EADS-Manager in Eurofighter-Turbulenzen

11. November 2012, 17:06
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Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt 13 Personen und untersucht Geldflüsse über Briefkästen

Wien/Paris/München - Unter den Personen, gegen die Ermittlungen wegen möglicher Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Kauf laufen, soll auch ein früherer Top-Manager des deutsch-französischen Rüstungskonzerns EADS sein. Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft München laut Süddeutscher Zeitung 13 Personen im Visier.

Briefkastenfirmen in Steueroasen

Neben Schmiergeldzahlungen im Volumen von 180 Millionen Euro - die deutschen Fahnder gehen von "mindestens 70 Millionen" Euro aus - an Beamte und Politiker fokussieren die Untersuchungen auf die im Zuge des Kaufs von 15 Abfangjägern vereinbarten Gegengeschäfte. Sie sollten binnen 15 Jahren ein Volumen von vier Milliarden Euro erreichen. Wie viel davon in Form von Aufträgen für österreichische Firmen mit dem Eurofighter-Hersteller Realität wurde, hält das Wirtschaftsministerium - unter Berufung auf den Datenschutz - unter Verschluss.

Die Verantwortung für einen Großteil der Gegengeschäfte übertrug EADS an einen Finanzjongleur, der inzwischen wegen Anlagebetrugs im Gefängnis sitzt. Der Mann, Gianfranco Lande, wurde von EADS zunächst beauftragt, Offsetprogramme im Volumen von 2,7 Milliarden Euro abzuwickeln. In der Folge seien nach Ansicht der österreichischen Justiz 113,5 Millionen Euro an ein Netz aus Briefkastenfirmen in Steueroasen geflossen. Dahinter vermuten die Justizbehörden Schmiergeldzahlungen an österreichische Entscheidungsträger. Als Verteiler diente eine Gesellschaft namens Vector Aerospace LLP, die Lande 2004 in London gegründet und als Direktor nach englischem Recht geleitet hatte, schreibt Profil. Hälfteeigentümer waren zwei österreichische Waffenhändler. An sie überwies laut Süddeutscher die EADS München 70 Millionen Euro. Operativ tätig war Vector nicht, man bediente sich sogenannter Broker, die Honorare erhielten. Einer davon soll die 2010 aufgelöste Euro Business Development GmbH (EBD) in Wien gewesen sein. An sie sollen neun Millionen Euro geflossen sein. Weitere vier Millionen flossen an die Kärntner Lakeside Stiftung - für Hightech-Projekte, wie deren Stiftungsvorstand Hans Schönegger betont. Man habe Geldgeber für den Aufbau des Lakeside Parks in Klagenfurt gesucht, und dann habe es von EADS das Okay gegeben, vier Mio. Euro einzubringen.

Listen der Verdächtigen nicht deckungsgleich

Die Listen der Verdächtigen in Österreich und Deutschland sind übrigens nicht deckungsgleich.

EADS-Konzernchef Thomas Enders griff angesichts der Geldflüsse zu deutlichen Worten. In einem Schreiben an die Führungskräfte warnte er vor illegalen Mitteln im Kampf um Aufträge. "Es gibt keinen Platz für betrügerisches oder unethisches Verhalten bei EADS." Sollten die Untersuchungen kriminelles Verhalten oder andere Mängel ergeben, werde sich der Konzern umfassend damit beschäftigen. Bei Verstößen gebe es "null Toleranz". (red, DER STANDARD, 12.11.2012)

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    Insgesamt könnten im Zuge des Eurofighter-Deals 100 Millionen Euro Schmiergeld geflossen Juristisch kam bisher aber nichts heraus.

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