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vergrößern 800x500Ein ganzes Viertel mit zehntausenden Wohnungen entsteht beim neuen Wiener Hauptbahnhof. Bis jetzt gibt es dazu kaum Regung aus der Bevölkerung.
Mehr Anschauungsmaterial finden Sie in der Ansichtssache: Wo Wien ordentliche Stadtplanung braucht

Mehr Bürgerbeteiligung könnten auch andere Gegenden in Wien gebrauchen, findet Kulturtheoretikerin Elke Krasny.
Wien - Wien ist anders. Und das nicht nur im Sinne von Hans Weigel, der den Ausdruck 1977 geprägt hat. Während in den vergangenen 50 Jahren weltweit 370 Städte mindestens zehn Prozent ihrer Bevölkerung verloren haben, wächst Wien mit jedem Jahr um rund 20.000 Bewohner. Doch wie geht die Metropole mit den Herausforderungen um, die Wachstum mit sich bringt? Bei einem Spaziergang zu wichtigen Plätzen charakterisiert Elke Krasny, Stadtforscherin und Kuratorin der Ausstellung Hands-On Urbanism im Sommer im Museumsquartier, das Wien von heute.
Start ist der Morzinplatz im ersten Bezirk, wo während des Nationalsozialismus die Gestapo im ehemaligen Hotel Métropole untergebracht war. Die Begegnung mit der Vergangenheit fällt schwer, fast verschämt auf der Rückseite des Leopold-Figl-Hofes, eingezwängt zwischen einem Sonnenstudio und einem Möbelgeschäft, findet sich die Gedenkstätte. Wer sie betreten will, muss erst einen Termin vereinbaren, steht auf einem Zettel.
"Ich habe Morzin- und Schwedenplatz gewählt, weil es auch für viele Touristen der Eintrittspunkt ist", sagt Krasny. Zukunftsfähigkeit bedeutet auch, einen würdiger Umgang mit der eigenen Geschichte zu finden. Am Morzinplatz gibt es immer wieder Versuche, etwa die geplante Aufstellung eines Mahnmals für verfolgte sexuelle Minderheiten im Zweiten Weltkrieg. Wer es nicht weiß, sieht es kaum: Die Wiese ziert ein Schriftzug aus Unkraut. "Zu spät" steht da. "Ein Denkmal muss nicht in Stein gemeißelt sein", meint Krasny. Auf diese Weise könnte der Ort künstlerisch immer wieder neu bespielt werden.
Auf der gegenüberliegenden Seite ortet Krasny "Investitionslogik". Das von Jean Nouvel designte Sofitel markiert den Dachausbauboom, der in Wien seit Jahren Einzug hält. Das Haus daneben ist wiederum ein Gemeindebau. "More of the difference", fasst die Stadtforscherin zusammen: Stadt ist heterogen. Aber ist sie allen zugänglich? Wer im Sofitel in die Bar will, muss einige soziale Spielregeln beherrschen - von der Rezeption bis zum Empfang. "Die Verhältnisse dürfen sich nicht zu sehr verschieben." In einer gerechten Stadt muss es Ausgleich zum Exklusiven geben. Nur: Mit wem und vor allem wie erarbeitet man die Verhältnisse? Denn im Gegensatz zu schrumpfenden Städten gibt es wenig Forschung über wachsende Metropolen in Europa.
"Partizipation darf von Politikern nicht als Übung verstanden werden", sagt Krasny. Umgekehrt sei das Interesse der Bürger an direkter Demokratie nicht überall so groß wie etwa beim Parkpickerl. "Da geht es um Individualinteressen. Aber ich wundere mich, dass es so wenig Teilnahme am neuen Zentralbahnhof gibt."
Beim Südtiroler Patz entsteht derzeit einer der größten Verkehrsknotenpunkte Europas - was in Deutschland wochenlange Proteste ausgelöst hat (Stuttgart 21), vollzieht sich in Wien vollkommen ungestört. "Nicht, dass es Proteste als Form der Teilnahme geben muss, aber es passiert gar nichts", meint Krasny. Wie auch am Schwedenplatz gibt es hier Angebote, sich zu informieren und einzubringen.
Am Bahnorama-Turm ist nichts los, zwei weitere Gäste kommen mit auf die Aufsichtsplattform, von der man einen Überblick über die Mega-Baustelle bekommt. Ein Schild fordert nach 15 Minuten zum Gehen auf, ein Mitarbeiter sorgt sich, Terroristen könnten Fotos für einen Anschlag verwenden. "Das ist auch so etwas: diese wachsende Angst. Sind unsere Städte wirklich unsicherer geworden?", fragt sich Krasny. Am Schwedenplatz wurden 2005 erstmals mobile Kameras der Polizei installiert, ein Beispiel, das Schule machte. Es sei ein Paradigma, mit derartigen Methoden eine sichere Stadt zu suggerieren.
Ein Identitätsproblem habe wiederum die Lerchenfelderstraße. "Sie schafft es nicht erfolgreich bei sich anzukommen", sagt Krasny. Viele Geschäfte stehen leer, es mangelt ihr an charmanten Lösungen für heiße Sommertage, ebenso wie für Regen. "Man will dort nicht flanieren, dabei würden simple, intelligente Eingriffe viel bewirken." (Text: Julia Herrnböck, DER STANDARD; Video: Maria von Usslar, derStandard.at; 9./10.11.2012)
Hitzetage in vergangenen Jahrzehnten um 50 Prozent häufiger geworden - Projekt von Stadt Wien und ZAMG sucht Städtebau-Maßnahmen für weniger Hitzebelastung
Im Hippviertel in Ottakring soll nun untersucht werden, wie Wien auch im innerstädtischen Bereich wachsen kann. In den Gründerzeitvierteln könnte durch Aufstockungen und Reaktivierung der Erdgeschoße neuer Wohnraum entstehen.
Erdgeschoßzonen sind die Visitenkarte eines Gebietes. Trotzdem stehen viele von ihnen leer oder verwahrlosen
Mit Hintergrundwissen aus den jeweiligen Grätzeln sollen verwaiste Erdgeschoße in Wiener Geschäftsstraßen aufgewertet werden
Stadtforscherin Elke Krasny hat vier Plätze herausgepickt, wo zukunftsweisende Gestaltung besonders wichtig ist
Hier wurde etwas verwechselt. Der "Mangel an charmanten Lösungen für Sommertage" ist keine Frage der Stadtplanung, sondern der Stadtteilentwicklung. Ähnliches könnte man z.B. auch für die Taborstraße behaupten - oder für die Ringstraße, die längt eine Entwicklung nötig hätte.
Meiner Ansicht nach hat die Stadt Wien ästhetisch schon lange kapituliert. Es fehlt den Verantwortlichen offenbar komplett an G´spür - und das ist schlimm, denn "von unten" kommt in dieser Stadt kaum etwas, leider auch kein Widerstand. Nach solchen enttäuschenden Erfahrungen wie dem kompletten Ignorieren der SUPerNOW-Ergebnisse auch kein Wunder. "Wachsende Stadt" heißt in Wien nur, immer mehr Beton in die Gegend zu kippen. Es ist ja prinzipiell sehr gut, zB. den öffentlichen Verkehr auszubauen, aber bitte nicht so wie die U2 in Richtung Transdanubien! "Zweckbau" ist in Wien zu Recht ein Schimpfwort.
Stadtplanung sollte doch mehr sein als die Planung von Grätzeln.
Ich meine: zuvorderst stünde ein zukunftsfähiges Stadtentwicklungskonzept, also eine Vision, wohin sich die Stadt in den nächsten 20 Jahren entwickeln sollte.
Dann sollten diesem Konzept entsprechende Flächenwidmungs- und Bebauungspläne folgen, die nicht auf bestimmte Anlässe reagieren, sondern das große Konzept umsetzen. Sie sollten mindestens 10 Jahre lang keine Änderungen zulassen, ausgenommen solche, deren Änderung zur Gefahrenabwendung nötig ist.
Schließlich dürften Baugenehmigungen nur im Rahmen dieser Pläne erfolgen, ohne Wenn und Aber, ohne Ausnahmen und für alles und jedes. Nur so etwas verdiente den Namen Stadtplanung.
Du hast eher von 10 Jahre einfrieren geschrieben.
Vor 10 dachte man, der Flughafen wird ein Dreh und Angelpunkt in Europa. Was ist daraus geworden? Nach der Krise gar nichts, die AUA Tiefrot, der Flughafen kämpft und mit dem Skylink (oder Terminal 3 wie er jetzt heißt), ist der ärgste Pfusch da.
10 Jahre keine Änderungen erlaubt? Das ist genau das was Stadtplanung im letzten Jahrhundert oft scheitern ließ: zu starre Planungsstrukturen. In Wirklichkeit muss man so bauen und planen, dass selbst mitten in der Umsetzung noch umgeplant und gegengesteuert werden kann wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Mit dogmatischen Zielvorgaben ist das schwer vereinbar.
Schwachsinnige als Ergebnis einer Planung ansehen. Planung wäre gewesen, wenn man aufgrund der Lärmbelastung und der Probleme, die auch Bratislava mit seinem Flughafen hat, einen bei Bedarf ausbaufähigen Flughafen für Wien und Bratislava auf der grünen Wiese auf halbem Weg zwischen den beiden Städten geplant hätte. Wenn man dann Schwechat wirklich hätte ausbauen müssen, hätte man auf diesen neuen Standort ausweichen und eine Lösung nicht für die nächsten 10, sondern 30 oder 40 Jahre finden können, die Trassierung der Lobauautobahn eingeschlossen, die ein Nicht-Planungsungeheuer von besonderer Qualität ist. Skylink und Lobauautobahn sind Musterbeispiele von Nichtplanung und größenwahnsinnige Hüftschüsse von Machtbesessenen.
man noch in der Umsetzung Änderungen benötigt?
Genau das ist ja das Übel, dass in Wien nicht nur eine schlechte, sondern gar keine Planung existiert, die diesen Namen verdiente, und damit die Gestaltung der Stadt den Anlasswidmungen - Sie wünschen, wir widmen - überlassen wurde. Ob absichtlich oder aus Unfähigkeit überlasse ich gerne Ihrer Beurteilung. Jedenfalls ist das die schlechteste aller denkbaren Methoden und öffnet zudem der Korruption Tür und Tor.
Das hat nichts mit schlecht planen zu tun, denn Planung basiert auf Grundgegebenheiten, die eben nicht fix sind, sondern ich ändern können. Da weder Sie noch ich noch sonst wer in die Zukunft schauen kann, ist es unmöglich so zu planen, dass es fuer Jahrzehnte keine Änderungen geben muss.
Unabhängig davon wie sich Wien so schlägt, der Irrglaube, man könnte starr etwas planen wie ganze Städte auszusehen haben, ohne Flexibilität in der Umsetzng, hat zu vielen großen Fehlschlägen der Stadtplanung des 20. Jh gefuehrt.
Dh nicht, dass man keine größere strategische Stadtplanung betreiben soll, sondern, dass diese flexibel genug aufgestellt sein muss. Starre 10 Jahrespläne wären eine Katastrophe.
meinen Vorschlag in einen 10-Jahresplan umzufunktionieren.
1. Natürlich ändern sich die Dinge, gerade dazu sollte ja eine Stadtplanung anreizen, nur eben in bestimmte Richtungen und nicht kreuz und quer.
2. Flächenwidmungen sollen keine starren Baugebote darstellen (was leider bei Bauten der Bauklasse VI heute gängige Praxis ist), sondern einen Rahmen, also Grenzen, innerhalb derer frei (mit gewissen Beschränkungen wie Baulinie udgl.) gestaltet werden kann und eine Anpassung an Bedürfnisse möglich ist.
Das alles ist das gerade Gegenteil von starrer Stadtplanung und dient zu deren Vermeidung. Alles andere hingegen fördert, wie man ja sieht, das totale planerische Chaos, dessen Ergebnisse nur die Korruption befördern.
wer die idee interessant findet: bitte auf http://www.facebook.com/groups/hi... parkvienna unterstützen. danke!
"unbekannte terroristen sprengten ein im bau befindliches shopping-center, die im bau befindliche öbb-zentrale und einige im bau befindliche billistwohnungs-wohnblöcke"
ein guter witz...
selbstverständlich gibts in wien keine nachhaltige bürgerfreundliche stadtplanung: es wird/wurde jede fläche in der stadt der totalkommerzialisierung unterworfen (und sei es nur, damit sich rathausmaxln und deren (baufirmen)freunderl weiterhin schamlos bereichern können):
sankt betonius blicke wohlwollend auf das tun deiner anhänger..
ekelig!!!
Von außen lässt sich sicher über das Aussehen streiten, innen find ich ihn ehrlich gesagt gelungen - speziell weil man die alte Halle erhalten hat. Die ist immer noch zeitgemäß, freundlich und hell. Die Geschäfte stören weniger - ist halt der übliche 08/15-Mix, nichts aufregendes. Besser ein Einkaufszentrum, das perfekt öffentlich angebunden ist als eines, das nur mittels Auto erreichbar ist, wie kürzlich anderswo eröffnet. Da und dort könnten noch ein paar Details ausgebessert werden (Uhr, große Abfahrtstafel etc.), aber im großen und ganzen kein schlechtes Projekt.
Innen ist er ganz ok, das stimmt. Für ein Einkaufszentrum, nicht für einen Bahnhof.
Die alte Halle wurde nur "erhalten" weil der Denkmalschutz es nicht erlaubt, auch daraus einen geschlossenen Metallwürfel zu machen. Man hat aber darauf geachtet, dass die Halle von zwei absolut nicht dazu passenden Ungetümern flankiert wird, die jeglichen Blick darauf verhindern.
Was Architektur eigentlich hätte leisten können? Ein zusammenpassendes Gesamtkonzept. Eine Einladung zum Betreten und Verweilen. Eine Lösung, wie man über den Gürtel kommt ohne unterirdische Umwege und ohne im Sprint zu versuchen, die Grünphasen zu erwischen. Die Verbindung von äußerer und innerer Mariahilferstraße. Schade drum.
gerade beim Hauptbahnhof muss man ja sagen, das hat man ja ganz gezielt verhindert!
so wie bei anderen Stadtplanungsprojekten auch: die Meinung der Bevölkerung ist in höchstem Grade unerwünscht - besonders dann, wenn es um Investorenprojekte und viel Geld geht!
Beispiel: das eben fertiggestellte Monstrum "Wien Mitte"
ich könnte mich zwar nicht an irgendwelche bürgerbeteiligungsverfahren erinnern, aber sofern ich weiß gibt es für die anrainer bzw. interessierten eine direkte ansprechsperson bei fragen, anregungen und Beschwerden.
ist zwar noch immer keine großartige beteiligung, aber verhindern ist mMn etwas anderes.
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