Auch Manchester City dreht Spiele

11. November 2012, 19:10
40 Postings

Joker sticht spät: Dzeko erlöst den Meister - Newcastle unterliegt West Ham - Liverpool erringt Punkt an Stamford Bridge - Terry verletzt

In der 11. Runde der englischen Premier League hielt Titelverteidiger Manchester City am Sonntag im Spitzenspiel gegen Tottenham den Anschluss an die Spitze. Die Citizens mussten dafür beim 2:1-Sieg gegen die Londoner allerdings wie United am Vortag gegen Aston Villa einen Rückstand aufholen.

City hatte zwar stets mehr vom Ball,  Tottenham wirkte in der ersten Hälfte aber vor dem Tor drängender. In der 21. Minute gingen die Spurs nach einem Freistoß durch einen Kopfball aus kurzer Distanz von Steven Caulker auch in Führung. Englands Nationalkeeper Joe Hart wurde zwar vom Innenverteidiger direkt angeköpfelt, bekam aber Hände nicht schnell genug hoch und sah dadurch etwas patschert aus. Kein Premier League-Team bekommt einen höheren Anteil seiner Gegentore aus Standardsituationen als City.

Fünf Minuten später brachte ein schöner Spielzug mit einem Schuss von Tom Huddlestone zum Abschluss die Spurs an den Rand einer höheren Führung.  Dazwischen wurde den Citizens allerdings ein argumentierbarer Handelfmeter vorenthalten, als Sergio Agüero an den Armen von William Gallas hängenblieb. Der Argentinier verstellte in der Aktion aber zu seinem Unglück gleichzeitig Schiedsrichter Michael Oliver die Sicht. Auch als Pablo Zabaleta im Strafraum in Huddlestone knallte (32.) blieb ein möglicher Pfiff aus. 

City wacht auf

Etwas später war ein Direktschuss von AleksandarKolarov die erste echte Gefahr für das Tor von Brad Friedel, den Trainer Andre Villas-Boas wieder dem französischen Nationalkeeper Hugo Lloris vorgezogen hatte. Die Partie war nicht hochklassig aber intensiv, wurde immer wieder durch verbale Scharmützel zwischen Spielern unterbrochen. Vor allem die Mannen des amtierenden Meisters beschwerten sich auch regelmäßig beim Referee. Die Gastgeber übernahmen trotzdem zunehmend das Kommando und hätten noch vor der Pause ausgleichen müssen, doch Carlos Tevez (43.) und Zabaleta (47.) vergaben ihre Chancen zu hastig.

Die Mannschaft von Roberto Mancini warf vom Beginn der zweiten Hälfte weg noch mehr Kräfte nach vorne, während Tottenham viel Entlastungsarbeit auf die Schultern von Ex-Citizen Emanuel Adebayor verlagerte und auf Konterchancen über die schnellen Flügel hoffte. Die lange Zeit einzige Chance vergab Agüero aber erst in der 54. Minute. Nach einem Ball über die Abwehr stand der Stürmer allein auf weiter Flur, verpfuschte aber die Ballannahme völlig. In der 65. Minute rückten die Spurs allerdings einmal auf und Agüero machte im Konter seinen Patzer mit dem verdienten Ausgleichstreffer wieder gut.

Viel Action zum Schluss

Einer packenden Schlussphase war der Weg geebnet. Tevez verpasste aus spitzem Winkel das 2:1 für City (72.). Praktisch im nächsten Spielzug verwehrte Hart Gareth Bale die erneute Führung für die Spurs. In einer Drangperiode der Blues köpfelte der für Tevez eingewechselte Edin Dzeko nach einer Ecke knapp neben das Kreuzeck (79.). David Silva schoss aus der Drehung in zehn Metern Distanz zum Tor knapp daneben (82.) und Agüero scheiterte alleinstehend vor Friedel (83.). Tottenham kam im Gegenzug zu einem seltenen Gegenstoß, Gael Clichy rettete vor dem herbei eilenden Jermain Defoe (der dafür für Adebayor gekommen war).

Der entscheidende Moment für City sollte allerdings noch kommen. Silva schaltete die Tottenham-Abwehr mit einem wunderbaren Heber aus und der im perfekten Moment gestartete Dzeko nagelte die Haut mit links direkt unter die Querlatte (88.). Manchester City brachte diesen Vorsprung über die Zeit und ist zu Hause damit seit 35 Ligaspielen ungeschlagen. Der Titelverteidiger hält den Rückstand auf den Stadtrivalen United (27) an der Tabellenspitze bei zwei Punkten (25). Tottenhams Abstand nach ganz oben wächst an der siebenter Stelle liegend auf zehn Punkte (17).

West Ham landet Auswärtssieg

West Ham überholte die Spurs im Duell mit Newcastle. Den Hammers genügte ein Tor von Kevin Nolan kurz vor der Pause (39.) zum 1:0-Auswärtssieg. Der Aufsteiger aus London liegt nur zwei Punkte hinter einem fixen Europapokal-Startplatz.

Chelsea und Liverpool kämpften zum Abschluss der Runde an der Stamford Bridge um den Anschluss an die Spitze bzw. die Europapokal-Plätze. Nach einem 1:1 ist bei beiden kein größerer Schaden entstanden. Den Blues fehlen nun als Drittem drei Punkte auf die Tabellenführung, die Reds bleiben 13., acht Punkte hinter dem von Stadtrivale Everton gehaltenen Champions-League-Startplatz.

Terry trifft und verletzt sich bei Comeback

In einer stellenweise zerfahrenen ersten Hälfte zeigten sich die Blues als besseres Teams und hatten mehr Chancen. Brendan Rodgers hatte die Gäste nicht zum ersten Mal mit einem System mit drei Innenverteidigern an den Start geschickt. Seine Mannschaft konnte auf diese Weise aber nicht an die besten Saisonleistungen anschließen. Chelsea nutzte einen durch Schiedsrichter Howard Webb unglücklich zum Eckball beförderten Ball, um in Führung zu gehen. John Terry entkam im ersten Spiel nach seiner Sperre Daniel Agger und köpfelte zur  Führung ein (20.).

Der nunmehrige Ex-Nationalspieler musste allerdings noch vor der Pause mit einer anscheinend schweren Verletzung vom Spielfeld getragen werden. Ramires hatte Luis Suarez unabsichtlich in seinen Teamkameraden gestoßen und eine unglückliche Kollision der beiden verursacht. Terrys Knie soll am Montag in einer MRT untersucht werden, er verließ das Stadion später mit geschientem Bein auf Krücken. In der zweiten Hälfte blieb Liverpool-Fans ein ähnlicher Anblick bei ihrem Kapitän Steven Gerrard erspart, der nach einem Duell ebenfalls am verdrehtem Knie behandelt werden musste.

Reds steigern sich

Schrittweise kam Liverpool nach der Pause auch dank einer Systemumstellung auf eine Vierer-Abwehr besser ins Spiel, meist allerdings ohne gefährlich vor das Tor von Chelsea zu kommen. Es brauchte folgerichtig eine Standardsituation, um den Ausgleich herzustellen. Jamie Carragher verlängerte einen Eckball und Suarez lauerte an der langen Ecke, um den Ball ins Netz zu befördern (73.).

In der Schlussphase suchten beide Teams die Entscheidung. Das Team von Roberto Di Matteo arbeitete vor allem einige Corner heraus, die allerdings nicht zum gewünschten Ergebnis führten. Die wichtigste Abwehrleistungen gelangen Petr Cech. In der 88. Minute, als Suarez allein auf den Londoner Keeper zumarschierte, und in der vierten Minute der Nachspielzeit, als Jose Enrique mit dem letzten Schuss der Partie an ihm scheiterte. Dazwischen verfehlte Eden Hazard knapp das Ziel mit einem Distanzschuss. (Tom Schaffer, derStandard.at, 11.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    City feiert einen verdienten aber späten Sieg gegen Tottenham.

Share if you care.