Der Beauftragte wird's schon richten

Analyse9. November 2012, 18:29
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Wiener Stadtpolitik will die Bürger bei Projekten möglichst frühzeitig einbinden

Wenn es nach Maria Vassilakou geht, dürfte Wien ruhig Barcelona werden. Denn die katalanische Metropole hat etwas, das die grüne Stadträtin für Verkehr-, Planung und Bürgerbeteiligung auch gerne hätte, wie sie vor kurzem vor versammelten Bürgerinitiativen in Transdanubien betonte: eigenes Personal für Bürgerbeteiligung.

Die Wiener Grünen, die vor ihrer Regierungsbeteiligung stets verlässlich dort zu finden waren, wo sich empörte Bürger Luft machten, müssen nun selbst Wege suchen, um vor allem die grüne Klientel bei Laune zu halten und Konflikte möglichst im Vorfeld abzufedern.

Das Gefühl, dass die eigenen Anliegen ernst genommen werden, sollen diverse städtische Beauftragte vermitteln. Erst diese Woche wurde die Fußgängerbeauftragte Petra Jens vorgestellt. Sie soll dafür sorgen, dass die Menschen in Wien sicher zu Fuß unterwegs sind und sich künftig auf fußgängerfreudlichen Routen durch die Stadt bewegen können. Zudem besitzt Jens die nötige "street credibility", hat sie doch vor einigen Jahren mit ihrer Anti-Hundekot-Kampagane die damals absolut rot regierte Stadt gewaltig unter Druck gesetzt.

Stimmung und Schnittstelle

Die Installation eines Radverkehrsbeauftragten hatte sich die grüne Rathaustruppe, bereits bei den Koalitionsverhandlungen mit der SP ausbedungen. Martin Blum, davor beim Verkehrsclub Österreich, leitet seit einem Jahr die Radagentur und soll Stimmung fürs Radfahren machen und Schnittstelle zwischen Magistrat und der wachsenden Radler-Community sein.

Ansonsten lautet das grüne Credo bei Projekten wie der Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße oder der Neugestaltung des Schwedenplatzes: die Anrainer möglichst früh einbinden, auch wenn sie " den Leuten oft klarmachen müssen, dass wir nicht übers Wasser gehen können", wie es ein Wiener Grüner formuliert.

Vielleicht wird das auch gar nicht erwartet. Den größten Applaus bekam Vassilakou bei ihrem Treffen mit den Bürgerinitiativen nämlich als sie sagte: "Man kann es nicht allen recht machen". (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 10.11.2012)

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