CSU-nahe Stiftung finanzierte Volksmusikpreis aus geerbtem Nazivermögen

Hanns-Seidl-Stiftung setzt Preisverleihungen aus und will Herkunft des Geldes prüfen

München - Eine CSU-nahe bayrische Stiftung finanziert ihren jährlich vergebenen Volksmusikpreis seit Jahrzehnten aus einem geerbten Nazivermögen. Das Geld stammt von einem Ehepaar, dessen Nachlass inklusive Anwesen am Starnberger See die Stiftung in den 1980er-Jahren übernahm. Die betroffene Hanns-Seidel-Stiftung will ihre Praxis nun mit Hilfe eines unabhängigen Gutachtens überprüfen, wie ein Sprecher am Sonntag ankündigte. Bisher unbekannte historische Quellen erlaubten eine neue Bewertung der Vergangenheit der Familie. Bis zur Vorlage des Gutachtens werde es keine weiteren Preisverleihungen geben.

Die Geldgeber Max und Maria Wutz gehörten nach Berichten von "Münchner Merkur" und "Spiegel" schon in den 1920er-Jahren zu den ersten Unterstützern Adolf Hitlers. Max Wutz sei zeitweise Hitlers Begleiter gewesen und habe Geld für das NS-Propagandaorgan "Völkischer Beobachter" gegeben, berichtete der "Spiegel". Seine Frau Maria habe "die anmaßende Frechheit der Juden" als Grund für ihren Parteieintritt genannt. Besucher hätten nach dem Tod des Ehepaars einen NSDAP-Blutorden, das Ehrenzeichen für Teilnehmer des Hitler-Putsches 1923, im Haus der beiden gefunden.

Keine Aufarbeitung

Die Hanns-Seidel-Stiftung tilgte 2010 zwar den Namen des Ehepaares aus ihren Mitteilungen zum "Tag der Volksmusik", veranlasste aber keine öffentliche Aufarbeitung, wie beide Medien übereinstimmend berichteten. Zuvor habe die Stiftung einen Hinweis auf die Vergangenheit des Paars bekommen. Auch intern sei die Information nicht weitergegeben worden. Die Mitglieder des erweiterten Vorstands der Stiftung, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber, teilten dem "Spiegel" mit, von der Stiftung nicht über den Vorgang informiert worden zu sein.

Die jährliche Musikveranstaltung "Tag der Volksmusik" mit Preisverleihung sei nach den Vorgaben des Ehepaars und mit ihrem Geld ausgerichtet worden. Mit der Auszeichnung werden traditionelle Volksmusiker aus Bayern geehrt. Die jährlich sechs Preise sind mit einigen hundert Euro dotiert. Das Stiftungsvermögen beläuft sich auf 1,4 Millionen Euro. (APA, 11.11.2012)

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