Petraeus-Ermittlungen: Weißes Haus wurde erst nach Monaten informiert

Republikaner vermutet Vertuschungsaktion - Droh-E-Mails ließen Affäre auffliegen

Washington - Der Skandal um CIA-Chef David Petraeus, der wegen einer außerehelichen Beziehung zurückgetretenen ist, hat möglicherweise ein politisches Nachspiel. Geheimdienst-Experten des US-Kongresses fordern laut einem Bericht der "Washington Post" vom Sonntagabend Aufklärung darüber, warum das Weiße Haus erst am vergangenen Mittwoch - dem Tag nach der Präsidentenwahl - über die vom FBI aufgedeckte Affäre unterrichtet wurde.

Der Zeitung zufolge hatten Untersuchungen, bei denen die außereheliche Beziehung mit der Petraeus-Biografin Paula Broadwell aufgedeckt wurde, bereits vor mehreren Monaten begonnen. "Wir erhielten keine Vorwarnung. Es war, als wäre der Blitz eingeschlagen", sagte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die dem Geheimdienstausschuss des Senats vorsteht. Sie fordert, dass mehr Einzelheiten über die FBI-Ermittlungen zur Verfügung gestellt werden.

Republikaner vermutet Vertuschungsaktion

Der Vorsitzende des Ausschusses für Innere Sicherheit des Repräsentantenhauses, der Republikaner Peter King, sagte, die Umstände der Untersuchung röchen nach einer Vertuschungsaktion des Weißen Hauses.

"Es scheint, die Untersuchung hat bereits mehrere Monate angedauert. Nun heißt es, das FBI habe bis zum Wahltag nicht erkannt, dass Petraeus involviert war", sagte King.

Obama akzeptiert Rücktritt nach einem Tag

Der pensionierte Vier-Sterne-General Petraeus ist seit 37 Jahren verheiratet. Er hatte am Donnerstag sein Rücktrittsgesuch im Weißen Haus eingereicht, Präsident Barack Obama akzeptierte es einen Tag später. In einem Abschiedsschreiben an seine Mitarbeiter bei der CIA gab Petraeus die außereheliche Affäre zu, die laut Medienberichten seit einigen Monaten vorbei ist. Er sprach von einem "extrem schlechten Urteilsvermögen".

Laut "Washington Post" gab es hinter den Kulissen ein Drama, während Obama in der Wahlnacht von Dienstag auf Mittwoch die Ergebnisse der Präsidentenwahl verfolgte. Kurz vor Schließung der Wahllokale habe das Justizministerium den nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper über Petraeus' Affäre informiert. Die Zeitung berief sich dabei auf einen hochrangigen Geheimdienstvertreter.

Clapper habe dann mit Petraeus gesprochen und ihm den Rücktritt nahegelegt. Vertreter der Geheimdienstausschüsse des Kongresses hätten im Vorhinein nichts erfahren und seien nun empört.

Broadwell soll Droh-E-Mails geschrieben haben

Aufgeflogen war die Affäre nach Angaben der Zeitung, nachdem eine "Petraeus nahestehende" Frau aus Florida E-Mails mit Drohungen von Broadwell erhalten hatte. Demnach hatte die als Jill Kelley identifizierte Frau, deren Beziehung zu Petraeus zunächst unklar blieb, so große Angst, dass sie sich an das FBI wandte und um Schutz bat. Im Zuge der Nachforschungen sei das FBI dann auf E-Mails zwischen Broadwell und Petraeus gestoßen, die auf eine Beziehung zwischen beiden hingewiesen hätten.

Bereits zuvor hatte die "New York Times" berichtet, dass die Affäre zwischen der Biografin Broadwell und Petraeus möglicherweise wegen eines Eifersuchtsdramas aufflog. Demnach sah Broadwell in Kelley eine Rivalin. (APA, 12.11.2012)

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