"Quantensprung im Bildungssystem" gesucht

9. November 2012, 17:12
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Der Technikermangel stellt die Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) vor große Herausforderungen - Studie zeigt die Schwachstellen

"Die HTLs sind der Verkaufsschlager unseres Bildungssystems", sagt Herwig Schneider, Geschäftsführer des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI), "aber abseits davon bin ich kein großer Optimist, was unser Bildungssystem betrifft." Im Auftrag des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) - er vertritt in Österreich die Interessen von knapp 300 Unternehmen mit mehr als 60.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 12,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 - hat das IWI den Status quo und den künftigen Bedarf der Mitarbeiterqualifizierung für die Branche erhoben. Erste Ergebnisse liegen nun vor und bestätigen einmal mehr Schwachpunkte im System.

Neben den begehrten HTL-Absolventen stehen auch Akademiker hoch im Kurs. Wobei die Zufriedenheit mit Universitätsabsolventen in KMUs höher ist als mit Fachhochschulabsolventen. Großunternehmen hingegen sind mit der Ausbildungsqualität beider gleichermaßen zufrieden. Für Schneider liegt der Grund aber vor allem am Informationsgrad der Betriebe. "Dieser Wert wird sich in den nächsten Jahren angleichen", ist er überzeugt.

Schulische Defizite

Aber rund ein Viertel der befragten Unternehmen der Branche gaben an, mit der Ausbildungsqualität der Berufsschulen eher nicht bis überhaupt nicht zufrieden zu sein. Die Ursachen liegen, so die Ergebnisse, in den zum Teil massiven sozialen und/oder schulischen Defiziten. Dieser Mangel müsse dann von den Unternehmen wettgemacht werden, ergänzt Schneider. Und genau das stelle die Betriebe vor weitere Herausforderungen. Auf der einen Seite würden mehr Lehrlinge gebraucht werden, auf der anderen Seite ist die Qualifizierung aber zeitintensiver geworden, erklärt er.

Schon jetzt sei der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern schwierig zu decken. 90 Prozent der Unternehmen gaben an, häufig bis manchmal Schwierigkeiten beim Rekrutieren geeigneter technischer Mitarbeiter zu haben, wobei auch die Herausforderungen bei Positionen, die mindestens Maturaniveau voraussetzen, in KMUs zunehmen. Bei Großunternehmen liegen die Herausforderungen in der Suche nach geeigneten Kandidaten mit Hochschulabschluss.

"Von der Lehre bis zur Matura brauchen wir einen Quantensprung im Bildungssystem, wenn wir zu den Besten gehören und unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten wollen", sagt Schneider. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern sei unter den derzeitigen Bedingungen nur schwer zu decken. Dafür müsse aber die Verkrustung im Denken aufgebrochen werden und Kinder bereits im Kindergarten nicht nur punktuell mit Technik konfrontiert werden.

Nur so könne sich auch im Sinne der Gender Diversity etwas verändern. " Denn da könnten wir schon viel weiter sein", sagt er. Zwar würden die Betriebe über verschiedenste Maßnahmen versuchen, den Frauenanteil in den technischen Positionen zu erhöhen, nach wie vor gebe es aber zu wenig Bewerberinnen. Um das zu ändern, müsse aber auch an den großen Hebeln angesetzt werden, sagt Schneider. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 10./11.11.2012)

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    Rund ein Viertel der Unternehmen ist mit der Ausbildungsqualität der Berufsschulen eher nicht bis überhaupt nicht zufrieden.

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