Die Schwelle vor der digitalen Tafel

Alois Pumhösel
10. November 2012, 10:18

Österreichs Schulen werden nur zögerlich mit interaktiven Whiteboards ausgerüstet

Sie bestehen aus einem großen Monitor mit Touchdisplay oder einem Ultrakurzdistanzbeamer, der auf eine weiße Oberfläche projiziert. Angeschlossen an einen Computer, werden sie zu sogenannten interaktiven Whiteboards, elektronischen Tafeln. Auf ihnen kann man mit Fingern oder speziellen Stiften schreiben wie auf den analogen Pendants. Zusätzlich integrieren sie digitale Annehmlichkeiten wie Videos, Internetinhalte, Lernsoftware, Vernetzung mit Tablets usw.

Mehrere tausend Euro

Nur ein kleiner Teil der 55.000 Klassenzimmer in Österreich sind mit den neuen, mehrere tausend Euro teuren Systemen ausgerüstet. Grund genug für den Handel, die Lösungen von Samsung, NEC, Acer, Stiefel/Sony oder Smart auf einer Fachmesse vorzustellen. Florian Wallner, Chef des Großhändlers Ingram Micro, ist Initiator von "Educ8". Die Messe ging am Freitag über die Bühne.

Hohe Schwelle

Die kanadische Firma Smart hat in Wien, NÖ und dem Burgenland bisher 1000 Klassenzimmer ausgerüstet. Bis zu der flächendeckenden Ausstattung werde es aber noch sehr lange dauern, sagt Georg Merza vom Zentrum für Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Wien zum STANDARD. Die Akzeptanz sei prinzipiell da, die neuen Tafeln anzuwenden bedeute aber eine hohe Schwelle. Diesbezüglich geht etwa die Geschichte eines Tiroler Direktors um, der für seine Schule digitale Whiteboards kaufte. Die Lehrer waren zwar informiert, zu Schulanfang, als sich keine einzige grüne Tafel mehr fand, herrschte aber Heulen und Zähneknirschen.

Frontalisierung

Um der Technologiehürde zu begegnen, arbeite man etwa mit einem Buddy-System, sagt Gerhard Brandhofer von der Pädagogischen Hochschule NÖ zum STANDARD. Technisch versierte Lehrer begleiten dabei ihre Kollegen. Die neuen Tafeln könnten aber auch eine "zusätzliche Frontalisierung" bedeuten, gibt er zu bedenken.

Technische Entwicklung

Eigentlich möchte man eher weg vom Frontalunterricht. Die Technik stehe dann vielleicht so sehr im Vordergrund, dass auf Inhalte weniger Rücksicht genommen werde. "Die pädagogische Implementierung braucht auf jeden Fall Unterstützung." Viele Schulen warten mit der Anschaffung auch wegen der technischen Entwicklung: "Sobald ich's kauf, ist es schon veraltet." (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 10.11.2012)

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Der Unterricht fällt heute leider aus, weil die Schultafel wieder abgestürtzt ist und der Support nicht antwortet!

Die Geschichte aus Tirol ist jetzt nicht soooo glaubwürdig. Ist ja nicht so, dass man die Lehrer einfach hinstellen kann und sagen, macht's. Wer seit Jahren auf der grünen Tafel unterrichtet hat wie vor 50 Jahren, muss wohl geschult werden.

Nur wenn das Quietschen ...

... der Kreide simuliert wird.

Und vor allem - wie macht man dann Schwamm- und Tafelfetzenschlachten? Oder werden die dann auch per App simuliert? ;o)

Ich hoffe man begibt sich nicht wieder in die Abhängihkeit

eines Herstellers mit proprietärem OS. Es gibt genügend Alternativen ohne eine menge Kohle nach Redmond oder Cupertino zu überweisen!

Peinlich

In Amerika gibts die "Smartboards" schon seit 10 Jahren...

Dort machen die Schulen gerade den Umstieg auf iPads.

mfg.

Ja, auf iPads umsteigen ist das allerwichtigste - staatliche Förderung für Apple und rechtzeitiger Vendor Lock-in für die nächste Generation...

Alternativen?

Apple hat bei weitem mehr Angebote im Lehrbereich als der gesamte Windows Markt zusammen!

Und ich bin ganz sicher kein Fan von Apple, aber Tatsachen kann man nicht ignorieren.

mfg.

Wer redet von Microsoft? Ich treibe ja nicht den Teufel mit dem Beelzebub aus...

Gerade im Bildungsbereich wäre die Verwendung von offener Software angesagt, und zwar nicht nur aus Ersparnisgründen, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen, sich nicht ohne Not in den nächsten Vendor Lock-in hineinzustürzen.

Wenn die Hanseln bei uns nicht zu patschert (oder korrumpiert?) wären, hatte man schon längst eine an den Bildungsbereich angepasste Linuxdistribution in dem Schulen, die es sogar schon fertig gibt (die bekannteste vermutlich edubuntu, aber mit jeder Menge Alternativen, s. http://edubuntu.org/other-edu... al-systems ), und zwar von vorneherein weit näher am Bedarf und zusätzlich weit besser an spezielle Bedürfnisse anpassbar als Apple oder Microsofts jemals könnten (oder überhaupt wollten!)

Stimm nicht so ganz.
Ich war eine zeitlang in Mountain View (CA). Meine Kollegen hatten Kinder in der Schule dort. Ja, dort gabs sowas. Schulgeld aber ca. $ 1000,-- / Monat!

In einer für den Normalbürger leistbaren stattlichen Schule werdens sowas aber nicht finden.

Kollegen haben Kinder in den öffentlichen Schulen irgendwo in (Upstate) New York und Connecticut

und wie schon gesagt, Smartboards sind dort "yesterday's news"

und nein, niemand dort zahlt $1.000,- im Monat Schulgeld!

mfg.

Richtig. Die USA sind groß. Viele dieser Dinge sind abhängig vom Bundesstaat, County, Schulbezirk, sozialem Umfeld des Wohnbezirkes, staatlich/privat usw.

In den USA ist man in den Schulen vielerorts technologisch hintennach. In Silicon Valley schaut die Sache natürlich etwas anders aus. Und überhaupt, was z. B. Mountain View betrifft: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Google hier bei manchen Schulen quasi als Großsponsor auftritt. Schon alleine deswegen, um Angestellten, die eben für Google arbeiten, ihren Arbeitsplatz weiterhin schmackhaft zu machen. Ausbildungsmöglichkeiten für die eigenen Kinder spielen auch oft eine nicht unwesentliche Rolle. Der Gratis-Fiseur auf dem Google-Campus ist zwar nett, aber nicht so wichtig wie obiges.

Äpfel nicht mit Birnen vergleichen

Der Lebensstandard im Nordosten der USA und in Kalifornien ist ähnlich wie bei uns in Zentraleuropa.

Daher, Schulen in Nevada oder New Mexico zum Vergleich heranziehen ist ähnlich lächerlich unsere Schulen mit jenen in Süditalien oder dem Balkan zu vergleichen.

Wollma schon die Kirche im Dorf lassen...

Und

wann haben sie Pisa angeführt bzw werden es tun?

“ Die neuen Tafeln könnten aber auch eine "zusätzliche Frontalisierung" bedeuten, gibt er zu bedenken.“

Das verstehe wer will - GERADE digitale Tafeln erlauben die Vernetzung mit Notebooks, Tablets etc.
Soll der Hersteller halt eine App bzw. Applikation mitliefern, die den gemeinsamen interaktiven Zugriff auf die Tafel erlaubt - e voila!

Das Zeug wird ja an und für sich nicht an der Tafel gespeichert, sondern auf einem PC oder Server. Jetzt mal rein technisch gesehen.

Und die Notebooks und Tablets müssen zuerst einmal da sein.

Dass die Gefahr des Frontalunterrichts besteht, ist in der Tat nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber wenn man sich dessen bewusst ist, kann man dagegensteuern. Also kein großes Problem.

Aber warum sollte eine digitale Tafel den Frontalunterricht eher fördern als eine solche für Kreide?

Ich kann mit ersterer mehr machen, was kein klassischer Frontalunterricht ist (eben z.B. interaktive Dinge für alle), und an den Dingen die mit der Tafel nichts unmittelbar zu tun haben (arbeiten in Gruppen etc.) ändert sich durch die digitale Tafel auch nix.

Doch, doch. Weil man eben mit der Tafel so viel anstellen kann, ist es möglich, dass man dort picken bleibt. Vergessen Sie nicht, dass man ja per PC mit den Internet verbunden ist und sich hier schon viele Möglichkeiten auftun. Man muss ja die Tafel nicht immer interaktiv nutzen. Was aber ja nun nix Schlimmes ist. Weil selber erarbeiten ist zwar gut und schön, aber wenn der Schüler nicht weiß, warum es da überhaupt grundsätzlich geht, bringt es auch sehr wenig.

"Frontalunterricht" ist so oder so kein Grund, gegen die digitalen Tafeln so sein. Weil da kann man gleich mit etwaigen Stromausfällen argumentieren. :-)

"Gefahr des Frontalunterrichts"
Frontalunterricht an sich ist in meinen Augen keine Gefahr. Alle Unterrichtsstile haben ihr Für und Wider. Aber das würde wohl in eine andere Diskussion ausarten ;)

Unser Sohnemann hat so ein Ding in der Schule

und alle sind wirklich begeistert.
Egal ob Lehrer oder Schüler. Und das es dadurch zu mehr Frontalunterricht kommt, hängt eher vom Schultyp ab. In veralteten Gymnasien sicher. Weil da noch immer teilweise der Mief von vor 30 Jahren unterrichtet wird.
In der NMS mit Projektarbeiten & Co ist so ein Smartboard eher eine willkommene Unterstützung. Zumindest macht das in unserer Schule so den Eindruck. Wie die Lehrer hinter den Kulissen reagieren kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber da alle brav damit arbeiten kann es nicht so schlimm sein.

> Mief von vor 30 Jahren

Also ich hab' nicht das Gefühl, daß mir damals "Mief" unterrichtet worden ist - im Gegenteil

... und ich empfinde "Frontalunterricht" noch immer als angenehmste Form der direkten Wissensvermittlung.

"...der Mief von vor 30 Jahren"

Ich würde es eher Allgemeinbildung nennen,

Und das ist mit der NMS, die die neue Hauptschule ist nicht zu vergleichen.

Eh nicht, NMS ist da um einiges Besser. Danke für die Bestätigung.

Hier sind anscheinend besonders viele betriebsblinde Praktiker unterwegs, die Theorie und Praxis nicht mehr voneinander unterscheiden können/wollen.
Der humanistische Anspruch der Gymnasien besteht schon lange nur noch auf dem Papier.

Kommt wohl auf die Schule an.

Wir dürfen beide Schulformen genießen und ich muss sagen zumindest aus unserer Erfahrung ist die NMS um Klassen besser. Wer da sein Kind noch ins Gym schickt ist selber schuld.

Junior eins beherrscht Dinge in der 4. Klasse NMS, von denen Junior 2 in der 6. Klasse Gym noch nicht mal was gehört hat (nur gestreift, aber nicht wirklich gelernt)! Das meinte ich mit Mief von vor 30 Jahren. Gleiches gilt für moderne Wissensvermittlung. Gym = Frontalunterricht auf altmodisch. In allen Fächern und völlig egal wie alt der Lehrer ist.
In der NMS haben sogar die alten Hasen auf zeitgemäße Systeme umgestellt.

Mal angeführt:

Aussage von vor 7 Jahren von einem Gymnasiasten in der 4.ten !
Auf die Frage, wann der zweite Weltkrieg war: weis ich nicht, sowas steht heutzutage im Internet.
Etliche Aussagen dieser Art zu beinahe allen Dingen in der Allgemeinbildung habe ich bis dato von unzähligen Schülern vernommen. Einige davon sind Schüler in technischen Oberstufen und im Rahmen der Nachhilfe stellte ich immer wieder fest, dass die "Online Bibliothek" immer wieder als Ausrede genutzt wird, "nichts zu wissen" !

Ob diese "Wissenden" dann aber auch im "real life" so ohne weiteres darauf warten können, dass sie während eines Geschäftes ( auch im "small Talk" ) mal eben das Ipad ider Iphone um Rat fragen können, wage ich zu bezweifeln ! Läßt einen wohl dumm erscheinen.

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