Pakistan: Neunjährige zu "Streitpfand" erklärt

9. November 2012, 17:25
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Keine unübliche Praxis, Töchter in Streitfällen "als Kompensation zu verkaufen" - Polizei nimmt Dorfälteste und Vater des Mädchens fest

Lahore - Ein Ältestenrat in Pakistan hat ein neunjähriges Mädchen zum "Streitpfand" erklärt. Mit dem Urteil habe der Ältestenrat in der ländlichen Gegend von Bahalak in der Provinz Punjab einen jahrelangen Streit zwischen einem Landarbeiter und einem einflussreichen Landbesitzer schlichten wollen, teilte Polizeichef Mohammad Khalid am Freitag mit. Der Landarbeiter soll in die Entführung und Vergewaltigung der Tochter des Landbesitzers verwickelt gewesen sein. Zur Strafe wurde er nun verpflichtet, seine Tochter Sidra mit dem 22-jährigen Sohn des Landbesitzers zu verheiraten.

Der Landarbeiter habe dem Urteil zugestimmt, berichtete der Polizeichef. Da Sidra mit neun Jahren noch sehr jung sei, sollte sie dem Urteilsspruch zufolge zunächst in ihrer Familie bleiben und später an den Sohn des Landbesitzers übergeben werden. Sollte ihr Vater dem Urteil nicht nachkommen, wurde eine Strafe von 400.000 Rupien (3300 Euro) festgelegt - eine immense Summe für einen pakistanischen Landarbeiter.

"Als Kompensation verkauft"

Nach Bekanntwerden des Urteilsspruchs schritt die Polizei ein: Sowohl die vier Männer des Ältestenrates als auch der Vater von Sidra wurden festgenommen. Auf die in ländlichen Gegenden nicht unübliche Praxis, Töchter in Streitfällen "als Kompensation zu verkaufen", stehen in Pakistan laut Gesetz bis zu sieben Jahre Haft. (APA, 9.11.2012)

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