Netanyahu: "Wir sind bereit zur Eskalation"

11. November 2012, 16:13
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Mindestens sechs Palästinenser getötet und acht Israelis verletzt

Gaza/Tel Aviv - Bei einer neuen Welle der Gewalt im Gazastreifen sind am Wochenende mindestens sechs Palästinenser getötet und acht Israelis verletzt worden. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu drohte am Sonntag, sein Land sei "bereit zur Eskalation". Die israelische Luftwaffe flog nach eigenen Angaben sieben Angriffe auf Ziele im Gazastreifen, nachdem rund 60 Raketen von dort gegen Israel abgeschossen worden seien.

Bei einem der Luftangriffe der israelischen Armee im nördlichen Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben am Samstagabend ein Palästinenser getötet und zwei weitere verletzt. Der getötete 20-Jährige war ein Kämpfer der Al-Quds-Brigaden der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Jihad, wie diese mitteilte.

Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht auf Sonntag sechs weitere Ziele im Norden und Osten von Gaza-Stadt sowie im südlichen Gazastreifen an. Dabei seien unter anderem eine Waffenwerkstatt, Waffenlager und Abschussrampen für Raketen ins Visier genommen worden, erklärte die Armee.

Tote und Schwerverletzte

Unter den weiteren Todesopfern der Angriffe waren laut palästinensischen Angaben ein weiterer Al-Quds-Kämpfer, zudem wurden vier Zivilisten im Alter zwischen 15 und 20 Jahren getötet. Mindestens 32 Menschen wurden nach Angaben palästinensischer Ärzte verletzt, zehn von ihnen mussten Gliedmaßen amputiert werden.

Sonntag früh feuerten palästinensische Extremisten erneut vier Raketen ab, dabei wurden nach israelischen Angaben vier Menschen in der Stadt Sderot leicht verletzt. Zu den Angriffen bekannten sich die Al-Quds-Brigaden in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung.

Netanyahu sagte bei der wöchentlichen Kabinettssitzung, die Welt müsse verstehen, dass Israel nicht tatenlos zusehen werde, wenn es angegriffen werde. "Wir sind bereit zur Eskalation." Heimatschutzminister Avi Dichter sagte im Rundfunk, Israel könne nicht akzeptieren, dass zwischen seinem Territorium und Ägypten eine "terroristische Einheit" existiere, in der Waffen angehäuft würden und deren "einziges Ziel der Terrorismus ist".

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, die Armee habe bereits "hart zurückgeschlagen", und in den kommenden Tagen seien "zusätzliche Antworten" zu erwarten.

Jeep von Rakete getroffen

Die Gewalt war eskaliert, nachdem am Samstag Augenzeugen zufolge palästinensische Kämpfer vom Gazastreifen aus eine Rakete auf ein nahe der Grenze fahrendes israelisches Militärfahrzeug abgefeuert hatten. Nach Angaben des israelischen Armeeradios explodierte der Jeep, dabei wurden vier Soldaten verletzt. Die Armee reagierte mit Artilleriebeschuss. Zu dem Angriff bekannte sich der bewaffnete Arm der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP).

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Israel und bewaffneten Palästinensergruppen im Gazastreifen haben in jüngster Zeit wieder deutlich zugenommen. Israel droht regelmäßig mit einem Militäroffensive gegen das Palästinensergebiet nach dem Vorbild der "Operation gegossenes Blei" vom Dezember 2008 und Jänner 2009. Dabei waren auf palästinensischer Seite mehr als 1.400 Menschen getötet worden. Auf israelischer Seite gab es damals 13 Tote. (APA, 11.11.2012)

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