Walulisos Nachfolger

9. November 2012, 18:26
69 Postings

Wiiederkehrende Sätze wie "Mehr miteinander, Lösung für Österreich finden ..." oder "gemeinsam an einen Tisch, und nicht aufstehen, bis wir Lösung haben ..." zeugten doch von Konsensgeist

Manch einer erinnert sich an Waluliso. Mit Olivenzweigen bekränzt und in Togalook durchstreifte der Prediger Wien mit "Friede, Friede!"-Rufen und wurde berühmt. Als Frank Stronach auf den Küniglberg (in die ZiB 2) herabstieg, um mit seiner Parteiwahrheit das Land zu erlösen, schien jedenfalls in ihm ein Waluliso-Nachfolger zu entstehen. Immerhin neigt er ebenfalls zur Repetition ("Noamoal: Wahrheit, Transparenz und Fairness!"). Dieser Eindruck ist nun zu korrigieren.

Nicht Stronach beerbt Waluliso, sondern sein neuer Clubchef Robert Lugar. Dies ist aus seiner TV-Präsenz zu schließen. Er sagte am runden Tisch zwar nicht "Friede" und wirkte gerne als Bauchrednerpuppe Stronachs. Wiederkehrende Sätze wie "Mehr miteinander, Lösung für Österreich finden ..." oder "gemeinsam an einen Tisch, und nicht aufstehen, bis wir Lösung haben ..." zeugten (zwar inhaltsleer) aber doch von Konsensgeist. Dabei saß er allen anderen Clubleuten gegenüber.

Josef Cap (Genie der simulierten Entrüstung) war dabei. Auch der erregte H.-C. Strache wie Josef Bucher, dem Strache erzählte, dass Lugar einst bei der FPÖ anheuern wollte. Und Eva Glawischnig, die ungehässig blieb. Nur die schrullige ÖVP blieb fern, um nicht an einer " öffentlich-rechtlichen Alibiaktion teilzunehmen."

In dieser Anklage/Verhör-Session blieb Lugar jedenfalls freundlich, irgendwie Waluliso-artig. War eine gewisse Leistung bei diesem ungleich gewichteten runden Tisch, der aber immerhin den Zustand der TV-Politikdiskussion im Lande entlarvend einfangen konnte. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

Share if you care.