"Was die Spieler wollen, interessiert mich nicht"

Interview
9. November 2012, 18:16

Am 14. November 1992 starb der "Wödmasta" - In einer neuen Biografie veröffentlicht Autor Klaus Dermutz auch zwei Interviews

Welche Fähigkeiten sollte ein Fußballtrainer mitbringen?

Happel: Die besten Fähigkeiten sind, wenn er von Beginn im Praktischen beschäftigt gewesen ist, dass er von Beginn gewisse Jahre bei Spitzenklubs gespielt hat, das ist die Grundvoraussetzung. Wenn ein Fußballtrainer nie Fußball gespielt hat, kann er nie ein Trainer werden. Das ist der Grundvorsatz, dass er selbst aktiv war, auf einem bestimmten Niveau gespielt hat, wie Beckenbauer, Cruyff etc., aber es ist natürlich nicht gesagt, dass das immer ein guter Trainer sein muss, aber zu 90 Prozent muss er es absolut sein.

Wie ist Ihre Selbsteinschätzung als Trainer?

Happel: Da müssen Sie die anderen fragen, da dürfen Sie mich nicht fragen. Was soll die Selbsteinschätzung, man soll sich nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen, man muss alle Voraussetzungen mitbringen, die den Fußball betreffen. Erstens einmal der konditionelle Aufbau von die Spieler, zweitens das taktische Vermögen, man muss immer bei der Zeit sein, es ändert sich innerhalb von drei, vier, fünf Jahren, da kommt meistens ein neues System oder neue Varianten. Es ist natürlich nicht gesagt, dass man das anpassen muss, man muss das Spielermaterial dafür auch haben. Und der schwerste Punkt ist die Technik: Wenn der Spieler nicht den Ball beherrscht, sondern der Ball beherrscht den Spieler, dann ist es natürlich vorbei.

Sie haben ein besonderes Gespür in schwierigen Situationen?

Happel: Man muss in erster Linie eine gute Mannschaft haben. Man kann aus keinem Esel ein Rennpferd machen. Man muss dann sehr intensiv arbeiten, taktisch versiert sein und auch die richtige Mischung innerhalb der Mannschaft finden. Auch ist eine bestimmte autoritäre Disziplin notwendig.

Die Spieler wollen autoritär behandelt werden?

Happel: Was die Spieler wollen, interessiert mich nicht. Man muss in erster Linie Mensch sein. Man kann hart auftreten, ohne Brutalität, aber menschlich. Die Spieler müssen Respekt haben. Ein Spieler kann nur Respekt haben, wenn er überzeugt ist, dass der Trainer ein Fachmann ist und die Materie beherrscht, sonst lachen die Spieler den Trainer aus.

Haben Sie eine große Distanz zu den Spielern?

Happel: Mit den jüngeren Spielern muss ich mich jetzt mehr befassen, aber normalerweise hab' ich mehr Distanz. Ich hab' mit den Spielern zu arbeiten, aber privat habe ich keinen Umgang, ich geh' mit Spielern keinen Wein trinken.

Das schätzen die Spieler?

Happel: Die Spieler sind gar nicht interessiert, dass ich dabei bin, wenn sie etwas trinken. Das ist auf alle Fälle eine Distanz. Ich bin mit ihnen per Du, und die Spieler müssen Sie zu mir sagen. Das ist normal, aber wie gesagt, du musst trotzdem menschlich sein, du kannst die Spieler nicht wie einen Hund behandeln. Ab und zu machst ein Donnerwetter, dass die Fensterscheiben scheppern, aber wenn du das jeden Tag machst, geht das bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus.

Ärgern Sie sich manchmal, wenn Sie die Spiele in Österreich sehen?

Happel: Man ärgert sich schon, es hat das wenig mit Fußball zu tun, was man an Spielen sieht in Österreich, erstens einmal hapert's bei uns mit der Einstellung, es hapert schon einmal an Klasse.

Liegt es an der österreichischen Mentalität?

Happel: Das ist eine Einstellungssache, eine Charaktersache und eine Mentalitätssache. Wir sind ein eigenes Kapitel, die Österreicher, das war schon zu meiner Zeit auch so, aber wir waren früher prozentabel gesehen bessere Fußballer, die immer weniger werden. Die Klassespieler, die wir haben, kommen international auch nicht heraus. Erstens einmal sind solche Spieler in einem bestimmten Moment wie die Mimosen, sie sind labil, leider, die Qualität hätte er, aber er ist eben wie eine Mimose, labil, zwei Mal steigen sie ihm aufs Pratzerl, und er resigniert, oder Real Madrid hat vier Spieler, die wir nicht haben, Real ist eine bessere Mannschaft wie mir, das müssen sie erst beweisen, so kann man nicht auf ein Spielfeld laufen, im Gegenteil, wenn ich gegen Real spiele, kann ich nichts verlieren, [...] jede Mannschaft ist in einem bestimmten Moment zu schlagen, was heißt, sie haben vier bessere Spieler und sie haben eine bessere Mannschaft, das müssen sie erst beweisen [...]. Wenn ich einem Holländer irgendetwas sage, so wird der sich überlegen, was sagt der Trainer, der muss ein bissl deppert sein, der Trainer, der wird schauen, dem werde ich's jetzt beweisen, der wird schauen. Wenn ich einem Spieler in Österreich etwas sage, ist er im Keller, den kannst du wegschmeißen [...].

Glauben Sie, dass es Gott gibt?

Happel: An irgendwas muss man glauben, aber ich glaub' auf keinen Gott nicht.

Sie denken, dass es mit dem Tod aus ist?

Happel: Ich stelle mir vor, was weiß ich, ich komme vielleicht noch einmal auf die Welt, aber nicht als Mensch, sondern als irgendetwas anderes, kann sein, ich weiß nicht, ich tu' mich weniger damit beschäftigen. Was ist nach meinem Tod? Erstens einmal, wir sind alle Menschen, und wenn man die Tiere nimmt, ist es nur ein Kurzurlaub, den wir auf Erden sind. [...] Was ist das menschliche Leben, das ist ja nix, pffft und es ist weg, [...], der eine hat ein glückliches Leben, der andere hat ein unglückliches Leben, der eine lebt in einem bestimmten Wohlstand, der andere in einer Armut, wie man sagt, da kann dir Gott auch nicht helfen.

Was war für Sie das Schönste außerhalb vom Fußball?

Happel: Auch in der schwersten Zeit hab' ich keinen Hunger nicht gelitten, ich bin bei meiner Großmutter aufgezogen worden, die hat selber sieben Kinder gehabt, mir ist da auch nichts abgegangen, ich konnte, wenn der Gummiball kaputt war, ihn jeden Tag flicken lassen, ist der Gummiball nicht mehr zum Flicken gewesen, hab' ich einen neuen gekauft, also da hab' ich keine Not nicht gehabt. Ich war immer so ein Rotzjunge, wie man sagt, [...] ich habe mich sehr minimal angepasst, ich will nicht in einem gewissen Drill sein [...]. Das Einzige, was für mich ein bisschen hart war und enttäuschend, dass ich in jungen Jahren nach Russland gekommen bin, als 17-Jähriger in den Krieg.

Was ist der Sinn des Ganzen?

Happel: Du musst hoch beschäftigt sein in dem Beruf, in dem du bist, dass du immer auf das Maximale gehst. Dass du deine Arbeit so verrichtest, dass du deinen Arbeitgeber zufriedenstellst. Dass du deinen Verpflichtungen nachkommst, und eben, wie es bei uns im Sport ist, dass du das Maximale rausholst und dass du einen Erfolg hast. Mehr kann ich nicht tun. Wenn der Erfolg ausbleibt, hab' ich ein Pech gehabt, aber ich kann mir keinen Vorwurf machen, dass ich nicht arbeiten tu', dass ich das Maximale nicht probiert hab'.

So nüchtern sehen Sie das?

Happel: Du kannst natürlich nur mit den Riemen rudern, die du zur Verfügung hast.

Aus der Biografie "Ernst Happel Genie und Grantler", geschrieben von Klaus Dermutz, Verlag die Werkstatt 2012 320 Seiten, 19,90 Euro 

(DER STANDARD, 10./11.11.1012)

ERNST HAPPEL (1925-1992) zählt mit 16 Titeln zu den zehn erfolgreichsten Trainern aller Zeiten. Der Wiener, als Rapid-Verteidiger sechsmal Meister und mit der Nationalmannschaft bei der WM 1954 Dritter, betreute unter anderem Feyenoord Rotterdam (Meistercup und Weltpokal 1970), den HSV (Meistercup 1982), den FC Tirol (zweimal Meister, einmal Cupsieger), das niederländische Team (Vizeweltmeister 1978) und in den letzten elf Monaten bis zu seinem Tod noch das österreichische Nationalteam. ORF 1 zeigt am 11. November in "Sport am Sonntag" (18 Uhr) eine Happel-Doku.

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Ich habe E. Happel in Seefeld am Nebentisch mit F.Beckenbauer F.Konzillia und einem mir unbekannten Reporter reden gehört. Sprach Happel war es muckmäusen still. Das ganze Cafe Moccamühle war vollkommen still, alle hörten gespannt seine Worte.

Ein großer Trainer vielleicht der größte aller Zeiten.
Fakt!

...ich war landesverbandstrainer und happel war als gasttrainer

bei uns um den besten jugendlichen (leistungsspieler ~12-14 Jahre) zu trainieren. vorm training lästerten die jungs "wos wüh der oide sud!" dann hat er hürden aufgestellt. die jungs mussten den ball unterhalb durchschieben und über die hürde laufen, zwischen den hürden den ball pendeln! sie sind herumgewatschelt wie die enten. dann zeigte der alte sud wie´s geht. da sah man sein gefühl, timing und die absolute ballbeherrschung. aus dem stand schoß er den ball 2x links ins kreuzeck & dann ins andere, wie er wollte.... unglaublich war das, aber es war einfach der wöltmasta...

leider

hat sich in 22 jahren nix verändert. er hat immer noch recht.
http://www.youtube.com/watch?v=f-qCfiH7aO4

die doku im orf

"ernst happel - als jose mourinho ein österreicher war" fand ich echt gelungen, gänsehautfeeling.

als jose mourinho ein österreicher war hieß er übrigens josef möhringer

Ich glaub auf keinen Gott nicht

vorausgesetzt, dass ich den Satz richtig verstehe muss ich ihm Recht geben.

Es muß irgendetwas gegeben haben, was er konnte oder mitbrachte, vom Fachlichen wie vom Menschlichen, was ihn zu einem der absoluten Top Trainer seiner Zeit gemacht hat. Dieses etwas erschließt sich uns sehr indirekt. In der heutigen TV Doku blieb es bei der Mythologisierung, und in diesen Ausschnitten hier ist auch wenig Substanz, das finde ich etwas schade. Naja, vielleicht ist in der Biographie mehr Aussage.

er hat neue spielsysteme eingeführt und war "trendsetter". unsere trainer sind ja keine kreativen sondern nur geistige vorstopper...

Eine Ausnahmeerscheinung wie Happel ist nicht planbar, nicht konzipierbar.

Solch einzigartige Charaktere sind aber auch geprägt durch diverese Lebensumstände und verkörpern zu ihren Zeiten state of the art. Und Happel war natürlich ein extrem cooler Hund.

Versucht man aber so etwas zu kopieren, wird man automatisch bestenfalls Zweiter. Die messianische Verklärung kaschiert meist nichts anderes die Unfähigkeit jeweils Verantwortlichen, die sich in seinem Schatten zu sonnen versuchen, siehe u.a. Constantini.

Happel hat Standards gesetzt - aber heute muss man auf Guardiola, van gaal, Klopp, Mourinho, Wenger aufbauen, um den Fussball weiterzubringen.

Ob sich Constantini im Schatten Happels gesonnt hat,

oder nicht, können weder Sie noch ich beurteilen. Ich glaube das eher nicht.
Ohne Constantini hätten wir heute nicht Leute wie Alaba (welchen er bereits als Austria-Trainer in die Kampfmannschaft holte!) oder Dragovic im NT.

gesonnt oder nicht.
auf jeden Fall hat er nix gelernt.
Happel: Ich glaube meine große Stärke ist die Taktik
Dico: Taktik ist überbewertet
Wenn er den Happel auch nur ansatzweise vertanden hätte, wäre ihm so ein Satz nie über die Lippen gekommen

Naja, mit Verweisen auf seine Zeit als Assistenztrainer Happels im NT hat DC ja selbst versucht, seine Kompetenz zu legitimieren.
Die Annahme, irgendein österreichischer Teamchef hätte Alaba oder Drago ignorieren können ist allerdings gewagt bzw. wäre das ähnlich unsinnig wie die Personalpolitik, die Dico im Team vollführt hat.
Nur, eigentlich ist es viel zu viel der Ehre für diesen unsäglichen Constantini, über ihn unter einem Happel-Artikel zu diskutieren. Mein Seitenhieb oben war da eigentlich schon zu viel.
Ehre wem Ehre gebührt - aber, was ich eigentlich damit sagen wollte, war, dass unreflektierte mystifizierende Heldenverehrung der eigenen Entwicklung auch im Weg stehen kann.

Eigentlich...

...heißt das ja mittlerweile ORFeins. Im Übrigen finde ich die Happel'sche Sprechweise sogar angenehm zu lesen.

ich du er Sie und das grosse es bei solchen leuten

Ich bin mit ihnen per Du, und die Spieler müssen Sie zu mir sagen.

meinte eine klavierlehrerin zu mir und ich war da schon 24 jahre ... hab ich mir gedacht welche eine urschel ist denn das

Möglicherweise war sie eine Urschl. Der Happel war ein Idol, ein (Fußball)gott. Das wird doch wohl ein Unterschied sein.

tolles Video für alle jüngeren User...

..die Ernst Happel nicht mehr bewusst wahrgenommen hat (Interview mit Ernst Happel (ORF, Sommer 1990)

http://www.youtube.com/watch?v=f-qCfiH7aO4

dass nur ex-spieler trainer sein können..

.. is natürlich blödsinn. ich würd sogar sagen dass das einer der hauptgründe der misere des österreichischen fussballs ist dass jahrelang nur ex-spieler ohne grips und taktisches verständnis auf die spieler losgelassen wurde.

dann sind das ex-spieler ohne taktisches verständnis.

es gibt auch ex spieler, die ahnung haben... (müssen ja nicht super nationalspieler gewesen sein).

happels these, dass ein trainer selbst fußballprofi gewesen sein muss bzw. sogar bei spitzenclubs gespielt haben sollte, widerlegt mourinho ja ziemlich klar.

überhaupt entspricht einiges von damals bzw von happels methoden nicht mehr dem heutigen stand. der diktator-typ bei dem die spieler zu guschen haben, ist nicht mehr zeitgemäß. die psychologischen, sozialen und rhetorischen voraussetzungen sind enorm gestiegen!

happel war aber zweifellos einer der größten trainern, die es jemals gegeben hat. im gegensatz zu mancher trainergröße von heute, war happel keiner, der ein starensemble brauchte, um erfolg zu haben. er schaffte es, aus den vorhandenen mitteln ein erfolgreiches, schlagkräftiges team zu formen.

naja

das war halt vor 30-40 jahren auch eine andere zeit.
die Sportwissenschaft, Pädagogik und wahrscheinlich die gesamte gesellschaft hat sich entwickelt.
Nur das Trainer als echte Fachleute anerkannt sein müssen, damit Spieler sie ernst nehmen stimmt.
Ausserhalb Österreichs ist es jedem Spitzensportler wurscht wie ihn der trainer anspricht sofern er fachliche Qualität hat und cit happel " menschlich behandelt" wird

...widerlegt mourinho ja ziemlich klar.

Nix tut er! Mit DEM Material kann auch ein Schimpanse den Startrainer markieren. Setz den Mourinho einmal auf die Bank von Rabbied und schnell ist's vorbei mit dem Startrainer-Mythos, spätestens nach einer Blamage gegen St. Andrä-Warzentee oder Schlapfenberg oder Krummnussbaum.!

Der Mourinho wieß gar nicht, was es bedeutet, aus finanziellen Gründen auf gewünschte Spieler verzichten zu müssen, der lebt in einem 24x365-Wunschkonzert! Der hat Spieler auf der Ersatzbank, für die jeder österr. Trainer auf den Brustwarzen über den halben Erdball robben würde ...

Mourinho übernimmt Mannschaften die dank guter Arbeit des vorherigen Trainers super dastehen, kauft dann nochmal dazu was geht und holt Titel. Das ist etwas ganz Anderes als Happel und war für ihn wohl nicht vorstellbar.

Wieso sich die Mourinhoverehrer ständig genötigt fühlen ihren Götzen überall wo es nur irgendwo möglich ist zu erwähnen... muss was mit Komplexen zu tun haben.

Klar, drum hat ja der FC Chelsea die letzten 10 Jahre jeden Titel gewonnen. Bei dem Spielermaterial ist das ja ein Selbstläufer. Gerade so große Egos wie Mourinho sie trainiert sind schwer unter Kontrolle zu halten. Und der Erfolg bei Real ist auch noch eher bescheiden.

Und wie oft hat jetzt genau mouuuuuuuu den weltpokal gewonnen?

Wie oft die CL? (Unter Happel war das noch der EC der Meister)

bin auch alles andere als ein mourinho-fan, aber eine gewisse klasse kann man ihm nicht absprechen.

überall wo er war, hatte er erfolg. mit porto muss man nicht unbedingt die CL gewinnen, mit chelsea hatte er dsbzgl. weiniger glück, wurde dafür aber auf anhieb 2mal meister. mit inter übernahm er dann wieder das damals stärkste team der liga, aber auch mit dieser truppe musste man nicht die CL holen.

ja, real stellt ihm natürlich ein starensemble plus ein paar wunschspieler zur verfügung, aber immerhin musste er in der primera division gegen ein jahrhunderteam ankämpfen u schaffte es schon in seinem 2. jahr vor diesem die meisterschaft zu holen. was wiegt's, das hat's.

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