FBI ermittelt gegen Petraeus' Biografin

11. November 2012, 16:30
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Affäre um zurückgetretenen CIA-Chef Petraeus wirft Fragen auf - Berichte über mutmaßliche Droh-Mails von Geliebter

Washington - Nach dem Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus stellen sich drängende Fragen nach den Zuständen an der Spitze des mächtigen US-Auslandsgeheimdienstes. US-Medienberichten vom Samstag zufolge kam die Affäre durch die Analyse eines Computers von Petraeus ans Licht, nachdem seine mutmaßliche Geliebte belästigende E-Mails an eine zweite Frau verschickt haben soll. Für Präsident Barack Obama ist Petraeus' Rücktritt ein schwerer Verlust.

Nicht namentlich genannte Behördenvertreter sagten der "New York Times", bei der Geliebten handle es sich um Petraeus' Biografin Paula Broadwell. Laut "New York Times" und "Washington Post" soll Broadwell eine bisher unbekannte zweite Frau in E-Mails "belästigt" haben, weil sie diese als Bedrohung für ihre Beziehung zu Petraeus empfunden habe. Die Empfängerin sei derart eingeschüchtert gewesen, dass sie bei der Bundespolizei FBI um Schutz sowie um Identifizierung der Absenderin gebeten habe. Laut "Washington Post" arbeitete die Frau nicht bei der CIA, zudem sei ihre Beziehung zu Petraeus unklar.

Ermittlungen

Unklar war zunächst auch, ob Petraeus' Rücktritt ausschließlich aus persönlichen Gründen erfolgte oder ob Sicherheitsbedenken eine Rolle spielten. US-Medien zufolge ermittelt das FBI gegen Broadwell wegen unerlaubten Zugangs zu sicherheitsrelevanten Informationen. Die Autorin soll demnach versucht haben, E-Mails von Petraeus während dessen Zeit als Oberkommandierender der NATO-Truppen in Afghanistan zu lesen. Sie hatte in der Biographie "All In" viele Details über Petraeus veröffentlicht.

Der 60-jährige Petraeus hatte in einer Erklärung an die CIA-Mitarbeiter am Freitag mitgeteilt, sein Verhalten sei "inakzeptabel, sowohl als Ehemann als auch als Führer einer Organisation wie der unseren". Er habe daher Obama um seine Entlassung gebeten, erklärte der verheiratete Vater zweier Kinder. Die 40-jährige Broadwell äußerte sich bisher nicht öffentlich zu den Enthüllungen. Die frühere US-Eliteoffizierin ist ebenfalls verheiratet und hat zwei kleine Kinder.

Obama nahm Petraeus' Rücktritt am Freitag an, nachdem er sich am Donnerstag laut "New York Times" zunächst geweigert haben soll, die Entlassung zu akzeptieren. Der Präsident zeigte sich demnach "überrascht und enttäuscht" über den Rücktritt des Vier-Sterne-Generals, den er als einen der "herausragenden Generäle" seiner Generation würdigte, der das Land "sicherer und stärker" gemacht habe.

Für Obama ist der Rücktritt Petraeus' auch deshalb ein schwerer Schlag, weil er zu Beginn seiner zweiten Amtszeit mehrere weitere Rückzüge politischer Schwergewichte in seiner Regierung zu bewältigen hat. Dazu zählen Außenministerin Hillary Clinton, Verteidigungsminister Leon Panetta und Finanzminister Tim Geithner.

Fraglich ist auch noch, wer die Nachfolge von Petraeus antreten soll. Übergangsweise wird die CIA zunächst von seinem Stellvertreter Michael Morell geführt. Als möglicher Nachfolger wird Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan gehandelt. Laut "Wall Street Journal" kommen zudem Staatssekretär Michael Vickers und der Kongressabgeordnete Michael Rogers infrage. Der Professor der Georgetown Universität, Stephen Wayne, nannte zudem den republikanischen Senator Chuck Hagel als möglichen Nachfolger.

Petraeus war im September 2011 als CIA-Chef auf Panetta gefolgt, der an die Spitze des Verteidigungsministeriums wechselte. Zuvor hatte der General als Oberbefehlshaber der internationalen und US-Truppen in Afghanistan gedient und davor den US-Einsatz im Irak geführt. (APA, 11.11.2012)

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    Das FBI ermittelt gegen Paula Broadwell.

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