Liebesbrief für den Liebestrank

  • Sogar in der 197. Repertoirevorstellung begeistert Donizettis "L' elisir d'amore" an der Staatsoper. Insbesondere mit Adriana Kucerová als Adina.
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    foto: michael poehn

    Sogar in der 197. Repertoirevorstellung begeistert Donizettis "L' elisir d'amore" an der Staatsoper. Insbesondere mit Adriana Kucerová als Adina.

Qualitativ begeisternde 197. Repertoirevorstellung von Donizettis "L' elisir d'amore"

Liebe Staatsoper, du bist wundervoll. Du offerierst deinem Publikum in einer Saison an knapp 250 Abenden 50 verschiedene Musiktheaterwerke - okay, Barockes und Zeitgenössisches ist unterrepräsentiert. Aber dann kann es passieren, dass man in einer ganz normalen Repertoirevorstellung einer zum 100. - Pardon: zum 197. - Mal gezeigten Inszenierung wie jener von Gaetano Donizettis L'elisir d'amore sitzt und eine Aufführung in einer Qualität zu hören und zu sehen bekommt wie anderswo bei einer Premiere nicht.

Kann man sich eine Sängerin vorstellen, die die Adina darstellerisch bezaubernder, erfrischender und gesanglich spielerischer gibt als Adriana Kucerová? Kann es sein, dass Saimir Pirgu mit seinem nuancierten Mischen von kraftvoller Attacke und samtiger Leichtigkeit nicht nur als Nemorino, sondern überhaupt der ideale lyrische Tenor unserer Zeit ist?

Und der Frauenchor im zweiten Akt, als Anita Hartig als Giannetta von Nemorinos Erbschaft erzählt: Hast du, liebe Staatsoper, dafür Otto Schenk 32 Jahre nach der Premiere noch einmal für eine Probe ins Haus gelockt, so präzise, vielfältig und unterhaltsam, wie der gestellt war?

Der Belcore (Tae-Joong Yang) hat nach anfänglicher stimmlicher Enge immer besser unterhalten, Doktor Dulcamara (Paolo Rumetz) gewinnend seine Elixiere verteilt. Mit Schmackes dabei auch das Staatsopernchester, mit dem Yves Abel in weiterer Folge Delikatheitsrekorde aufgestellt hat.

Ende November zeigst du den Liebestrank wieder, mit einer anderen Besetzung - auch das ist Repertoiretheater. Danke und bis bald. (end, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

24. und 27. 11.

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21 Postings
17.11.2012 Premierentermin der Neuinszenierung

von "L'Elisir d'Amore" im Opernhaus Graz, vormerken!

ich packs nicht - dem ender gfallt eine opernaufführung!

Schoen, dass auch einmal eine besonders gelungene Repertoirevorstellung wie jene vom Donnerstag die verdiente mediale Wuerdigung bekommt. Am Vorabend war noch Herr Domingo unter grossem Begleitgetoese der hiesigen Presse als Simon Boccanegra aufgetreten. Fuer mich war der "Liebestrank" aber zweifellos der bessere Abend.

Die beiden Abende kann man, wie ich finde, schwer vergleichen, jedoch: auch wenn Ihnen Liebestrank besser gefallen hat, werden Sie doch zugeben müssen, dass man im Moment keinen besseren Boccanegra als Domingo finden kann.

Finden Sie wirklich, dass er besser als Hampson ist???

Für mich schon! Ich mag es sehr, wenn in italienischen Opern im italienischen Stil gesungen wird. An Hampson als Boccanegra kann ich mich noch gut erinnern, er war auf seine Weise toll (wenn auch etwas matt), aber halt nicht "italienisch"...

Interessant...

...ich finde, da Hampson ein 'echter' Bariton ist und auf der Höhe seiner Kunst ist/war, hat er einfach viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten gehabt. Man denke z.B. an die Szene, wo er Paolo verflucht - toll, wie er den Bösewicht umkreist und ihm den Fluch zuflüstert...

Warum ist 'Barockes' und 'Modernes'

unterrepräsentiert? Weil Barockes im Regietheater modern interpretiert wird (was meist eine Watschn für den Inhalt und Text ist) und Modernes meist die Ausstattung nicht im Ansatz einspielt. Ein Haus mit so hohen Subventionen an Steuergeld darf sich das nicht leisten, die Steuerzahler für den Gusto einer kleinen, elitären Gruppe zur Kasse zu bitten!

...

so ein Unsinn !!!!! An allen anderen bedeutenden Opernhäusern hat Barock längt triumphalen Einzug gehalten .. und das erfolgreich .. Auch Händels Alcina in der STOP war großartig .... ! TAW in Wien feiert mit barocken Abenden Erfolg um Erfolg ... vorgestern Joyce diDonato mit den Drama Queens .... Open your mind, then your eyes and last not least your ears ... and then enjoy !

Während Produktionen

von Zeffirelli, Ponelle, Strehler usw. Jahrzehnte überdauern und nach wie vor breite Zustimmung finden, kann man das von aus ihrem Kontext gerissenen Barockopern kaum behaupten. Und ein 'Figaro' ins heute transponiert mit 'Recht der ersten Nacht', 'will der Herr Graf den Tanz wagen' usw. ist eine Watschn für Beaumarchais und daPonte oder meinen Sie, diese 'Probleme' sind zeitgemäß?

Sie dürfen nicht vergessen: Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht sind die Staatsopernbesucher insgesamt eine "kleine, elitäre Gruppe". Man sollte hier also vielleicht nicht so extrem auf die Auslastungszahlen schielen und sich ein bisschen mehr trauen. Auch wenn wir Beschreibenden dann wohl auch lernen müssten, nicht gleich zu schreien, wenn bei einem (noch) vielfältigerem, breiterem Programm die Auslastungszahlen unter die Wahlergebnismarken kommunistischer Parteitage abfallen.

Dann beachten Sie den Ansturm

von Touristen auf Karten bei Verdi, Wagner & Co im Vergleich zu Berg, v. Einem & Co. Wenn Sie da nicht wenigstens einen Star unterbringen, läuft selbst eine vorzügliche Produktion wie letztens 'Medea' nicht. Finden Sie einen Sponsor für eine moderne Produktion ist das ok, aber Steuergelder für eine so kleine Gruppe ist unverantwortlich. Die Klassiker sind auch durch Regietheater nicht abzuwürgen, denn man braucht ja nicht auf die Bühne zu schauen. Der Komponist hat meist die Handlung schlüssig in die Partitur gepackt.

dann beachten Sie, welche "Generation" von Touristen nach Wien kommen

Wien ist Museum - ich errinnere an die Reaktionen auf das Japan Gastspiel, das Verwunderung ausdrückte, dass Wien etwas anders als Mozart überhaupt spielt.
Was die Finanzierung anbelangt, da gehe ich mit Ihnen durchaus einig, Spnsoring für "moderne" Werke, warum nicht, aber auch Quersubventionierung und Mut und Einsatz, neue Werke auf die Bühne zu bringen und zu bewerben. Interssanterweise funktioniert das in anderen Städten ganz gut, werden sogar Häuser für neue Musik gebaut. Aber eben, Wien ist ein Museum - erhalten oder erneuern? erneuern und erhalten?

Da muß ich wiedersprechen!

Ich habe über viele Jahre Touristen aus Deutschland und Frankreich nach Wien 'gebracht'.- Von jungen Architekten (welche sehr begeistert waren!) über Touristikfachleute bis hin zu hochwertigsten Incentivereise-Gewinnern (um die 30 und in der obersten Gehaltsklasse) - das Kulturangebot fand großen Anklang, speziell Musical, wohingegen eine Einkaufsmöglichkeit am Sonntag eher nicht vermisst wurde.- Und Mozart siedeln Japaner wohl eher in Salzburg an, mit Wien wird, wenn schon Klischee, wohl eher das Neujahrskonzert, also Strauß verbunden.

Mit Generation meinte ich nicht unbedingt den Jahrgang, sondern eher den Typus

In den passen ihre begeisterten jungen Menschen, und es freut mich natürlich auch, dass es diesen gefallen hat!

An der Staatsoper wird eben (wieder) geprobt.

Musikalisch wie szenisch.
Und das merkt man eben.
Das sind Profis am Werk, die man weltweit nur noch mit der Lupe suchen kann.

Ja eben WIEDER, vielleicht haben sie endlich endteckt, dass es ohne nicht geht - schön!

TJA - da zeigen sich

die Meriten der Staatsoper, des weltweit führenden Repertoire-Opernhauses - auch wenn das vielen hier soooo missfällt....

wer motzt denn in der Regel über jedes kleinste mögliche Fehlerchen?!?

Ich seh das so "motzt" dauernd, ist aber keineswegs immer vor Ort gewesen...

IchsehdasSO1 ist also der Alles Besser Wisser ohne Wissen

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