Austro-Film vs. Viennale 1: Weniger Larmoyanz, bitte!

Kommentar der anderen | Senta Radax-Ziegler
9. November 2012, 19:51

Kleine Widerrede zu Wolfgang Ainbergers Klage, dass das Wiener Filmfestival zur "Hurchiade" verkomme

Ich möchte Herrn Wolfgang Ainberger in seiner Kritik an der Filmauswahl des Viennale-Leiters Hans Hurch ("Hurchiade statt Viennale?", STANDARD, 1. 11.) entschieden widersprechen. Als eingefleischter Viennale-Fan der ersten Stunde stimme ich speziell mit der Programmauswahl des jetzigen Viennale-Leiters voll überein.

Der österreichische Film - und so auch sein warmherziger Fürsprecher Wolfgang Ainberger - scheint das larmoyante Jammern gepachtet zu haben. Dass ein Regisseur Ulrich Seidl seinen umstrittenen Film nur deshalb zurückzieht, weil er um 18 Uhr, also nicht zur Hauptabendzeit, gezeigt werden soll, ist derart kindisch, eitel und überzogen, dass ich dafür kein Verständnis aufbringe. Auch Filme von Werner Herzog wurden um 18 Uhr gespielt. Ich war häufig in 18-Uhr-Filmen.

Ganz nebenbei: Ulrich Seidls Film hätte ich mir auch im Hauptabend nicht angesehen. Die Minderheit, die Seidls Film sehen möchte, wird ihn mit Sicherheit noch lange in einem Art-Kino sehen können.

Unter den neun Filmen, die ich mir heuer ausgesucht habe, waren zwei österreichische: Der lehrreiche und schöne Film "The crazy story of Wilhelm Reich" über einen österreichischen Emigranten, sehr schön, sehr informativ, große Schauspiel- und Kamerakunst. Und die neuen Kurzfilme von Peter Kubelka.

Genaugenommen will ich aber nicht vorrangig österreichische Kinofilme zur Viennale sehen, schon gar nicht die in den letzten Jahren geförderten, die mehrheitlich in grindiger Prolo-Subkultur spielen, in die manche österreichische Filmemacher verliebt scheinen.

Worauf es mir ankommt bei der Viennale - und was Hans Hurch für meine Begriffe großartig umsetzt -, ist der Blick in Gesellschaften und in das Filmschaffen anderer Länder, und zwar ein Blick mit Empathie. So wirken in mir Filme wie jener saudi-arabische noch immer nach, der von dem Mädchen "Wadja" handelt, das gerne Fahrrad fahren möchte.

Solche Fenster in die beschwerlichen, ungeförderten Filmproduktionen völlig anderer Kulturen machen die Viennale für mich heute spannend und sehenswert. Für Filme aus Vietnam, Mexiko, China, aber auch Frankreich stelle ich mich immer wieder auch in langen Warteschlangen an.

Was Herr Ainberger zu erwähnen vergisst: Das Publikum scheint Herrn Hurch mit seiner Auswahl recht zu geben. Das Gartenbaukino ist bereits viel zu klein, um dem Ansturm des wunderbaren Publikums quer durch alle Altersschichten gerecht zu werden, ich fand den Saal mit rund 730 Sitzen in jeder Vorstellung knallvoll vor.

Es ist tatsächlich so, dass ich mich in den Anfängen der Viennale als Studentin noch auf den Stufen vor dem Forumkino stehen sehe, um den angesagten US-Blockbuster nicht zu versäumen. Mit der gleichen Erwartung, Spannung und Aufregung stelle ich mich heute als Großmutter immer noch an.

Ich wünsche der Viennale noch viele weitere Jahre unter dem mir sehr genehmen Geschmacksdiktat des Hans Hurch. (Senta Radax-Ziegler, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

Senta Radax-Ziegler, Journalistin, Autorin und "Viennale-Freak" seit gut 50 Jahren.

Siehe auch:
Austro-Film vs. Viennale 2: Sehr österreichische Zustände!
Von Nikolaus Pernecky

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schrecklicher beitrag

schon allein der letzte satz.

Selten einen so andienerischen, reaktionären und untergriffigen Kommentar gelesen. Das unterschreitet ainberger niveau sogar um einiges.

wirklich, ganz übel

zicke in der mutterrolle.

Ich unterschreibe fast alles in diesem Artikel

- mit einer kleinen Ausnahme: man merkt beim Publikum sehr deutlich einen Unterschied zwischen (sagen wir mal) einer Vorstellung am Mittwoch um 11:00 Uhr und einer am Samstag um 21:00 Uhr. Beispielsweise lassen Sackerlrascheln, laute Unterhaltungen während des Films und der iPhone-Check alle 10 Minuten vermuten, dass das Kino nicht in erster Linie wegen des Films aufgesucht wurde. Seidl wollte offensichtlich lieber vom sackerlraschelnden Samstag-21:00-Uhr-Publikum gesehen werden, als vom cineastischen Connaisseur.

aufhurchen

zum aufhurchen ist schon, wie schweigsam herr zinggl ist, wenn es darum ginge, die vertragsverlängerung des viennalechefszu kritisieren. und herr hurch selbst? hat kräftig gegen die schienbeine von matt und noever getreten, gegeißelt, dass sie so lange direktorenposten innehalten. na bitte. und der gute hurch? lehnt ab,w eil er weiß, dass so lange direktionszeiten dem charakter und dem programm des direktors nicht zuträglich sind?

Wer am mittwoch um 11.00 Zeit hat ins Kino zu gehen

und dann noch den Drang hat, das publikum und seidl anonym im Internet anzupatzen......

Auf einen solchen 'cineastischen Connaisseur' kann man getrost verzichten.

es gibt menschen, und zu denen zähle ich, die nehmen sich jedes jahr zur viennale ein paar tage frei.

dass sie so was offenbar nicht mal imaginieren können, weist nicht nur auf mangelnde phantasie hin.

WARUM eigentlich lieben einige öst. Filmemacher diese "grindige Prolo-Subkultur"?

Vorauszuschicken ist, dass die Angehörigen der REALEN depravierten Schicht, die hier so gerne filmisch porträtiert werden, mit dieser Darstellungsart schwer diskriminiert werden. Geholfen wird ihnen damit nämlich gar nicht.

Selbstverständlich soll diese Schicht AUCH dargestellt werden & es ist vielleicht ein Anliegen dieser Künstler, Menschen, die sonst verschwiegen würden, eine Plattform zu geben. Wenn das sorgfältig gemacht wird & mit weniger eher primitiven politischen Zuschreibungen, kann das künstlerisch ausgezeichnet sein.

"Braunschlag" (im TV & auch woanders angesiedelt) hat gezeigt, wie man es nicht machen soll.

Es gibt aber noch viele andere soziale Milieus in Öst. (z.B. die der Filme-Macher). Warum werden die nie erwähnt?

Tschuldigung. ist braunschlag nicht Satire?

Und eine Serie im fernsehen?
Man muss nicht immer einen konex herstellen...

"Diese Schicht"??? Umgotteswillen, wer spricht da?

vermutlich ist die motivation dahinter eine ähnliche wie bei den atv-sozialpornos oder auch bei mascheks problembären - es werden so richtig arge verhältnisse gezeigt, auf die jeder herabblicken kann.

kunst (und film) ist nicht dazu da, einzelnen eine plattform zu bieten, applaus für politische korrektheit zu ernten, erwartungen zu entsprechen, jemandem ein gutes gefühl zu vermitteln, zu beruhigen, zu streicheln, minderheitenschutz zu betreiben, menschenrechten zum durchbruch zu verhelfen oder generell brav zu sein oder gar dafür zu sorgen, dass alle brav, fröhlich, glücklich und gerecht sind.

zu all dem zitierten ist politik da.

und was braunschlag betrifft: das ist fernsehen und dient der unterhaltung. das bei einer viennale- oder filmdebatte anzuführen ist, als ob man zu einer diskussion über die oper einwirft, dass der musikantenstadl auch nicht so super ist.

Masken sagen mehr über uns aus als blosse Gesichter

Ich bin daher gehemmt, jemandem zu antworten, der sich den Papst (also die angebliche Unfehlbarkeit) als Maske nimmt.

Ihre Kunstauffassung ist nur eine von vielen theoretischen Konzepten über Kunst und Künstler. "L'art pour l'art" kam immer wieder mal auf.

Dialogischer & daher befruchtender wäre daher mMn 1. die Postings, auf die man antwortet, wirklich zu LESEN (ich habe deutl. TV von Film unterschieden), & 2. etwas weniger Apodiktik.

Aber ich will's auch ganz praktisch angehen: Was ist mit den Künstlern, die sich politisch & sozial einmischen WOLLEN? Z.B. den Pussy Riot-Girls? Oder im Film Mel Brooks u.v. Viele a.?

Schön, wenn der öst. Film das Niveau der Oper hat. Das kommt vor, aber das Musikanten-Stadl-Niveau leider auch.

Jössas - Proletenfilme

Vielleicht noch von Proleten gemacht. Grusel, grusel, grusel.

Kalt läuft es mir den Rücken hinab. Da sei Senta vor - in aller kultivierter Menschen Namen möge sie den Kampf aufnehmen, die wackere Grossmutter.

bruhaha

"Als eingefleischter Viennale-Fan der ersten Stunde stimme ich speziell mit der Programmauswahl des jetzigen Viennale-Leiters voll überein."

manche leute interessieren sich nicht für filme, sondern sie sind "eingefleischter Viennale-Fan der ersten Stunde", also bobo-adabeis, denen das rumlaufen mit der viennale-tasche im mai mindestens so viel gibt, wie das bussi-bussi auf der eröffnungsfeier. die merken sich dann nicht mal die namen der filme, die sie konsumiert haben.

Dass dieses Publikum Herrn Hurch mit seiner Auswahl recht zu geben scheint, heißt gar nichts. Hurch ließ nie zweifel an seinem elitären kunstbegriff, seinem geschmacksdiktat unterwerfen sich vor allem jene gern, die halt auch teil dieser elite wären.

Hab das ganze nur an rande mitbekommen und fand die viennale eigentlich immer gut, interessant. Dass mal kritik an dem ö. Film, der in tristesse und 'prolomilieu' verliebt ist, find ich gut. anzumerken ist vielleicht noch, dass sehrwohl peppige interessante filme von ö. FilmemacherInnen realisiert wurden, die fetten jahre sind vorbei etwa, und viele andere. Auch das ist ö. Film, nur eben nicht ö. gefördert. Man müsste vielleicht mal die förderkriterien hinterfragen. Super jedenfalls dass es die viennale gibt!

"die fetten jahre sind vorbei" ist ein deutscher film eines österreichischen regisseurs, der sowohl auch aus mitteln der österreichischen filmförderung finanziert wurde.

Habe bewusst den film eines ö. Regisseurs, der meines wissens nach auch von einer wiener filmproduktionsfirma umgesetzt wurde als ö. Film bezeichnet. Mir ist schon klar, dass er unter deutscher film lief, was ich aber nicht ganz richtig und auch schade finde und dass er x preise in d einheimste, nebst cannes, in ö keinen, zumindest nicht dh wüsste. Dass es auch ö fördermittel gab, wusste ich nicht. Wäre doch gut wenn mehr solcher filme gefördert würden. Abseits von einer tristesse, die wirklich nicht das einzige sein kann, was zeitgenössisches filmschaffen zu bieten haben kann.

Ich war hochzufrieden

mit der diesjährigen Viennale. Die österreichischen Filme sind mir sowieso über die kleinen Wiener Kinos zugänglich. Man muss halt das Programm im AUge behalten. Die Viennale soll mir bitte weiter chinesische, spanische, portugiesische (de Oliveira!), afrikansiche etc. Perlen mit einer Prise US-Blockbuster der Vergangenheit (dieses Jahr Alien um 24h im Gartenbau - ein Traum!) zeigen!

Also ich war hochzufrieden

mit der diesjährigen Viennale. Die österreichischen Filme sind mir sowieso über die kleinen Wiener Kinos zugänglich. Man muss halt das Programm im AUge behalten. Die Viennale soll mir bitte weiter chinesische, spanische, portugiesische, afrikansiche etc. Perlen mit einer Prise US-Blockbuster der Vergangenheit (dieses Jahr Alien um 24h im Gartenbau - ein Traum!) zeigen!

http://www.qeter.at/Viennale 2012

"Die Minderheit, die Seidls Film sehen möchte..."

Kann es sein, dass da jemand aufgrund der vollen Säle bei der Viennale einer leichte Verzerrung der Realität unterliegt und das Viennale-Programm für ein Mehrheitsprogramm hält?

Eh. Aber: Je subjektiver man argumentiert, desto genauer sollte man die Fakten checken, sonst wirds nämlich (leider) bissl lächerlich, weil man den Einduck macht, man hätte keine Ahnung, wovon man eigentlich redet.

Der Film heißt "The Strange Case of Wilhelm Reich".

“Ganz nebenbei: Ulrich Seidls Film hätte ich mir auch im Hauptabend nicht angesehen.“

Das ist aber - mit Verlaub - auch eigentlich nur persönliche Larmoyanz und schwerlich ein Argument.

Auch wenn man den Seidl nicht mag weil er prolo Filme macht, ist er doch einer der renommiertesten ö Filmemacher. Von der Schreiberin des Artikels hab ich noch nie gehört.

von ferry radax wahrscheinlich auch noch nie.

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