AMS-Chef verteidigt Bildungskarenz

11. November 2012, 17:33
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Das AMS sei daran interessiert, dass die Maßnahme " stärker für Geringqualifizierte" genutzt werde, sagte Johannes Kopf

Wien - Die immer lauter werdende Kritik an der Bildungskarenz, gemäß derer viele diese Karenzzeit nicht zur Weiterbildung, sondern schlicht als Auszeit nutzen, lässt der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, nicht gelten. Er hat die Maßnahme am Wochenende verteidigt. Sie werde "verantwortungsvoll" genutzt und für Weiterbildungsmaßnahmen eingesetzt, habe das Institut für Höhere Studien ermittelt. Wobei Kopf schon einräumte, dass die Karenz in "Einzelfällen vielleicht als Sabbatical für eine individuelle Pause, etwa eine Weltreise, verwendet" werde. Das AMS sei interessiert, dass die Maßnahme " stärker für Geringqualifizierte" genutzt werde. Dazu könne auch die von der Regierung beschlossene Bildungsteilzeit beitragen.

Wie berichtet, gehen immer mehr Österreicher in Bildungskarenz; derzeit sind es rund 8300. Die Maßnahme kostet das AMS jährlich mehr als 70 Millionen Euro.

Arbeitslosenquote steigt

Was die Lage auf dem Arbeitsmarkt betrifft, wird das AMS pessimistischer. Die Arbeitslosenquote werde 2103 von sieben auf 7,3 Prozent steigen; das Wifo rechnet in seiner aktuellen Konjunkturprognose mit 7,4 Prozent.

Am stärksten wird der Anstieg Leute mit Pflichtschulabschluss oder mit gar keinem Schulabschluss treffen. Bei Ersteren ist die Arbeitslosenquote zwischen 1990 und 2011 von 9,5 auf fast 18 Prozent explodiert. Zum Vergleich: Bei Personen mit Lehrabschluss ist sie in dem Zeitraum "lediglich" von 4,5 auf 5,7 Prozent gestiegen, bei jenen mit Matura von drei auf 3,7 und jenen mit Hochschulabschluss von 2,1 auf 2,4 Prozent.

Das Arbeitskräfteangebot wird kommendes Jahr laut AMS um 0,8 Prozent auf 3,76 Mio. steigen - "Ostöffnung", Verschärfung des Pensionsrechts und Saisonarbeiter aus Ostdeutschland trügen dazu bei. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten werde 2013 aber nur noch um 19.700 (oder 0,6 Prozent) steigen, und zwar auf 3,43 Millionen. (APA, DER STANDARD, 12.11.2012)

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