der religiösen Juden, 221 Stimmen, 2 Mandate, (1 Mandat 2007)
  • Initiative Respekt!, 274 Stimmen, 2 Mandate
  • Chaj - Jüdisches Leben, 391 Stimmen, 3 Mandate
  • Verein Kaukasischer Juden, 116 Stimmen, 0 Mandate

Die Wahlbeteiligung lag bei  62,36 Prozent. (APA/red, derStandard.at, 12.11.2012)

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