Berufseinsteiger werden immer unzufriedener

12. November 2012, 10:11
  • Der Blick in die Zukunft fällt bei den Jungen pessimistischer aus.
    foto: apa/dpa/carstensen

    Der Blick in die Zukunft fällt bei den Jungen pessimistischer aus.

  • Zahlen aus dem Arbeitsklima-Index.
    grafik: apa

    Zahlen aus dem Arbeitsklima-Index.

Nur 54 Prozent der jungen Beschäftigten sind mit ihren beruflichen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden

Wien - Berufseinsteiger werden immer unzufriedener. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklima-Index, der von der Arbeiterkammer präsentiert wurde. Bei jungen Arbeitnehmern ist er von 118 auf 109 Punkte abgestürzt. Nur mehr 54 Prozent sind mit ihren beruflichen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden. Das ist eine Verschlechterung um 17 Prozentpunkte.

Auch der Optimismus für die wirtschaftliche Zukunft des Landes ist von 72 Prozent im Herbst 2010 auf aktuell 63 Prozent gesunken. Nur noch 68 Prozent sind mit dem Führungsstil der Vorgesetzten zufrieden (minus zehn Prozentpunkte seit Herbst 2010). Der Anteil der Berufseinsteiger, die wegen des Jobs psychisch sehr oder ziemlich belastet sind, hat sich in den letzten zwei Jahren von fünf auf zehn Prozent verdoppelt.

Die jungen Beschäftigten blicken pessimistischer in die wirtschaftliche Zukunft des Landes als im Vergleich zum Herbst 2010. Aktuell sind nur 63 Prozent optimistisch, was ein Minus von 9 Prozentpunkten ist.

Wiener sind unzufriedener

Der allgemeine Arbeitsklima-Index liegt aktuell bei 108 Punkten. Der Index stagniert seit zwei Jahren bei 107 bis 108 Punkten. Auffallend ist eine deutlich niedrigere Zufriedenheit bei den Beschäftigten im Wien. Hier liegt der Arbeitsklima Index aktuell bei nur 100 Punkten, das ist ein Rückgang um sechs Punkte seit dem Herbst 2010. Ebenfalls leicht gesunken ist der Arbeitsklima Index in der Steiermark und Kärnten (auf 106 Punkte). In Oberösterreich und Salzburg ist der Arbeitsklima Index in den letzten beiden Jahren von 102 auf 108 Punkte gestiegen, in den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg von 109 auf 111 Punkte. Am höchsten liegt die Arbeitszufriedenheit in den östlichen Bundesländern: in Niederösterreich und Burgenland ist der Index zuletzt auf 114 Punkte gestiegen. Die Wiener sind im Vergleich zu 2010 vor allem unzufriedener mit dem Einkommen (minus neun Prozentpunkte), mit den Weiterbildungsmöglichkeiten (minus neun) und mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten (minus zehn).

Unter Qualifikation beschäftigt

Knapp jeder fünfte Beschäftigte in Österreich hat einen Migrationshintergrund. Diese 690.000 Personen haben am Arbeitsmarkt nach wie vor mit vielen Hürden zu kämpfen, geht aus dem Arbeitsklima-Index hervor. Migranten sind außerdem häufig unter ihrer Qualifikation beschäftigt. Die größte Gruppe sind dabei die 90.000 Personen (28 Prozent) aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, die trotz Matura als Arbeiter beschäftigt sind. Im Vergleich dazu sind zwei Prozent der Österreicher mit Matura als Arbeiter beschäftigt.

Die Hälfte aller Beschäftigten mit Migrationshintergrund sind Arbeiter, 45 Prozent sind Angestellte und nur 3 Prozent im öffentlichen Dienst tätig. Im Vergleich dazu sind nur 25 der Österreicher ohne Migrationsmigrationshintergrund Arbeiter, 62 Prozent Angestellte und 13 Prozent im öffentlichen Dienst tätig. (red, APA, 12.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
Ich seh das Problem anderswo

Ich bin gerade in genau dieser Situation:

Abgeschlossenes Studium mit Managementorientierung und bin jetzt als Assistentin in einer Firma, in der ich keine Aufgaben bekomme, die ich später nutzen kann, um mehr als einen Assistenzjob zu bekommen. Ich frage mich, inwiefern ich später einen Job bekommen soll, der kein Assistenzjob ist? Wie steigt man da auf? Wenn ich mir nach einem Jahr etwas anderes suche fange ich ja wieder als Assistentin an. Will aber nicht mein ganzes Leben die Arbeit machen, die mir andere geben.

Fressen oder gefressen werden

Man nimmt sich was man braucht, denn sonst bleibt man ewig auf der Strecke.

Da müssten viele

aber zum nächsten Bewerbungsgespräch mit einem Strumgewehr :" Job oder Leben" ...

Früher (da wo alles besser war) wurden halt noch in vernünftigen Abständen Kriege vom Zaun gebrochen, da waren dann die Jungen beschäftigt oder haben sich zumindest gefürchtet, und folgen haben sie auch noch besser können. Dass denen jetzt teilweise fad wird und Unzufriedenheit aufkommt, wundert mich nicht, für wen und für was soll man sich denn bitte noch aufopfern oder vors Kanonenrohr schmeissen. In den Bürokriegen kannst das ganze Adrenalin ja doch niemals abbaun.

Meine Beobachtungen nach 10 Jahren Berufserfahrungen:

Natürlich bekommen neue Mitarbeiter nur die Drecksarbeit. Also die schwierigen Kunden, die Projekte mit der höchsten Gefahr Fehler zu begehen, die aufreibenden Administrativen Aufgaben etc.

Mir ging es ja nicht anders. Die doppelte Arbeit wie die um 10 Jahre älteren Kollegen, und das halbe Gehalt. Gespräche über das Gehalt waren sinnlos, das wurde fast als Frechheit angesehen.

Natürlich sind die Erwartungen nach der Uni sehr hoch, und man prallt auf Mitarbeiter die eben gelernt haben die ganzen Probleme und Irrsinnigkeiten in der Bürowelt zu akzeptierten bzw. zu ignorieren.

Ich kann nur jedem Jungen empfehlen nach spätestens 2 Jahren die Firma zu wechseln.

schon mal an Stellenwechsel, Umzug ins Ausland gedacht? Wenn sie doppelt soviel leisten wie ihre älteren Kollegen haben sie doch anderswo sicher einen höheren Marktwert als da wo sie jetzt sind! Warum wechseln sie nicht?
Habe erlebt, daß viele zu Maulen aufhören wenn man ihnen sagt dann geh doch und versuche es anderswo.

Was soll der Firmenwechsel bringen? Das versteh ich nicht ganz.

Erfahrung und Steigerung des Selbstbewußtseins

nicht zwangsläufig, aber es wäre aus meiner Sicht auch besser gewesen...
ich bin mir sicher, ich hätte mir das Burnout erspart, das ich nach 10 Jahren dann eingefangen hatte...

kann ich absolut

nicht nachvollziehen.
nach > 10 jahren: neue kollegen werden eingeschult und bekommen meistens die einfacheren projekte. denn wenn sie badengehen, ist der vorgesetzte dran (wie es sich gehoert).

plötzlich sollen sie arbeiten. Ist doch nicht fair. Warum nicht gleichvorgezogener Ruhestand mit ca €800 im Monat?

Selten schwachsinniger Post.

sie hätten eben doch auch den Master machen sollen, dann würden sie das verstehen

Was soll daran schwachsinnig sein?

Wenn Sie sich auf der WU umhören, wollen die 4.500 Anfangsgehalt, ein Büro und eine Sekretärin.
Irrsinn. Wir haben jedes Maß verloren. Das wird auch der Grund sein, warum wir gerade an die Wand fahren.
Wie immer, wenn an die Wand gefahren wird, kann man bis zum Aufprall beschleunigen und die Warner als Idioten abtun. "Funktioniert doch!".

Weil WU Studenten mit überzogenen Vorstellungen ein Minimum der Menge sind um die es hier geht.

Hier geht es um ganz normale Menschen, die für ihre Arbeit gerecht bezahlt werden wollen, damit sie in Würde leben können.

was bedeutet "in Würde" leben? Man kann ein würdevolles Leben in Armut leben, ohne letzes
i-phone, mehreren Urlauben, Vater Karrenz nach Mutter Karrenz, ohne Zweitwagen usw.
Arbeit ist eineWare mit Marktwert.
Bezahlt werden soll Leistung und nicht die Zeit, die jemand hinter dem Schreibtisch verbringt

>Bezahlt werden soll Leistung und nicht die Zeit, die jemand hinter dem Schreibtisch verbringt

Das gibt es bereits. Nennt sich Selbstständigkeit. ;-)
(Und nein, ich red jetzt nicht von der Scheinselbstständigkeit, die ich persönlich als Frechheit empfinde)

Das liegt wohl unter anderem auch daran, dass viele Berufeinsteiger komplett überzogene Vorstellungen zu Karriere und Gehalt haben. Viele denken, dass sie nach 2 Jahren im Unternehmen alte Hasen sind und alles wissen. Und unterbezahlt ist sowieso jeder. Nur wer mit 40 im Management angelangt ist, ist erfolgreich, prädigen die Personaler. Und dann wundert man sich, dass diesen Managern die notwendige Erfahrung und entsprechend der operative Erfolg fehlt.

sie verkennen, dass 90% nie in Managementpositionen aufsteigen, weder früher noch später und dass auch ein Berufseinsteiger zumindest so viel verdienen sollte, dass damit das Leben zu bewältigen ist, inkl. Wohnung etc

diese Karotte, die die meisten nie erreichen - hohes Gehalt irged wann später - glauben eben zunehmend nur noch die Dümmsten dieser Spezies, alle anderen, einigermaßen über Vernunft verfügende, wissen aus der Realität, dass diese auf Hoffnung (ergo Betrug) aufbauende Ausbeutung nur den reichen Unternehmern was bringt, nämlich sich zu Tode schuftende, kaum von dem was sie verdienen. leben könnende psychisch u physisch Kranke von morgen

Andererseits wird man vom Arbeitgeber dumm angesehen, wenn man nicht ins Management aufsteigen will, da man wie ich z.B. lieber seine Freizeit genießt, und sich nicht unbedingt noch mehr Arbeit auflasten will.

Hätte ich dass vor einiger Zeit nicht gut kommuniziert, wäre ich wegen der Ablehnung fast gekündigt worden.

net bös sein, aber es kann hofftenlich nicht die grosse Überraschung sein, dass es nicht ebenso viele Führungskräfte wie Neueinsteiger gibt. So viel zu "Betrug". Viele Berufseinstiger glauben Karriere ist vorprogrammiert und garantiert. Überraschung - dafür muss man hart arbeiten. Und bitte jetzt nicht wieder die alte Leier "das geht nur über Protektion". Zur Ausbeute: in AT liegt das durschnittl. Pensionsalter bei 59, Uni-Absolventen verdienen im Schnitt 2500/Monat (brutto). Was soll diese Leier von "zu Tode schuften" und "kaum vom Verdienst leben können". In welcher Welt leben Sie?

komisch, ehrlich, daß die aussicht 50 jahre lang einer langweiligen tätigkeit nachzugehen, unter ständigem konkurrenzdruck gemobbt zu werden, zususehen wie die früchte seiner arbeit von anderen geerntet werden, um im anschluss einsam und verarmt zu sterben nicht zur zufriedenheit beiträgt wundert mich jetzt aber wirklich.......

Was mich eigentlich schon lange interessiert: Bist du selbstständig? Vertreibst du Teslaspulen? ;-)

yup, bin selbstständig - und vertreibe leider eher das gegenteil davon;-)

Teslastangen?

Posting 1 bis 25 von 56
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.