Die Ballkönigin und der General

Kopf des Tages | Gianluca Wallisch
11. November 2012, 19:43

Paula Broadwell hatte eine Affäre mit CIA-Direktor David Petraeus

Boston im Jahr 2006: David Petraeus, ein hochdekorierter Militär, tritt an der Kennedy School of Government auf, um über die US-Mission im Irak zu berichten. Im Publikum sitzt die 33-jährige Paula Broadwell aus North Dakota. Sie hat erst kürzlich in Denver internationale Politik absolviert und studiert nun in Harvard weiter. Nach Petraeus' Vortrag stellt sie sich bei ihm vor. Der General zeigt sich sehr angetan - hatte sie doch so wie er die Militärakademie in West Point absolviert und ein Jahrzehnt in der Armee gedient.

Zwei Jahre später kramte Broadwell die Visitenkarte hervor, die sie an jenem Abend bekommen hatte, und schrieb dem General, sie wolle für ihre Doktorarbeit eine Fallstudie über militärische Führung durchführen. Testobjekt: David Petraeus. Die Antwort war unkonventionell: Sie solle ihn doch bei einem Lauf entlang des Potomac River in Washington begleiten. Sie bestand den Test - sie konnte als Triathletin locker mit seinem Lauftempo von vier Minuten pro Kilometer mithalten.

Aus der Dissertation sollte dann auch ein Buch werden, und die Mutter zweier Buben begann, den General häufig und wochenlang nach Afghanistan zu begleiten. Spätestens jetzt regte sich in Petraeus' Umfeld Skepsis und Argwohn. Broadwell galt zwar als enthusiastisch, aber doch als unerfahren und wenig kompetent. Über eine Affäre mit dem 20 Jahre älteren "family man" spekulierte damals aber noch niemand. Nicht einmal Facebook-Einträge aus Afghanistan, die die US-Soldaten in Gefahr hätten bringen können, schadeten der Ballkönigin und Rednerin ihrer Highschool-Abschlussklasse. Schließlich wurde dann aber doch der Geheimdienstexperte und Journalist Vernon Loeb als Koverfasser verpflichtet.

Als das Buch im Jänner publiziert wurde, war Petraeus schon CIA-Chef - und Broadwell zeigte Marketing-Talent: So forderte sie TV-Talkmaster Jon Stewart bei einer Sendung heraus - sie schaffte natürlich nicht nur mehr Liegestütze als Stewart, sondern schlug zusätzlich auch noch ihren Ehemann, den Radiologen Scott Broadwell. Diesem hatte sie in ihrer Buchwidmung noch gesondert gedankt - war er doch monatelang "Mr. Mom" gewesen.

Paula Broadwell sah das Auffliegen ihrer Affäre mit Petraeus nicht kommen: Bis zuletzt bereitete sie eine mondäne Feier anlässlich ihres 40. Geburtstages vor. Dazu kam es nicht mehr. Ihr Mann schrieb den Gästen eine knappe E-Mail: "Die Party am Samstag ist abgesagt." (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 12.11.2012)

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19 Postings
"Embedded Lover"

Wie beim unlängst abgesetzten russischen Verteidigungsminister: Cherchez la femme!

Respekt...

...der CIA-Chef kann nichtmal seine Intimsphäre geheim halten... kein Wunder, dass diese Nation am 11.9. überrascht wurde...

Die amerikanische Kultur ist einfach nur verlogen und bigott - wen interessiert es, wo Petraeus in seiner Freizeit drübersteigt...und der Vergleich mit der Ehefrau spricht Bände.
Mächtige Männer haben meist Liebhaberinnen, und in vielen Fällen brauchen sie sich nicht mal darum zu bemühen, weil die Frauen von selbst kommen.

der Trick von Paula

Die Paula Broadwell hat die Förderung ihres eigenen Bekannheitsgrades (und damit die Verkaufsquote ihres Buch) gut eingefädelt. Und David Petraeus ist damit promt hineingefallen. Alles nur Spiele um "berühmt" und reicher zu werden.

Bloedsinn, es geht doch uns allen so, wenn man will das die eigene biographin nur gutes ueber einen schreibt, muss man beim gemeinsamen laufen die 10km ueber 40min machen, sie bei den liegestuetzen gelegentlich gewinnen lassen, und fuer ihren ausgeglichen hormon haushalt sorgen ;-)

In diesem Zusammenhang erscheinen Petraeus' gerade erst veröffentlichten "12 Regeln für eine Führungsperson" in einem etwas anderen Licht:
http://www.thedailybeast.com/newsweek/... iving.html

Wenn man die Bilder von der Ehefrau sieht

kann man den Mann durchaus verstehen.
In vielen Kulturen gehoeren mehrere Frauen zum Status eines maechtigen Mannes. Aber nicht im Puritanischen Weltbild.

wenn ein mann den rücken seiner frau so tätschelt, wie patraeus das getan hat (als ob er einen hund tätschelte), dann ist immer feuer am dach :)

Eine Frau >60 sieht also nicht mehr so frisch aus wie eine Frau <40. ... grandiose Erkenntnis

Schreiben Sie diesen Beitrag doch bitte nocheinmal unter "diestandard.at".

Vor Holly

schreckt sogar Dirty Sanchez zurück.

Job & Karriere weg

Des ollas wegn a bissal Reibung ...

um karriere zu machen war sie ihm aber offenbar fesch genug :)

"Two months after graduation Petraeus married Holly Knowlton, a daughter of Army General William A. Knowlton, who was superintendent of West Point at the time."

http://select.nytimes.com/gst/abstr... 5F408785F9

Der Rücktritt von Petraeus ist OK.

Ein Geheimdienstchef der es nicht mal schafft eine Affäre geheim zu halten ist halt nix für diesen Job.

Hihi, immer diese Hormone...

wie naiv dürfen absolventen der militärakademie sein

was jeder kronenzeitungleser in österreich weiss

dass ein "gspusi" auf dieser ebne geheim bleiben kann ?

die erpressbarkeit in einem land wie amerika ist einfach nicht tolerierbar - ganz abgesehen von jeglicher moralvorstellung hat es für die beiden vom ersten tag an nur den weg nach hollywood oder las vegas abseits von militär und politik als karrieremöglichkeit gegeben.
der weg ist immer noch offen...

Das Pantscherl hat es schon länger gegeben und wäre er nicht CIA-Chef geworden, hätte es niemand interessiert.

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