Wie Korallen um Hilfe rufen

9. November 2012, 18:49
  • Grünalgen (rechts) können Korallen schädigen, diese lassen sich deshalb 
von Grundeln helfen, die das Seegras fressen.
    foto: danielle dixson

    Grünalgen (rechts) können Korallen schädigen, diese lassen sich deshalb von Grundeln helfen, die das Seegras fressen.

Korallen geben im Notfall chemische Alarmsignale ins Meerwasser ab: Fische werden so angehalten, für Ordnung zu sorgen

Washington/Wien - Manche Lebewesen haben einen entscheidenden Nachteil, wenn sie es mit Feinden zu tun bekommen. Sie können nicht weglaufen, weil sie angewachsen sind. Pflanzen sind davon ebenso betroffen wie Korallen, die koloniebildenden Nesseltiere. Deshalb müssen sie sich auf andere Art und Weise schützen.

Eine tropische Steinkorallenart ruft im Notfall Fische herbei, berichten nun zwei US-Meeresbiologen im Wissenschaftsmagazin "Science": Kommt die Koralle mit den fadenförmigen Ausläufern einer giftigen Grünalge (Chlorodesmis fastigiata) in Kontakt, so wird sie durch darin enthaltene Giftstoffe geschädigt. Hilfe naht in Form kleiner bunter Grundeln, von denen zumindest ein Pärchen in den meisten Acropora-Korallenstöcken haust, berichten Mark Hay und seine Kollegin Danielle Dixson vom Georgia Institute of Technology in Atlanta.

Brachten die Biologen Steinkoralle und Grünalge gezielt in Kontakt, wurden die korallenbewohnenden Grundeln binnen Minuten aktiv: 15 Minuten nach dem Korallenalarm waren 70 Prozent der ansässigen Grundeln zur Stelle und entfernten die schädlichen Haaralgen. Eine bestimmte Grundelart fraß die Algen sogar und verbesserte auf diese Weise die Wirksamkeit ihres giftigen Hautschleims.

Aber wie bringen die Korallen die Fische dazu, erste Hilfe zu leisten? Wie Hay und Dixson herausfanden, sondert das Nesseltier Duftstoffe an das Meerwasser ab, die wiederum korallenbewohnende Grundeln zum Einschreiten animieren. "Die Evolution hat diese Fische mit der Fähigkeit versehen, auf die Duftstoffe der Koralle zu reagieren und sich unverzüglich des Problems anzunehmen", sagt Hay.

Der olfaktorische Hilferuf wird indes nicht von allen Fischen erhört. Werden Riffbarsche mit dem Algenproblem konfrontiert, räumen sie einfach das Feld. (tasch/DER STANDARD, 10./11. 11. 2012)

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Aber wie bringen die Korallen die Fische dazu, erste Hilfe zu leisten? Wie Hay und Dixson herausfanden, sondert das Nesseltier Duftstoffe an das Meerwasser ab, die wiederum korallenbewohnende Grundeln zum Einschreiten animieren. "Die Evolution hat diese Fische mit der Fähigkeit versehen, auf die Duftstoffe der Koralle zu reagieren und sich unverzüglich des Problems anzunehmen", sagt Hay.

Super Erklärung. Gratuliere!

"Werden Riffbarsche mit dem Algenproblem konfrontiert, räumen sie einfach das Feld."

Weil Barsche keine Pflanzenfresser sind

Denen grausts.
Kein Wunder, wenn die ihre Beute, die Grundeln durch den Algengenuss sogar giftiger werden.

afaik gibt es auch omnivore Riffbarsche aber du hast schon grundsätzlich recht das es keine reinen Pflanzenfresser sind und es daher weniger sinn macht einen solchen Mechanismus evolutionär zu erlangen.

Wahrscheinlich gibt es sogar vegane Riffbarsche

Ist ja eine natürliche Lebensweise oder so!

Das kann man so nicht generalisieren, dafür ist die Gruppe zu alt und zu groß.
Es gibt immer Tiere, die zu Herbivoren oder Carnivoren mutieren.
Siehe Pandabären oder mittlerweile ausgestorbene jagende Paarhufer.

"Die meisten sind Zooplanktonfresser (Gattungen Abudefduf, Chromis und Dascyllus), andere Allesfresser oder Algenfresser, wie die Gattung (Parma). Die Stegastes-Arten legen als Farmerfische Algenbeete auf abgestorbenen Korallenästen an, verteidigen diese und zupfen schlecht schmeckende Algen, damit die besser schmeckenden gedeihen."

Es gab jagende Paarhufer? Interessant!

Und VIELLEICHT hätte ich auch noch die Evolution von Walen und Delphinen reinschmeißen sollen D:
Die stammen auch von Huftieren ab, fanden aber Flossen besser. Manche jagen, manche warten darauf, dass das Essen zu ihnen kommt.

Wo habe ich meinen Kopf?

https://en.wikipedia.org/wiki/Andrewsarchus den hätt ich auch gleich verlinken sollen

sag nie "Kuh" zu der.

Lol danke, hab implizit auf einen Link gehofft, wollt aber kein justfuckinggoogleityourself bekommen ^^

Ich lieg im Gras, über mir 'ne Kuh sie frisst mich auf und ich seh zu...

Oh ja. Fleisch fressen sogar Herbivoren, wenn keiner hinguckt. Auf Youtube gibts ein Video von einem Reh, das einen Vogel auffrisst&eine Kuh, die ein Küken isst.

Hier gibts Hufräuber

http://www.paleocene-mammals.de/predators.htm

Die Großen sind Carnivora, so wie wirs gewohnt sind. Wir leben allerdings auch seit ca. 65 Millionen Jahren in einer, äh, kosmischen Friedensperiode, die nur von Eiszeiten und Kontinentaldrift etwas herumgerüttelt wurde, die Veränderungen sind heute nicht mehr so krass wie nach großen Impakten.

Vögel sind ein gutes Beispiel für Pflanzenfresser, die aus Fleischfressern entstanden. Man kann davon ausgehen, dass die Vorfahren der Vögel mindestens insektivor waren, auf jeden Fall Jäger.

im übrigen entspringen die wale aus dem inneren des paarhufer-stammbaumes, was sie zu so etwas "huflosen fleischfressenden paarhufern" mit durchwegs herbivorer verwandtschaft macht.

Ja aber "Algen" ist in diesem Zusammenhang eine Null-Aussage weil damit alles von Bakterien über Protisten bist Pflanzen gemeint sein kann. Sagen wir so, die Familie ist wohl zu groß um das generalisieren zu können aber es macht insofern sinn als das sie möglicherweise phylogenetisch von carnivoren abstammen und daher solch spezielle evolutionäre Mechanismen nicht besitzen. Aber ich muss ehrlich sagen hier hab ich viel zu wenig Ahnung um das sicher sagen zu können.

Carnivor und Herbivor ist nicht sooo weit voneinander weg, wie es oft präsentiert wird. Herbivoren sind aber fast immer zur Verdauung auf Bakteriensymbionten angewiesen. Tiere sind trotzdem alle sehr ähnlich.

Ach, Biologie ist 100% Unsicherheit und nachgucken bzw. Austausch, das ist ja das Schöne ;)

Auch wenns eine wahnsinnig blöde Argumentationsschiene an anderen Stellen wäre:
Wenn Riffbarsche nicht theoretisch durch Fressen an der Putzerei beteiligt wären, wäre ihr praktisches faules Wegbleiben auch nicht weiter erwähnenswert für die Ersteller der Studie, die vom Artikelschreiber übernommen wurde.

Also sogar Algen im weiteren Sinne "Irgendwas mit Photosynthese", vor allem wenn es quasi angebaut wird, würde ich eher wie Pflanzen sehen, nicht mobile Tiere. Keine Jagd nötig.

Grundsätzlich gibts keine statische Ernährungsweisen irgendwelcher Tiergruppen: Angebot verändert sich -> flexible Umsteller sind fitter/überleben->bam! neue Spezies

Deutsch?

Ich gebe auch gebe einen Kommentar hier ab... :)

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