Schwedischer Speed im flachen Finnland

Andre Myhrer gewinnt in Levi den ersten Slalom der Saison. Marcel Hirscher versöhnt sich mit der Piste in Finnland, er wird hinter dem Schweden Zweiter. Routinier Reinfried Herbst hat Glück und wird mit Können Sechster.

Levi - Als bisher bestes Ergebnis hatte Marcel Hirscher in Levi 2009 den 26. Platz erreicht. Also war der 23-jährige Salzburger ziemlich glücklich mit dem zweiten Platz am Sonntag, den er bei ungewöhnlich hohen Temperaturen, Nebel und Nieselregen 170 Kilometer nördlich des Polarkreises einfuhr. "Lässig, dass meine eigenen Ski im Flachen auch noch funktionieren", sagte Hirscher nach der Rennpremiere auf seinen selbstdesignten Latten. "Von dem Hang habe ich in der Vergangenheit ja eine g'scheite Watschn bekommen." Im Vorjahr konnte der Slalom in Levi wegen Plustemperaturen und Schneemangels nicht stattfinden.

Den Sieg im Slalom schnappte sich um gerade einmal 0,06 Sekunden der Schwede Andre Myhrer. Damit setzte der 29-jährige Disziplinen-Weltcupsieger seine Siegesserie aus der Vorsaison fort. Im März hatte er die Rennen in Kranjska Gora und die WM-Generalprobe in Schladming für sich entschieden. Für den WM-Bronzemedaillengewinner von Olympia 2010 in Vancouver war es der insgesamt fünfte Weltcup-Erfolg, die Rückenprobleme hat er mit gutem Sommertraining überwunden. Die starke Form des schwedischen Teams bestätigte Jens Byggmark (0,61) als Dritter.

Hirscher hatte im Vorjahr trotz fünf Erfolgen die kleine Kristallkugel im Slalom verpasst. Myhrer dürfte neben Ivica Kostelic, der in Levi Achter wurde, auch diesmal wieder ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Führung im Gesamtweltcup

Im Gesamtweltcup hat sich Titelverteidiger Hirscher nach Rang drei im Riesentorlauf von Sölden und dem Rennen in Lappland schon positioniert: Er übernahm mit 140 Punkten die Führung vor dem Italiener Manfred Mölgg (130). "Ich habe Bier getrunken und gefeiert", antwortete Hirscher gewohnt schlagfertig auf die Frage, wie er sich im Sommer auf den Slalomauftakt vorbereitet habe.

Wie einen Podestplatz feierte Reinfried Herbst seinen sechsten Rang. Der 34-jährige Salzburger hätte als 31. um eine Hundertstelsekunde die Entscheidung verpasst. Der Tiroler Mario Matt, Achter nach dem ersten Durchgang, wurde aber wegen einer zu hohen Bindungsplatte disqualifiziert, Herbst profitierte vom Missgeschick seines Teamkollegen. "Ich war mit dem Kopf schon bei der Heimreise", sagte er.

Im Finale drehte Herbst mit Laufbestzeit auf, verbesserte sich um 24 Plätze. Für Matt sei es "brutal bitter", sagte der Sieger von 2009. " Aber es war Glück für mich. Der zweite Lauf war der beste Lauf, den ich bisher hatte. Und ich habe ja erst 14 Trainingstage in den Beinen." Im Sommer ließ sich Herbst, der zuletzt im Februar 2011 als Zweiter in Bansko besser platziert war, an Schulter und Knie operieren. Herbst: " Ich kann die Schmerzen während des Rennens gut ausblenden."

Der Weltcup wird in Nordamerika fortgesetzt, im kanadischen Lake Louise folgen in zwei Wochen Abfahrt und Super-G. (krud, DER STANDARD 11.11.2012)

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