Wenn der Kater kein Frühstück kriegt

Kolumne9. November 2012, 17:30
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Vor geschlossenen Regalen

Der Kater ist ein Meister in der Kunst, unangenehme Geräusche von sich zu geben. Das unangenehmste ist das futterheischende Morgengreinen, grein, grein, grein, nervenzerrende Katzenmusik, Unlustraunzen und Vorwurfsmiauen zum infernalischen Soundtrack vereint. Wo Balus Morgengreinen ertönt, da wächst kein Gras mehr, da bleibt einem der Kaffee im Halse stecken.

Die gute Nachricht ist die, dass der Kater normalerweise durch üppige Katzenfuttergaben blitzartig ruhiggestellt werden kann. Die schlechte Nachricht ist die, dass ich gelegentlich vergesse, Katzenfutter zu kaufen. So geschehen letzte Woche. GREIN, GREIN, GREIN. Nicht einmal die Notlösung ist möglich, keine eine einzige Fischdose im Kühlschrank. Und Vanillejoghurt, Vollkornbrot oder Mangochutney frisst man ja nicht. Eigenwilliger Schlemmer. Daher volle Kraft voraus: GREIN, GREIN, GREIN.

Das Herrli macht sich jetzt sehr gerne in aller Herrgottsfrüh bei Wind und Wetter zum Katzenfutterkauf auf die Socken. Zum Billa am Franz-Josefs-Bahnhof, der sperrt schon um sechs Uhr auf. Geöffnet ist er zwar, nur erwartet den Käufer am Katzenfutterregal eine Überraschung. Das Katzenfutterregal ist durch ein solides Katzenfutterregal gitter versperrt. Auskunft eines Billa-Mitarbeiters: Vor neun Uhr darf kein Katzenfutter verkauft werden, nur Lebensmittel.

Provozierend blinken Sheba und Chappy durch die Gitterstäbe und scheinen zu sagen: "Kaufen willst mi? Na, wirklich ned." Soll ich vorschützen, dass ich mir gern ab und zu ein Schälchen Royal Canin als Proviant in die Rüstung pfeife? Dass ich Royal Canin als Lebensmittel liebgewonnen habe? Nein, so tief will man doch nicht sinken.

Willkommen in der wunderlichen Welt des österreichischen Öffnungszeitengesetzes. Der Gesetzgeber zwingt Supermarktangestellte dazu, am frühen Morgen mit Katzenfutterregalgittern zu hantieren, er hinterlässt greinende Kater, jaulende Katzen, Katzenhalter am Rande des Nervenzusammenbruchs und fördert vielleicht gar die Entstehung eines illegalen frühmorgendlichen Katzenfutterschwarzmarkts. Und für derlei Narreteien wollen Abgeordnete dann noch Gehaltserhöhungen. Grein!

Übrigens, ein Tipp für Notfälle: Im Bahnhofs-Bipa neben dem Bahnhofs-Billa gibt es Katzenfutter zu kaufen, auch vor acht Uhr morgens. Skurril? Das wäre ein Hilfsausdruck.  (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

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