Wenn eine Bäckerin nicht backen darf

10. November 2012, 19:12
  • Eine Bäckerin auf vergeblicher Jobsuche: Der Umstand, dass es oft wichtiger ist, wer man ist und woher man kommt, als was man kann, trägt zu einem weiteren Problem am Arbeitsmarkt bei, das sich in Form von Klagen etlicher ArbeitgeberInnen äußert.
    foto: dpa/oliver berg

    Eine Bäckerin auf vergeblicher Jobsuche: Der Umstand, dass es oft wichtiger ist, wer man ist und woher man kommt, als was man kann, trägt zu einem weiteren Problem am Arbeitsmarkt bei, das sich in Form von Klagen etlicher ArbeitgeberInnen äußert.

Aufgrund von Vorurteilen werden zu viele AusländerInnen sowie Frauen von Jobs, die ihrer Berufsausbildung und Qualifikation entsprechen, ferngehalten.

Der am Freitag veröffentlichte aktuelle Arbeitsklimaindex kündet von "vergeudeten Ressourcen": Ein Fünftel aller ArbeitnehmerInnen sind Menschen mit ausländischen Wurzeln - ein Drittel jener unter ihnen, die aus der Türkei oder aus Ex-Jugoslawien nach Österreich gekommen sind, sind Arbeiter. Meist am Bau, obwohl sie daheim die Matura gemacht haben. Unter Österreichern liegt dieser Anteil bei nur zwei Prozent.

Nun wird hier vielleicht eingewendet, dass man in einem deutschsprachigen Land wie Österreich fremdsprachige MaturantInnen eben nur in Hacklerjobs brauchen könne. Dass auch eine abgeschlossene Berufsausbildung von anderswo nicht so viel wert sei wie eine österreichische Berufsausbildung. Das sind Argumente, die die ethnische Aufteilung des Arbeitsmarkts (schlecht bezahlte, körperlich anstrengende Arbeit = fast nur AusländerInnen, saubere Bürotätigkeiten = überwiegend InländerInnen) gutheißen. Sie sind Teil des Problems.

ArbeitgeberInnenklagen

Denn der Umstand, dass es oft wichtiger ist, wer man ist und woher man kommt, als was man kann, trägt zu einem weiteren Problem am Arbeitsmarkt bei, das sich in Form von Klagen etlicher ArbeitgeberInnen äußert. Es gebe viel zu wenig qualifizierte JobbewerberInnen, jammern diese. Vor allem an Jobsuchenden mit bestimmten Lehrabschlüssen sowie FacharbeiterInnen herrsche akuter Mangel.

Das erweckt den Eindruck, als ob es bei der MitarbeiterInnensuche allein um objektive Anforderungen gehe, die von den BewerberInnen vielfach unterboten würden. Nur: Stimmt das? Sind die Kriterien, die jemand als Kollege oder Kollegin erfüllen soll, immer so klar? Und: Wie wichtig ist "das Soziale" (In- oder AusländerIn, Mann oder Frau, jünger oder älter) bei der Entscheidung, ob jemand für einen Job passt oder nicht? Ist der Arbeitskräftemangel in Zeiten beachtlicher Arbeitslosigkeit zum Teil vielleicht auch hausgemacht?

Vielleicht schon, wie der Fall einer jungen, in ländlicher Umgebung lebenden Frau aus der Beratungspraxis der Gleichbehandlungsanwaltschaft des Bundes vermuten lässt. Denn diese junge Frau hat in einem immer noch männerdominierten Beruf ihren Lehrabschluss gemacht: Sie ist Bäckerin.

"Für Frauen zu heiß"

Nach Abschluss ihrer Ausbildung machte sie sich in ihrer Wohnumgebung auf Jobsuche. Offene Stellen in Bäckerbetrieben gab es durchaus, aber nirgends, wo sie sich vorstellen ging, passte es. Zwar habe sie die richtigen Qualifikationen, aber man suche doch eher einen Mann, hieß es: Sei es, weil man "noch nie mit einer Frau gearbeitet" habe, weil es "in der Backstube für eine Frau zu heiß" sei, weil überhaupt "die Arbeit für eine Frau zu anstrengend" sei, vor allem nachts, aber auch, weil es im Betrieb "nur Sanitäranlagen für Männer" gebe. Kurz: Über die Jobsuchende ergoss sich die Frauenbenachteiligung im Arbeitsleben in ganzer Breite, so als habe sie eine Zeitreise in die frühen 1970er-Jahre angetreten.

Und ihr Problem war auch nicht zu lösen. Denn auf Rückfrage der GleichbehandlungsanwältInnen - weil derlei "Argumente" den Antidiskriminierungsregeln im Arbeitsbereich zuwiderlaufen -, antworteten sämtliche Bäcker ausweichend. Die Einstellung von Frauen sei für sie prinzipiell kein Problem, nur besagte Jobbewerberin habe eben nicht alle Kriterien erfüllt, entgegneten sie. Am Ende verzichtete die Betroffene auf weitere rechtliche Schritte und besann sich stattdessen einer weiteren modernen ArbeitnehmerInnentugend: der Flexibilität. Sie dehnte ihre Arbeitssuche auf andere Jobs aus.

Derlei geschehe auch heute noch zu oft, meint dazu Gleichbehandlungsanwältin Ingrid Nikolay-Leitner: "Aufgrund von Vorurteilen und stereotypen Vorstellungen über weibliche und männliche Berufe ist es etwa für weibliche Lehrlinge immer noch recht schwierig, in technisch-handwerklichen Berufen Fuß zu fassen", sagt sie.

Größeres Problem

Wo es hingegen Erfolge gebe, seien diese unter anderem auf gezielte Beratung und Unterstützung durch Vereine wie "Sprungbrett" zurückzuführen. Doch einfach gehe diese Verhaltensänderung nicht vonstatten. Offenbar ist die Tendenz zur "Ressourcenvergeudung" auch bei qualifizierten Frauen weiterhin stark. Durchaus wahrscheinlich, dass der Umfang des Problems insgesamt unterschätzt wird. (Irene Brickner, derStandard.at, 10.11.2012)

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13.11.2012, 11:18
"Ressourcenvergeudung"

die eigentliche "Ressourcenvergeudung" betreiben doch die Länder aus denen diese Ressourcen kommen da diese hochqualifizierten Systemerhalter dort sicher wesentlich dringender benötigt werden ...

Gut ausgebildete Menschen aus diesen Ländern auf Dauer abzuwerben ist unmoralisch, weil damit die Verhältnisse für immer verfestigt werden.

Schlecht ausgebildete dagegen brauchen wir nicht, da reicht die eigene Produktion.

ein Drittel jener unter ihnen, die aus der Türkei oder aus Ex-Jugoslawien nach Österreich gekommen sind, sind Arbeiter. Meist am Bau, obwohl sie daheim die Matura gemacht haben.

Solche Aussagen ohne Quellenangaben tätigen bstätigt meine Annahme, dass die Zahlen aus den Fingern gesogen sind. Oder glaubt wirklich jemand - außer Frau Brickner - dass 30% der aus Anatolien eingewanderten Bauarbeiter über eine Matura verfügen?!!!

...und warum?!

weil es unterschiedliche bildungsstandards gibt und etwaige ausländische abschlüsse in österreich nicht anerkannt werden!

Die Quelle ist der Österreichische Arbeitsklima Index

Dort klingt das allerdings etwas anderes:
ZITAT:
"Die erstmalige Auswertung des Dienstverhältnisses nach Bildungsabschluss und Herkunft für die Jahre 2008 bis 2012 (kumuliert) beweist, dass fast 30 Prozent der Migrantenen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, DIE EINE MATURA ODER EINEN STUDIENABSCHLUSS HABEN, als Arbeiter beschäftigt sind."

Nachdem beinahe 10% der Türkischen Migranten der 1,2 und 3. Generation laut Statistik Austria eine Matura oder ein Studium absolviert haben, bedeutet das, daß rund 3% der Türkischen Arbeiter in Österreich Matura haben.

3% - 30%. Einerlei! Wer wird denn so kleinlich sein?

Danke für die Quelle!

das kann leicht sein

dass 30% der aus Anatolien eingewanderten Bauarbeiter über eine Matura verfügen, als Ziegenhirten stellen die doch nur noch Akademiker ein somit langts halt mit der Matura nur noch für den Bau ...

und ihr post bestätigt meine annahme, dass nichts sie von gegenteil überzeugen könnte.

und woher entnehmen sie ihre annahme?
ressentiments aus dem bierzelt?

die statistiken widerlegen die falsche behauptung von frau brickner auf eindrucksvolle weise!

Wenn schon 30% der türkischen Bauarbeiter eine Matura haben, wieviel Prozent der türkischen Migranten insgesamt haben denn dann ihrer Meinung nach eine Matura?
Es gibt ja auch türkische Angestellte, Unternehmer Akademiker usw. dort werden wohl sicher mehr Maturanten arbeiten, als am Bau.

Ich empfehle Ihnen da die Lektüre der Publikationen des österreichischen Integrationsfonds:

ÖIF Dossier Nr. 13
"2009 hatten 68% der türkischen Migrant/-innen keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung abgeschlossen. "

http://www.integrationsfonds.at/oeif_doss... tellungen/

das würde also bedeuten dass 32% nicht einmal die Pflichtschule abgeschlossen haben ...

Nein, sie können davon ausgehen, dass der Rest besser ausgebildet ist. Trotzdem ist dieser Befund natürlich ein Zeichen einer falschen Einwanderungspolitik.

Also ich sehe hier kein Problem

Niemand, der "daheim" in der Türkei oder Ex-Jugoslawien (oder sonstwo) die Matura gemacht hat, ist gezwungen, in Österreich als Arbeiter sein Dasein zu fristen. Es heißt auch niemand die ethnische Aufteilung des Arbeitsmarktes gut (Gastarbajteri der 3. und nachfolgende Generationen), er ist aber Faktum. Die Verantwortlichkeit liegt bei der Einzelperson. Der afghanische Atomphysiker bei der der Fa. Hellrein und der nigerianische Diplomingenieur als Taxler sind wohl Märchen aus 1001 Nacht, jedenfalls seltener als eine Blaue Mauritius. Solche Leute müssten ihr Glück in den USA als Tellerwäscher versuchen (Laufbahn endet dann als Millionär). Hier gegen alles und jeden auf Einstellung zu klagen entbehrt wohl jeglichen gesunden Menschenverstandes

Wer lange gegen eine Wand läuft ...

Ich schlage vor, dass Bäcker und auch andere Handwerker, ihr Personal ohne Frau Brickner und ihre AnwältInen aussuchen dürfen.

So, wie mir das Mohrenbier trotz des Kommentars von Herrn Pollak schmeckt, werden mir die Brötchen trotz des Brickner Kommentars munden.

"eure diskriminierung nervt mich"

au weh.

13.11.2012, 13:12
darf ich höflich nachfragen

inwiefern es diskriminierend ist wenn ein Selbstständiger sich sein Personal selber aussuchen möchte? Immerhin trägt er auch das unternehmerische Risiko ...

vergeudete ressourcen

ja, weil man österreicher nicht will

... unterhalt dich mal mit Prolo-Österreichern (also Lehrberechtigten) über die Fragen, ob sie "an Tirkn oder Zigeina ois an Lealing nemma tatn"; die meisten finden das nicht mal lustig, sondern werden aggressiv.

frau brickner, bitte um hintergrundinfos: ist die dame ausgebildete bäckerin? hat sie bisher nur fladenbrot gemacht? kann sie auch handsemmerln, kipferln, bienenstich, nußbrot und vollkornbrot? denn wenn sich ihr wissen nur auf das anatolisch-übliche leere weißbrot beschränkt, dann würde ich eine ablehnung seitens des bäckermeisters verstehen.

ich glaube ich habe "bricknerverbot"

nicht nur, dass zuletzt ein posting erst eingestellt wurde und dann rausgenommen, kommen fast 80% meiner postings zu sagern der frau brickner nicht durch die zensur.
und ich kann versichern ich bin darin nie ausfälllig geworden

rassismus ist nicht durch ausfälligkeit gekennzeichnet.

liebe frau trude

was wollen sie mir mit ihrem posting genau mitteilen?

das sie durch paranormale fähigkeiten in der lage waren meine nicht veröffentlichen postings zu lesen und damit hier eine bewertung derselben abgeben zu können?

gratuliere

Halbwegs fair wäre, wenn die Zeitung hier zensurierte Beiträge unter dem Namen des Verfassers als "gelöscht" veröffentlicht.

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