Am Ballermann: Das unfassbare Grauen

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  • Auch Paul Jahnke aus der Reality-Soap "Der Bachelor" (mit Fans) nahm am Mallorca-Marathon teil.
    foto: thomas rottenberg

    Auch Paul Jahnke aus der Reality-Soap "Der Bachelor" (mit Fans) nahm am Mallorca-Marathon teil.

  • Nach dem Laufevent verschlug es viele Teilnehmer in die Bierzelte am Ballermann, um mit Nichtläufern auf den Tischen zu tanzen.
    foto: thomas rottenberg

    Nach dem Laufevent verschlug es viele Teilnehmer in die Bierzelte am Ballermann, um mit Nichtläufern auf den Tischen zu tanzen.

  • Eindeutige verbale und visuelle Botschaften funktionierten als probates Lockmittel.
    foto: thomas rottenberg

    Eindeutige verbale und visuelle Botschaften funktionierten als probates Lockmittel.

  • Der Geruch in den Spelunken war speziell. Kein Wunder, bei diesen Getränkepreisen.
    foto: thomas rottenberg

    Der Geruch in den Spelunken war speziell. Kein Wunder, bei diesen Getränkepreisen.

  • Die Frage ist, ob tatsächlich wer außerhalb der Happy Hours konsumiert?
    foto: thomas rottenberg

    Die Frage ist, ob tatsächlich wer außerhalb der Happy Hours konsumiert?

  •  Echte deutsche Würste - auch bei der festen Nahrung fühlen sich die meisten Gäste heimisch.
    foto: thomas rottenberg

    Echte deutsche Würste - auch bei der festen Nahrung fühlen sich die meisten Gäste heimisch.

  • Ein Schnappschuss mit Lauf-Coach Michael Buchleitner (Mi.) und RTL-Moderatorin Katja Burkart bleibt als Erinnerung für daheim.
    foto: thomas rottenberg

    Ein Schnappschuss mit Lauf-Coach Michael Buchleitner (Mi.) und RTL-Moderatorin Katja Burkart bleibt als Erinnerung für daheim.

Mallorca ist weit mehr als der Ballermann. Doch der ist sogar zum Saisonschluss so heftig, dass sich beinahe ein Plädoyer für überirdische Atomtests auf den Balearen ausgeht

Ein paar Namen fehlten in der großen Geschichte: Katja Burkart, Paul Jahnke, Wolfram Kons und Rebecca Mir. Die waren nämlich auch in Palma. Und liefen. Bloß: In der Geschichte über den Mallorca-Marathon im Reiseteil auf derStandard.at kommen sie nicht vor.

Und das, obwohl die RTL-Moderatoren (Burkart und Kons) sowie die von Castingshows geschaffenen Stars (Jahnke aus "Der Bachelor" und Mir aus Model- und Tanzshows) auch liefen. Und wir - also meine Laufgruppe und ich - uns natürlich mit ihnen abknipsten. Obwohl wir (also: ich) nicht bei allen wussten, wer sie waren: Die deutsche Paparazzo-Meute prügelte sich um sie - Grund genug, auch abzudrücken: Aus Mallorca ohne Promi-Pics heim zu kommen, hätte keinen schlanken Fuß gemacht.

Auflauf der Ersatz-VIPs

Tatsächlich waren die Promis aber Stand-Ins und konnten über unser Ballermannversagen nicht hinwegtäuschen: Auf dem Journalistentrip zum Marathon hatten wir einen Blick in die Hölle geworfen. Aber niemanden getroffen, für den die Deutschen an den Ballermann reisen: Kein Jürgen Drews. Kein Wolfgang Petri. Kein Micki wie-auch-immer-der-jetzt-heißen-mag ... Nicht einmal aus dem Beisl der Frau Katzenberger hatten wir Bilder.

Selber schuld: Wir waren zu schwach. Obwohl der Ballermann Ende Oktober ohnehin im Schongang läuft. Doch uns war es zu viel. Obwohl jeder von uns die Tiefen niveaubefreiter Massenunterhaltung kennt. Von Skihütten. Zeltfesten. Oktoberfesten. Oder Massenmaturareisen.

Maturareise als Ethik-Kongress

Bei letzteren bin ich Experte. Ich habe schon einige Male intelligente und hoffnungsfrohe Jugendliche zu triebgesteuerten Einzellern mutieren gesehen, sobald der "Urlaub ihres Lebens" beginnt: Evolution auf "rewind". Ein Trip in faszinierende, erschreckende Tiefen.

Aber: Im Vergleich zum Saisonausklang des Ballermanns ist jede Massenmaturareise eine nach Zen-Meditationszeremoniell abgehaltene Konferenz über den Zusammenhang der Ethik in der Molekularbiologie mit der finnischen Lyrik des 19. Jahrhunderts. DJ Ötzi wirkt wie der Dalai Lama. Antonia aus Tirol ist Simone de Beauvoir, Bambie Bruckner Elfriede Jelinek.

Sport und Alkoholmissbrauch

Kurz: So etwas habe ich noch nicht erlebt. Habe ich je behauptet, eine Schwäche für Trash zu haben? Ich widerrufe. Und bereue. Der Ballerman schaffte es. Und mich: Ich floh.

Es begann harmlos: Die offizielle "After Race Party" in irgendeinem Großbierbunker. Wir ahnten nichts: Bierzelt halt. Was sollte da schon passieren? Diese Leute waren ja mit uns durch Palma gejoggt. Doch ach: Die schunkelnden, grölenden und einander ihre Medaillen (ok: fast nur für Kürzest- und Gehdistanz) ins Gesicht haltenden Gestalten bewiesen: Es gibt keinen Widerspruch zwischen Sport und massivem, lang antrainiertem Alkoholmissbrauch.

Zehn Songs und weg

Die Kapelle spielte Grauenhaftes grässlich - oder umgekehrt. Die Menschen tanzten dazu auf den Tischen. Die Kapelle machte Pause, der DJ übernahm - und spielte die gleichen Songs. "Joanna, du geile Sau" und "Nackte Frisösen". Dann wurde es schlichter: "Sie hat nur Schuhe an". Und noch schlichter: "Titten raus, denn es ist Sommer". Die Menschen tanzten auf den Tischen.

Dann kamen Gogos. Oder was hier als Gogo gilt: Riesenbrüste im Minidirndl - mit Upskirt-View-Garantie. Tanzen? Wer braucht das: ein Kopulationsbeckenwipp und dann den Rock gelüftet. Hände an die Möpse. Das Publikum - Männer wie Frauen - johlte. Und tanzte auf den Tischen. Die Kapelle kam zurück und spielte ihre zehn Lieder: "Heho, wir fahrn ins Puff nach Barcelona ...". Es roch nach Erbrochenem. Die Wandgemälde von vorgebeugten Kellnerinnen in Miniröckchen fielen uns erst auf, als wir flüchteten.

Zweiter Versuch, gleiches Ergebnis

Wir versuchten es anderswo. Ein Koberer ("Ich bin seit 20 Jahren hier und weiß, was allen gefällt") schleuste uns in eines der berühmten Lokale hinunter. Der Raum war niedrig. Es roch nach Erbrochenem. Vorne spielte man Grässliches grauenhaft: Die 10 Songs von gerade eben. Der Gitarrist: die Frankensteinversion eines Urahns von Boris Bukowski hoch Keith Richards. Die Sängerin: der Zombie der Ururgroßmutter von Joan Jett.

Das Publikum trug Bekennershirts ("Sauna & Kegeln", "Junggesellenabschied 2012", "Finde raus, ob meine echt sind" ...). Wäre der Raum höher, hätten die Menschen auf den Tischen getanzt. Die Band hatte fertig. Der DJ legte los: "Sie hat nur Schuhe an". Dann "Titten raus ...". Alle grölten mit.

Drink-Kombis und Frittierfett

Plakate: Zu einem Liter Longdrink gibt es ein Gratis-T-Shirt. Eine Mitreisende wollte es wissen und bestellte einen Liter Gin-Tonic. Das T-Shirt war klamm und roch getragen - und nach Erbrochenem. Neben der Garderobe: eine Filiale der omnipräsenten Würstelstandkette. Fett- und Frittiergeruch im Duell mit dem Odeur von Erbrochenem.

Dann wieder die Zombies on stage: "Sie hat nur Schuhe an". Aus. Ich gab auf. Wankte nach oben. Flehte um einen Atombombentest. Überirdisch. Jetzt und hier. Irgendjemand brachte mich in mein Hotelzimmer.

Chill-out im Backcountry

Unsere Reiseorganisatoren hatten uns genau beobachtet. Und lange vorher gewusst, dass man Journalisten nicht mit solchen letzten Eindrücken nach Hause fahren lassen darf: Am nächsten Tag karrten sie uns anderswohin. Weg vom Ballermann. Weit weg.

Per aspera ad astra, lachte meine Sitznachbarin, als wir eine der schönsten Mittelmeerküsten von überhaupt entlangfuhren. Wir strichen durch malerische Bergdörfer und träumten davon, hier Rad zu fahren. Oder zu wandern und zu klettern. Als wir am Abend dann in den Flieger nach Wien stiegen, war der Ballermann nur noch ein Nebel in der Ferne. Beinahe: Hinter mir summte einer im Halbschlaf. "Sie hat nur Schuhe an". Er riecht nach Erbrochenem. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 9.11.2012)

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So hat halt ein jeder seinen Vogel.

Der eine meint, es sei toll tausend Kilomter zu fliegen um sich gemeinsam zu besaufen.
Der andere meint, es sei toll tausend Kilomter zu fliegen um gemeinsam ein wenig zu laufen..
Am Ende hält jeder der beiden den anderen für verrückt. Und irgendwie sind sie es auch beide. Aber harmlos.

Ist es nicht langweilig?

Man weiß ja eh, dass es in den westlichen Industriestaaten eine Unterschicht gibt, deren Bedürfnisse halt anders gewichtet sind als die der geistigen oder finanziellen Eliten.

Da hat wohl einer

Urlaub bei Freunden gemacht...

wenn man schon auf mallorca ist muß man sich das einmal geben!
einmal bedeutet max.2h!um mitreden zu können.
ansonsten ist diese insel ja wunderschön und reizvoll.

Die Insel ist wunderschön & reizvoll aber na, net amal für 2 Minuten... den Ballermann würd ich ma nur mit Flammenwerfer, 200 Liter-Tank & an diabolischen Grinsen geben, nebenbei würd ich ständig "Das heilige Feuer wird euch reinigen & erlösen" wiederholen

Wems gefällt der solls machen!

Ich glaub jeder weiß wie es am Ballermann zu geht und wer das nicht will soll nicht hin fahren. Ich war auch noch nie dort, aber es stört mich überhaupt nicht, dass es ihn gibt.

"... dass sich beinahe ein Plädoyer für überirdische Atomtests auf den Balearen ausgeht"

.
da les' ich gar nicht mehr weiter. abgesehen davon, dass sowieso irgendwann sicher die sinngemäße erwähnung "Mallorca hat auch schöne ecken" komme (not)dürfte.

auch wenn's "lustig" gemeint sein soll, und so schlimm's da auch zugehen mag, aber es sind immer noch menschen, (egal ob sie dort saufen, f*cken, kotzen, oder was auch immer ...).

Genmutationen...

... zur gezielten Hebung des Intellekts lassen sich durch ionisierende Strahlung sicher nicht sehr effizient auslösen.

Egal ob aber beim Ballermann in "Malle" oder nur in den Seitenblicken des Herrn Hermes in "Willkommen Österreich": Alkohol- und milieubedingte Inzu..., pardon, Dysgenik kann dem Fortschritt der Menschheit bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen niemals zuträglich sein.

Dr. Heinz Anderle, durch Verstand einsamer Freigeist

"Dr. Heinz Anderle, durch Verstand einsamer Freigeist"

.
Sie müssen sehr stolz auf sich sein, sowas von sich behaupten zu können ... ;o)

"DJ Ötzi wirkt wie der Dalai Lama."

die passen eh gut zusammen. beide bedienen eher die schlichteren gemüter. ersterer die, die ehrlicherweise garnicht erst den anspruch stellen intellektuelle zu sein, zweiterer die selbstgerechte schickeria der (westlichen) innenstadt.

am ballermann...

Herr Rottenberg: wenn Sie nach Syrien fahren sollten Sie sich nicht wundern wenn geschossen wird.

und am Ballermann wird halt geballert! da so zu tun als wären Sie angewidert, das ist dann einfach eine falsche Berufswahl sozusagen. Lifestylereporter fahren momentan auch nicht nach Syrien...

Hatte im Sommer das Vergnügen, in Palma umzusteigen. Was ich da in den 2 Std gesehen habe, hat mir eigentlich schon gereicht. Besoffene, gröhlende, fußballspielende Deutsche in den Wartehallen des Flughafens. So überhaupt kein Respekt vor dem Gastgeberland. Und das beste war der eigene "deutsche" Biergarten mitten im Flughafen.

Als ich mir dann was zu essen kaufte, bestellte ich auf englisch, in der Hoffnung ich werde nicht mit einem (deutschen) Ballermanntouristen verwechselt. War ausnahmsweise mal ein echter Nachteil, groß blond und blauäugig zu sein :-)

War aber vielleicht auch eine extreme Zeit dort, Mitte Juli.

ihre sorgen möchte ich nicht haben.

super Artikel !

leider...wie wahr, wie wahr .....

Da hat er sich wieder...

arg unter seinem Niveau amüsiert, der Herr Thomas R,, der Dominic H. des "Standard". Obwohl: ist so etwas überhaupt möglich?

klingt eh spassig.

wenn man sowas eher nicht mag sollt man lieber woanders hinfahrn.

Ach, der Autor wurde sicher mit vorgehaltener Waffe auf den Ballermann gezwungen!

"Und wir - also meine Laufgruppe und ich"

Dazu die Lehrerin ("per aspera ad astra"). Aha.

Überschrift: " Das unfassbare Grauen" . Es ist eher das Grauen vor dem Horizont des Schreiberlings angebracht.
"Die überirdischen Atomtests über den Balearen" sollten nur unter Anwesenheit des Herrn R. durchgeführt werden.
Gehts eigentlich noch?

Sowas von Bornierheit und Arroganz sucht seinesgleichen.

solange

es nur "überirdische" Atomtests sind, wird´s wohl nicht so schlimm sein

Ich glaube das mit der Anwesenheit hat er sich selbst gewünscht ...

Wozu in die Ferne schweifen,...

... wenn das Böse liegt so nah?

http://www.youtube.com/user/Hann... eos?view=0

(auf eigene Gefahr!)

Dr. Heinz Anderle, dringendst ein Einreisevisum nach Arcadien benötigender Freigeist

Ich frag mich grad, was der Rotti daheim in der Redaktion wohl schreckliches verbrochen haben muß, daß man ihn ausgerechnet dort hingeschickt hat...

Viele, die dort "Party machen" würden sich nicht trauen, sich zu Hause so aufzuführen wie sie das auf Mallorca tun. Die Insel ist keine Partymeile, sondern ein fremdes Land, dessen Kultur man achten sollte. Mich stört mittlerweile auch sehr, dass so viele Deutsche dort leben. Sorry, liebe Deutsche, mag euch in kleinen Mengen wirklich gerne, aber dass so viele nach Mallorca ziehen und die Insel als "17. Bundesland" betrachten, ist schlimm. Ich war schon öfter auf Mallorca und mag die Insel sehr, aber sie soll spanisch bleiben. Wenn man schon dort lebt, sollte man zumindest die Sprache lernen und sich in die spanische Kultur einfügen, sonst ist das nichts anderes als eine Art Kolonialisierung, nur nicht mit Waffen, sondern mit Geld.

"Ich war schon öfter auf Mallorca und mag die Insel sehr, aber sie soll spanisch bleiben"

.
haben Sie sich eigentlich überlegt, wie das klingt, wenn man in Ihrer obigen aussage die ausdrücke "die Insel" und "spanisch" durch "Deutschland" und "deutsch" ersetzt?

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