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Der Seminarraum im zweiten Stock des Naftali-Gebäudes am Campus der Universität Tel Aviv ist voll. Einige Dutzend Soziologiestudenten sind gekommen, um mehr über wissenschaftliche Kritik zu lernen. Genauer gesagt, mehr über kritische Theorie - die gute alte Tradition von Kritik der bürgerlichen und kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Ideologie.
Dass gerade der israelische Soziologieprofessor Yehuda Shenhav diesen Kurs hält, ist bestimmt kein Zufall: Der renommierte Soziologe ist bekannt für seine kritische Haltung gegenüber Politik und Nationalismus. "In diesem Kurs geht es eigentlich nicht um Israel", sagt er. Viel eher soll es um die Theorien von Georg Wilhelm Friedrich Hegel aus dem 19. Jahrhundert und die von Karl Marx und anderen Vertretern der kritischen Theorie gehen. Dass diese im heutigen Israel jedoch nicht aktueller sein könnten, führt er dann auch gleich vor.
"Werft einen Blick auf diesen Bericht", sagt er und zeigt auf eine Stelle im Text auf der Leinwand. Dabei handelt es sich um einen Bericht, der zur Evaluierung vom Israelischen Rat für Höhere Bildung (CHE) beauftragt wurde. Zu viel Fokus auf "Kritische Theorie" sei gefährlich, nicht der Disziplin entsprechend und schade außerdem dem Ansehen der israelischen Soziologie, heißt es darin. Das ist einer von mehreren Berichten, die laufend die Qualität der israelischen Universitätsbildung kontrollieren sollen. Und manche davon werden schnell zur politisch motivierten Bestandsaufnahme einer "zu kritischen" Sozial- und Politikwissenschaft.
"Der Moment, in dem Kritik mit Nationalismus verschmilzt, kann als Überschrift unseres Kurses gelten", sagt Shenhav und meint damit die Einschmelzung von wissenschaftlicher Kritik in die Ideologie des etablierten Regimes. So wie Hegel, dessen kritische Haltung gegen eine selbstverliebte Politik und Wissenschaft im 19. Jahrhundert als reaktionär und unwissenschaftlich abgetan wurde, gehe es heute vielen israelischen Wissenschaftlern, die unter Druck gesetzt werden, ideologietreuen Unterricht zu geben.
Gegen ein besonders kritisches Institut hat der Staat drastischere Mittel als einen Bericht angekündigt. Nach einer internationalen Evaluation des Instituts für Politikwissenschaft der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva hat der Bildungsrat sogar mit der Schließung gedroht. Dabei hat der Rat den Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission wohl bewusst etwas zu ernst genommen. Laut einem Forscher der Universität Tel Aviv stehen einige der Entscheidungsträger hinter dem Beschluss politisch sehr weit rechts, und teilweise sogar der ultranationalistischen Bewegung "Im Tirtzu" nahe, die wiederholt gegen das Institut mobil gemacht hat.
Unzufrieden mit der Umsetzung der ursprünglichen Vorschläge, wie etwa der Anstellung einiger neuer Wissenschaftler, schrieb das zuständige israelische Komitee des CHE dann diesen September: "die Anstellung von neuen Mitgliedern der Fakultät, von denen die meisten einen Ansatz der interpretativen Forschung oder kritischen Theorie vertreten, in einem Institut, wo dieser Ansatz ohnehin schon stark vertreten ist, folgt nicht dem Geiste des Berichts des Komitees."
Das Institut für Politikwissenschaften in Beer Sheva wurde unter anderem auch gegründet, um das Ungleichgewicht zu durchwegs positivistischen - also eher ideologietreuen - anderen Instituten im Land auszugleichen. Fakultätsmitglieder der Ben-Gurion-Universität wie der Politikwissenschaftler Neve Gordon und Oren Yiftachel stehen schon lange im Fadenkreuz der israelischen Öffentlichkeit. Gordon hatte beispielsweise zu einem internationalen politischen Boykott Israels aufgerufen. Das finden viele schlecht, manche gut. Doch die Intervention des hohen Bildungsrats in die Angelegenheiten der freien Wissenschaft ist vielen dann doch zu weit gegangen. Deshalb haben sie eine Petition gestartet. Andere kritische israelische Forscher wie der Historiker Ilan Pappé sind schon lange ausgewandert, weil ihre Forschungsergebnisse die Wahrheiten der israelischen Staatsdoktrin angezweifelt hatten.
Vielleicht hat das Zweifeln an dem, was als offizielle Wahrheit vorausgesetzt wird, in der israelischen Demokratie, die in ständigem Konflikt mit anderen und sich selbst steht, schlichtweg keinen Platz mehr. Geschichte wiederholt sich jedenfalls, denn schon Hegel hat 1807 in seiner "Phänomenologie des Geistes" über den Weg der unkritischen Wissenschaft geschrieben: "Er ist die bewusste Einsicht in die Unwahrheit des erscheinenden Wissens." (Andreas Hackl, derStandard.at, 11.11.2012)
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Die betreffenden Poofs und Lehrenden dieser Uni sind Leute, die zu Totalboykotten Israels aufrufen, seine Legitimation als jüdischen Staat untergraben und mit Leuten zusammen arbeiten, deren Ziel die Auflösung und/oder Vernichtung des Staates an sich ist.
Kein Staat der Welt würde so etwas auf seinem Territorium dulden, nur im Falle Israels wird so etwas kritisiert. Wer in Israel lebt aber den Staat nicht will, sollte wo anders hinziehen. Wer Österreich kritisiert, hat noch niemals seine Existenzberechtigung in Frage gestellt, (obwohl ich langsam dazu tendiere, das auch zu tun).
Wer heutzutage "Israelkritiker" ist, tut meistens genau das: er oder sie stellt seine Legitimität als Staat in Frage und das wird sich kein Staat gefallen lassen.
"Wer heutzutage "Israelkritiker" ist, tut meistens genau das: er oder sie stellt seine Legitimität als Staat in Frage und das wird sich kein Staat gefallen lassen."
bin auch der Meinung Israel hat wie jedes andere Land ein Existenzrecht, aber warum räumt Israel das selbe Recht nicht Palästina ein?
Und bitte nicht vom "Konstrukt Palästina" sprechen, denn das ist jedes Land, inkl. Israel.
Ich finde wenn man objektiv Israel kritisiert wird immer gleich die Nazikeule geschwungen und verhindert jeden Dialog. In Ö steigt daher leider wieder das braune/blaue Denken, und dass will keiner (mit Hirn)!
Immerhin gibt es in einem Staat, der von der Urlüge leben MUSS (anders ließe sich das israelische Selbstverständnis nicht aufrechterhalten), kritische Institute. Das muss man anerkennen.
Allerdings geht es seit Jahren mit der Demokratie bergab, wie die mögliche schließung dieser Universität einmal mehr zu bestätigen scheint.
Demokratie gab es in Israel aber immer nur für Juden, da gab es auch immer kritische Geister, und sie wurden in der Regel nicht drangsaliert oder gar eingesperrt - die Palästienser haben keine weiteren Spielräume als in Diktaturen.
ilan pappe als "wissenschaftler" zu bezeichnen zeugt vor allem von atemberaubender ahnunglosigkeit des verfassers.
wenn nicht von schlimmerem.
die gleichsetzung von "kritischer theorie" mit kritischem denken übrigens ebenfalls.
dass dann "positivistisch" erstens überhaupt benutzt und dann auch noch als "regimetreu" bezeichnet wird, zeigt uns mal wieder, warum die apa-meldungen aus jerusalem so aussehen, wie sie eben aussehen.
Ad Ilan Pappe & (tiefschlagende) Unterstellungen an den Autor:
Ihre (subjektiv positivistische) Aussage, dass der Herr Pappe ihrem Weltbild des Wissenschaftlers nicht entspricht, ist erstmal nur ihre Meinung und nicht automatisch die N Schlagkeule ("wenn nicht von schlimmeren")
Ad ihrer Kritik an des Wortes "positivistisch" im Sinne von "regimetreu"
Wo werden denn die Worte der New Historians verbreitet? An dem Mainstream der israelischen Universitäten? Weil um das geht es Ihnen doch oder? Um die Regimelinie und deren Erhalt.
aber auch wissenschaftliche sorgfalt.
wer bias als kritische haltung verkauft, hat was ganz grundsätzliches nicht verstanden.
2) sagen sie mir, warum hackl konsequent antiisr ressentiments schürt. eins von beidem ist es.
3) beschäftigen sie sich
a) mal mit den positionen der alademisch relevanten new historians. die kritisieren pappe teilweise heftig: http://tinyurl.com/5safcbb
c) mit "kritischer theorie" und speziell der haltung adornos zu isr
c) "positivismus". der wird als solcher bitte noch wo genau als lehrmeinung verbreitet?
1) Bias getarnt als kritische Haltung:
Stimme ihnen vollkommen zu, andererseits darf (wobei - siehe unten - es bei Herr Pappe zutreffen mag) nicht automatisch einer kritischen Meinung Bias unterstellt werden - was mich zu
2) führt. Herr Hackl bildet "die" (subjektive) Wirklichkeit ab, in dieser Konsequenz sind auch isr kritische Haaretz Artikel mit Bias geschrieben?
3) Ich habe heute auch schon weiter unten den von Ihnen angeführten Text von Benny Morris entdeckt, bis jetzt noch nicht die Zeit gehabt ihn zu lesen. Mir ist die kritische Theorie sehr wohl bekannt, so auch Adorno und das Verhältnis der Frankfurter Schule zu Israel. Aber zustimmen tue ich der trotzdem nicht.
Aber nochmal danke für den Link.
1) ich hab ja nix gegen kritische meinungen - davon lebt der diskurs ja.
aber wie oben geschrieben ist mit dem ausdruck "wissenschafter" vorsicht geboten.
2) wenn haaret autoren klar lügen (wie zb gideon levy mit seinem artikel zum thema apartheid), ist da wohl ein bias zu vermuten. und "subjektive wirklichkeit" ist unvermeidlich - ist aber soweit möglich(!) zu objektivieren. das unterlässt hackl konsequent.
3)
auf c) hätte ich dann doch gerne eine antwort.
Verstehe Ihre Frage nicht ganz...
Benni Morris ist ordentlicher Professor an der Ben-Gurion Universität.
Shlomo Sand ordentlicher Professor an der Universität Tel Aviv.
Tom Segev anerkannter Journalist und schreibt regelmäßig in Haaretz.
Avi Shlaim hat in England studiert und lebt dort, seine Bücher sind auch auf heb. Sprache erhältlich, wie auch die Bücher der oben genannten Historiker.
Na und auch Ilan Pappe war durchaus in der isr. Akademie verwurzelt, hat sich aber wie gesagt durch seine Involvierung in eine MA-Arbeit eines Studenten, die im Nachhinein sich auf gefälschten Aussagen von Zeitzeugen erwies, eben selbst diskreditiert.
dass der gute Hr. Hackl mehr oder minder dasselbe betreibt, wie die meisten Israel-Basher hier im Forum: sich nur ja nicht von den Tatsachen verwirren lassen.
Allerdings gehört schon fast Mut dazu, wenn der Hackl ausgerechnet den guten Ilan als "kritischen isr. Forscher" nennt, der angeblich in Israel nicht mehr leben kann, wo doch der Skandal rund um seine Involvierung in der "Tantura-Affäre" wirklich mehr als nur bekannt ist.
Ilan Pape hat sich einfach selbst als seriöser Historiker diskreditiert, und ist deswegen wohl ins Ausland gegangen, wahrscheinlich dort wo man es in Sachen Israel nicht so genau mit den Fakten nimmt :-)
In diesem Falle:
Ehre für Israel, daß es dort kritissche Wissenschaft überhaupt noch gibt, denn das ist nicht selbstverständlich.
Und Ehre dem Standard, daß neben den notorischen Marin-, kreuznet- und Rauscher-Indoktrinationen auch noch ein bescheidenes Platzerl für Vernunft überbleibt.
Wann hat zuletzt ein ungarischer Intellektueller oder Wissenschaftler gefordert, Ungarn und seine Institutionen müssen einem europäischen Totalboykott ausgesetzt werden und gemeint die Grüdnung des ungarischen Staates sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. (Beides hat Ilan Pappe im Falle Israel übrigens getan.)
Wenn sie mir einen vertriebenen ungarischen Wissenschaftler nennen können, der die Existenz Ungarns als nicht legitim, den Ungarismus als rassistische Ideologie gebrandmarkt hat, und zur Zerstörung Ungarns als Staat aufgerufen hat und deswegen des Landes verwiesen wurde, dafür wäre ich dankbar.
Wenn sie das nicht können, ist ihr Posting nur ein weiter Fall von linkem Antisemitismus, die Nazis immer nur bei den Juden zu sehen.
http://tinyurl.com/a8j3k2f
Was heutzutage alles kritisch ist, weil es den antizionistischen Bias einiger "Israelkritiker" unterstützt ist sagenhaft.
Ilan Pappe sitzt an gemeinsamen Tischen mit Antisemiten wie Gilad Atzmon, der meint, dass man eines Tages "Hitler recht geben wird" und lässt sich von arabischen und persischen, Holocaustleugnern instrumentalisieren, weil er offene Rechnungen mit Isarels Academia hat.
http://bit.ly/TDHRmN
und wie Sie selber sagen, Morris steht wirklich nicht im Verdacht unkritisch gegenüber Israel selber zu sein.
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