Anzugmensch oder Affe?

Andrea Heinz
9. November 2012, 20:36
  • Bin ich Manager oder Affe? Clemens Berndorff, Alexander Braunshör und Eva Klemt (v. l.) sind unschlüssig
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    foto: barbara pálffy

    Bin ich Manager oder Affe? Clemens Berndorff, Alexander Braunshör und Eva Klemt (v. l.) sind unschlüssig

Im Rahmen des länderübergreifenden Projekts "Generation Icons" zeigen die Wiener Wortstätten "Kill Hill[TM]" des slowakischen Autors Viliam Klimácek: Topmanager als computerspielende Affen

Wien - "Vier reiche Menschen spielen, dass sie reiche Menschen hassen" - das ist die Handlung des Computerspiels Kill Hill[TM].

Das gleichnamige Theaterstück des Slowaken Viliam Klimácek wurde nun von der tschechischen Regisseurin Martina Schlegelová im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) uraufgeführt. Das Schauspielerteam (Karin Yoko Jochum, Eva Klemt, Clemens Berndorff, Alexander Braunshör, Erol Ünsalan) ist ein deutschsprachiges.

Das Stück ist Teil des Projekts "Generation Icons": Neben den Wiener Wortstätten zeigen zwei Theater in Tschechien und der Slowakei Auftragswerke zum Thema Generationsikonen. Die Uraufführungen finden jeweils nicht im Ursprungsland des Autors statt, auch Regisseur und Darsteller stammen aus anderen Nationen. So soll sichtbar werden, wie aktuelle Themen von kulturell, sozial, politisch und sprachlich unterschiedlich geprägten Künstlern gesehen werden.

Viliam Klimácek zeichnet in Kill Hill[TM] das plakative Bild von durch Geldgier degenerierten Managern. Einmal im Monat treffen sie sich, um besagtes Computerspiel zu spielen. Auf sehr rätselhafte Weise bricht die Realität in ihr Spiel: eine Rächerin, halb Comicfigur, halb Straßenkämpferin.

In Schlegelovás Inszenierung sind die toughen Manager (drei Männer, eine Frau) halb Anzugmensch, halb Affe. In ihrem "Käfig" hängen Bananen von der Decke, Stroh liegt auf dem Boden (Ausstattung: Michael Haller). Immer wieder fangen die Schauspieler an, wie Affen zu brüllen: die uniformierten Finanzverwalter als triebgesteuerte Tiere.

Daneben zeigt das starke Ensemble sie aber auch als komplexe Persönlichkeiten, die eine Geschichte haben, Ängste und Wünsche. Neben wuchtigen Szenen voll Gewalt und Demütigung hat das sehenswerte Stück so auch leise Momente, die von Menschlichkeit erzählen.  (Andrea Heinz, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

Bis 20. 11.

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