Wien, die Stadt ohne Becken

9. November 2012, 18:16
34 Postings

Stadthallenbad, kein Wettkampfpool für Schwimmer vorhanden

In der selbsternannten Sportstadt Wien existiert seit Beginn der Sanierungsarbeiten des Stadthallenbades im Mai 2010 kein einziges überdachtes 50-Meter-Wettkampfbecken. Daran leiden nicht nur, aber auch Österreichs Spitzenschwimmer, die trainieren und sich für Großereignisse qualifizieren wollen. Zum dritten Mal in Folge muss die Aqua Nova in Wiener Neustadt schon Ausweichquartier für das Ströck-Qualifying spielen, seit Freitag und noch bis Sonntag geht es um Tickets für die Kurzbahn-EM in Chartres und für die Kurzbahn-WM in Istanbul.

Die grandios gescheiterte Runderneuerung des Stadthallenbades nährt Zweifel, dass Wien auch in den nächsten Jahren Schwimm-Wettkämpfe austragen kann. Mehr noch: Die Infrastruktur in der Stadt ist derart eklatant, dass Athleten wie der derzeit gesperrte Olympia-Vierte Dinko Jukic lieber im Ausland trainieren. Die Wasserspringer müssen das sogar, in ganz Österreich gibt es keinen geeigneten, überdachten Zehn-Meter-Turm.

Die politisch Verantwortlichen haben diesbezüglich keinen Stress. "Der Abschluss des gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens im Stadthallenbad wird für Ende des Jahres erwartet", sagt Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SP) dem Standard. Die Arbeiten im Bad ruhen seit Jänner 2012. Seither untersuchen Sachverständige Ursachen und Zuständigkeiten für tropfende Becken und bröckelnde Fliesen. Erst kürzlich wurde wieder ein wenig Wasser in die Becken eingelassen. "Es hat wenig überraschend noch immer getropft", sagt Oxonitsch.

Vielleicht nie wieder geöffnet

Wann und ob überhaupt das Bad jemals wieder geöffnet werden kann, darüber will Oxonitsch keine Spekulationen anstellen. "Alles ist möglich" , sagt er. "Aber ich gehe davon aus, dass das Bad wieder aufsperren wird." ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb sieht "18,6 Millionen Euro an Steuergeldern in der Ruine Stadthallenbad versenkt. Wir stehen wieder am Anfang. Und keiner weiß, wie es weitergeht."

Ob ein geplantes Schwimmsportzentrum in Wien überhaupt zustande kommt, ist ebenfalls fraglich. Die Stadt ließ eine Machbarkeitsstudie durchführen, bis Ende des Jahres erwartet Oxonitsch Ergebnisse. Ursprünglich hätte die Studie im September erste Zwischenresultate liefern sollen, dazu kam es nicht.

Möglich wäre etwa die Überdachung von Teilen des Stadionbades samt 50-Meter-Becken und Sprungturm zur exklusiven Nutzung für Vereinssportler. Allerdings wollen sich politische Player auch bei diesem Projekt nicht festlegen: Sollten alle Vorschläge zu teuer sein, könnte auch nichts gemacht werden. Womit es in der Millionenstadt Wien bis auf Weiteres kein 50-m-Becken für Wettkämpfe gibt. (David Krutzler, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

Share if you care.